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Wie viel Sozialität braucht Künstliche Intelligenz?

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Soziale Interaktionen zwischen Menschen nehmen viele verschiedene Formen
an: Zusammenarbeit, Mitgestaltung, Kooperation, Kollaboration. Selbst wenn
die einzelnen Handlungen funktional ähnlich sind, was gemeinsam getan
wird, hängt letztlich davon ab, wie es gemeinsam getan wird. Die
Philosophin Professorin Dr. Johanna Seibt von der Universität Aarhus in
Dänemark sieht hier Schwierigkeiten für Anwendungen mit Künstlicher
Intelligenz (KI) und Robotik. Einblicke in ihre Forschung dazu gibt die
Expertin für Robophilosophie am kommenden Montag, 15. Januar, ab 16 Uhr,
in einem hybriden Vortrag via Zoom und in Präsenz im CITEC-Gebäude der
Universität Bielefeld (Raum 1.204).

Die Veranstaltung gehört zu der Reihe „Co-Constructing Intelligence“ (Ko-
Konstruktion von Intelligenz), einem Angebot der Universitäten Bielefeld,
Bremen und Paderborn. Die Teilnahme an dem englischen Vortrag ist
kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In den sozialen Interaktionsszenarien, die derzeit für den künftigen
öffentlichen Einsatz von Robotern und KI vorstellbar sind, müssen diese
als künstliche soziale Agenten konzipiert werden, so Seibt. In ihrem
Vortrag „The Problem of Artificial ’Social Others’: How Much Sociality Do
We Need for Hybrid Intelligence?“ („Das Problem der künstlichen ,sozialen
Anderen‘: Wie viel Sozialität brauchen wir für hybride Intelligenz?“) geht
die Philosophin darauf ein, dass das theoretische Konstrukt der
„Anthropomorphisierung“, also menschliche Eigenschaften auf
Nichtmenschliches zu übertragen, im Zusammenhang mit KI und Robotern
überdacht werden müsse. Es geschehe vielmehr eine „Soziomorphisierung“ in
dem den künstlichen Intelligenzen Koordinationsfähigkeiten zugewiesen
würden, die sie befähigten, auf verschiedene Arten sozial zu interagieren,
ohne dass sie zwingend menschliche Fähigkeiten zugeschrieben bekommen.

„Johanna Seibt gehört zu den international führenden Wissenschaftler*innen
zu Mensch-Roboter-Interaktion“, sagt Professor Dr. Philipp Cimiano, Leiter
der Arbeitsgruppe Semantische Datenbanken an der Universität Bielefeld,
der den Vortrag mit organisiert. „Derzeit befasst sie sich mit
Robophilosophie, einem neuen Bereich der angewandten interdisziplinären
Philosophie. Ihre Forschung liefert weitreichende Impulse dazu, wie die
Phänomene der Mensch-Roboter Interaktion der Philosophie neue Aufgaben
aufgeben – sowohl in der Ethik wie auch in der theoretischen Philosophie.“

Ontologischer Beschreibungsrahmen zur sozialen Robotik
Seibt ist Direktorin der Robophilosophy Research Unit der Universität
Aarhus, die interdisziplinäre philosophische und empirische Forschung zur
Mensch-Roboter-Interaktion und Robotik betreibt. In ihrem Vortrag stellt
sie nun den neu entwickelten Beschreibungsrahmen OASIS (Ontology of
Asymmetric Social Interactions, übersetzt: Ontologie der asymmetrischen
sozialen Interaktionen) vor, mit dem im Detail untersucht werden kann,
welche Formen der Soziomorphisierung für eine geplante Anwendung
förderlich sind.

Durch die Unterscheidung von zehn Sozialitätsebenen und fünf
Simulationsgraden ermögliche OASIS hochdifferenzierte Beschreibungen
menschlicher sozialer Interaktion mit Robotern und KI, die benötigt
würden, um Nutzer*innen dabei zu helfen, ihre Erwartungen an die
Zuverlässigkeit der KI anzupassen und ethische Risikobewertungen von KI
durchzuführen.

Vortragsreihe dazu, wie die Umwelt gemeinsam interpretiert wird
Der Vortrag ist Teil der Vortragsreihe „Co-Constructing Intelligence“. Für
die Reihe kooperieren die Universitäten Bielefeld, Bremen und Paderborn.
Philipp Cimiano organisiert die Vortragsreihe unter anderem mit der
Bielefelder Informatikerin Professorin Dr.-Ing. Britta Wrede, dem Bremer
Informatiker Professor Dr. Michael Beetz und der Paderborner Linguistin
Professorin Dr. Katharina Rohlfing. Die Vortragsreihe ist ein Angebot
einer gemeinsamen Forschungsinitiative der drei Universitäten. Der
Zusammenschluss nutzt das Prinzip der Ko-Konstruktion, um das Verständnis
und die Fähigkeiten von Robotern an die von Menschen anzupassen. Die
Forschenden arbeiten so an der Basis für eine flexible und sinnhafte
Interaktion von Robotern mit Menschen im Alltag. Der Begriff Ko-
Konstruktion bezieht sich darauf, dass die Interpretation der Umwelt und
die Ausführung von Handlungen in Zusammenarbeit erfolgen.