Fünf Jahre Zertifikatsstudiengang Interreligiöse Mediation an der Universität Augsburg
Mit dem Zusatzzertifikat Interreligiöse Mediation wurde an der Universität
Augsburg vor fünf Jahren ein Angebot für (Lehramts)studierende wie
Lehrkräfte etabliert, welches die fachliche und pädagogische Ausbildung um
interreligiöse und friedenspädagogische Kompetenzen ergänzt. Das Jubiläum
des Erweiterungsstudiengangs zeigt deutlich, dass dieser Ansatz am Lernort
Schule wichtiger ist als je.
Schulen sind Orte, an denen das grundlegende Verständnis unserer Kinder
und somit der nächsten Generationen für interkulturelles und
interreligiöses Zusammenleben geschaffen wird. Der Umgang mit religiöser
Vielfalt am Lernort Klassenzimmer benötigt spezielle Kompetenzen, die im
Zertifikatsstudiengang Interreligiöse Mediation (ZIM) vermittelt werden.
„Die Möglichkeit hier an der Universität Augsburg eine derartige
interreligiöse und damit auch friedenspädagogische Professionalisierung
für Lehramtsstudierende sowie Referendarinnen, Referendare und Lehrkräfte
anzubieten, ist nach fünf Jahren ein gelungenes Modell“, sagt Prof. Dr.
Elisabeth Naurath. „Gerade in der heutigen Zeit sehen wir, wie wichtig es
ist, das Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen ist fördern“.
Die Professorin für Evangelische Religionspädagogik und Didaktik des
Religionsunterrichts hat den Erweiterungsstudiengang vor fünf Jahren
gemeinsam mit Prof. Dr. Georg Langenhorst, Lehrstuhlinhaber für Didaktik
des katholischen Religionsunterrichts und Religionspädagogik, ins Leben
gerufen.
Judentum, Christentum, Islam und weitere Weltreligionen
Das Zusatzzertifikat Interreligiöse Mediation richtet sich als
Ergänzungsstudium an Studierende der Pädagogik und Geisteswissenschaften
und des Lehramts sowie Lehrkräfte aller Fächerkombinationen und
Schularten.
Das Zertifikat erschließt pädagogische Grundlagen interreligiöser Bildung
und friedenspädagogischer Perspektive sowie relevantes Grundwissen über
Judentum, Christentum und Islam im Kontext weiterer Weltreligionen und
philosophischer Traditionen ein. Die Prävention religiös bedingter
Diskriminierungserfahrungen steht hierbei im Fokus.
Vertiefungsmöglichkeiten in den Bereichen der Kindheits- oder
Jugendforschung, des interreligiösen Umgangs mit den konstitutiven
Schriften, der Theologie des Interreligiösen Dialogs, ethischen oder
juristischen Aspekte interreligiöser Begegnungen und Projekte runden das
Angebot ab.
„Dabei sind uns authentische Einblicke in die Perspektiven ihrer
Religionen wichtig“, meint Prof. Dr. Georg Langenhorst. Neben den Kursen
der Dozierenden werden regelmäßig Gastvorträge aus verschiedenen
Richtungen der Weltreligionen angeboten.
Philip Timm, der gerade den Erweiterungsstudiengang belegt, meint: „Mich
hat das Bestreben nach einem Miteinander, in dem jede Religion ihren Platz
hat, beeindruckt. Es ist inspirierend zu sehen, wie Vertreterinnen und
Vertreter unterschiedlicher Religionen dieses Ziel mit viel Herzblut
verfolgen.“
Elisabeth Naurath erklärt: „Übergreifend fließt aber auch umweltethische
Bildung mit ein, die auf Fragen des Klimaschutzes, der Klimaresilienz und
der Klimagerechtigkeit eingeht. Daneben ist die Prävention von
Diskriminierung – insbesondere von Antisemitismus – ein anderer wichtiger
Bestandteil“.
Viele Religionen in den Klassen
In den Schulklassen von Dr. Dr. Jasmin Kriesten sind viele Religionen
vertreten. „Der Austausch über die gelebten religiösen Rituale bei den
Kindern zu Hause ist immer bereichernd. Sie stellen Fragen und wünschen
sich das Gespräch über Feiertage, Gottesvorstellungen und individuelle
religiöse Erfahrungen. Ich bin mit meinem Wissen aus dem ZIM niemals
unvorbereitet, kann mich somit offen in den Austausch begeben und den
Kindern so gerecht werden“, sagt die Referendarin. Außerdem ermögliche das
Erweiterungsstudium, sich im Schulleben zu engagieren und Aspekte, die zur
interreligiösen Zusammenarbeit sehr relevant sind, einzubringen – zum
Beispiel, wenn es darum geht, multireligiöse Feiern zu gestalten.
Als Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für
Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe der Bayerischen Staatsregierung
weist Dr. Ludwig Spaenle auf die Bedeutung der Hochschulen für die
Antisemitismusprävention in der Bildungsarbeit hin. Das Augsburger
Zusatzzertifikat Interreligiöse Mediation habe hier eine Vorreiterrolle,
so Spaenle anlässlich des Jubiläums. Es gebe bereits Interesse anderer
Standorte, von Augsburg zu lernen.
