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Historische Parks im Klimastress Erstmals deutschlandweite Untersuchung – DBU-Förderung

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Zum ersten Mal wird heute (Freitag) von der Technischen
Universität (TU) Berlin für Deutschland ein Klima-Parkschadensbericht
vorgelegt: Niemals zuvor gab es eine solche systematische bundesweite
Untersuchung zu den Folgen der Klimakrise für Parkanlagen und Gärten.
Möglich wurde der Report durch fachliche und finanzielle Förderung der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Ein Fazit: Die historischen
Parkanlagen sind im Klimastress. „Wir müssen viel konsequenter handeln,
damit die Lage nicht noch schlimmer wird“, fordert DBU-Generalsekretär
Alexander Bonde.

59 Prozent aller Bäume in den bundesweit untersuchten Parks sind
beeinträchtigt

Die nun vorliegende erstmals umfassende nationale Auswertung durch
Forscherinnen und Forscher der TU Berlin beschreibt den Ist-Zustand der
historischen Parks in Deutschland im Jahr 2022. Ergebnis: Von den 157.323
erfassten Bäumen waren 64.202 Exemplare, also rund 41 Prozent, vital und
kaum beeinträchtigt. Jedoch waren etwa 50 Prozent, das sind 78.522 Bäume,
leicht bis mittelstark betroffen. Und 14.598 Gehölze (neun Prozent) waren
schwer beschädigt oder gar tot. Kurzum: Im Jahr 2022 zeigten 59 Prozent
aller Bäume in den untersuchten Parkanlagen Beeinträchtigungen. Besonders
betroffen mit einem Anteil von 90 bis 100 Prozent geschädigter Bäume waren
Parks in Liebenstein, Wiesbaden, Lichtenwalde sowie der Jenischpark in
Hamburg und Park Schönfeld in Kassel. Außerdem wurden in acht Parks die
Vitalität der Bäume 2017 und 2020 miteinander verglichen: In allen Anlagen
nahm die Gesundheit der Pflanzen in diesem Zeitraum ab. Während es im
Englischen Garten in München zwar kaum Veränderungen gab, mussten aber
unter anderem Park Sanssouci in Potsdam einige und der Große Garten in
Dresden sowie der Park in Schwetzingen enorme Verluste hinnehmen. Noch
etwas fördert der Parkschadensbericht zutage: Fremdländische Baumarten
kommen mit dem Klimastress besser zurecht als heimische Pflanzen.

Spektraldaten der ESA-Raumfahrtmission Sentinel-2 helfen beim
Parkschadensbericht

Grundlage des Parkschadensberichts über den Ist-Zustand 2022 waren
Untersuchungen für die Jahre 2018 bis 2020, die infolge des Klimawandels
verstärkt von Hitzeperioden und Orkanen geprägt waren. Der nationale
Report skizziert die Auswirkungen auf 62 Parkanlagen in elf Bundesländern.
„Es ist höchste Zeit für Strategien zum Erhalt der Bäume und Gehölze in
den historischen Parkanlagen“, fordert Projektleiter Prof. Dr. Norbert
Kühn von der TU Berlin. Neben der Berechnung klimatischer Wasserbilanzen
sind die Vitalität einzelner Baumarten sowie der Zustand der Parkanlagen
insgesamt unter die Lupe genommen worden. Geholfen haben dabei sowohl
digitalisierte Katasterdaten als auch Spektraldaten der Raumfahrtmission
Sentinel-2 des Copernicus-Programms der europäischen Raumfahrtbehörde ESA.

Historische Gartenanlagen ein Trumpf fürs Stadtklima

„Es handelt sich hier keineswegs um ein Elite-Problem“, betont
Projektleiter Kühn. Und es geht nach seinen Worten auch nicht allein um
den Erhalt von Kulturgut. Parks und Gärten seien nämlich noch für zwei
andere Bereiche enorm wichtig: für Biodiversität und zur Klimaadaptation.
Die für den Parkschadensbericht ausgewerteten Katasterdaten belegen Kühns
Hinweis: Demnach erweisen sich die 62 untersuchten Parks und Gärten als
Hotspots biologischer Vielfalt: Registriert wurden 543 verschiedene
Baumarten und Hybriden – bundesweit existieren lediglich 92 heimische
Baumarten. Kühn ergänzt: „Viele Parkanlagen und Gärten sind stadtnah,
spenden Schatten, sorgen für Verdunstung und bieten gerade in
Hitzeperioden besonders in städtischen Ballungsräumen wie Charlottenburg
und Potsdam Kühlung. Das alles ist ein unverzichtbarer Beitrag zur
Gesundheit der Menschen“, so der Leiter des Fachgebiets Vegetationstechnik
und Pflanzenverwendung an der TU Berlin. DBU-Expertin Constanze Fuhrmann
verweist in dem Zusammenhang auf die Bedeutung der historischen Gärten
„für eine klimaresiliente Entwicklung“. Fuhrmann: „Historische
Gartenanlagen fungieren als Senken für das klimaschädliche Kohlendioxid.
Sie filtern Luftschadstoffe und haben eine positive Wirkung auf das
Stadtklima.“

Kühn: Künftige Gestaltung von Parks und Gärten mit Flaum-Eiche, Blumen-
Esche und Hopfenbuche

DBU-Generalsekretär Bonde verbindet mit der heutigen Premiere des
Parkschadensberichts eine Hoffnung: „Idealerweise entwickelt sich daraus
eine regelmäßige Analyse – analog zum Waldzustandsbericht. Nur so sind
Strategien für den Erhalt der Naturjuwele möglich.“ Nach seinen Worten
sind die Ergebnisse des Parkschadensberichts „auch Handlungsauftrag, weil
tiefgreifende Veränderungen für Mensch, Natur und Kulturgut drohen“.
Projektleiter Kühn fordert derweil, „aus dem Parkschadensbericht die
richtigen Schlüsse zu ziehen“. Das Thema müsse „politisch ernst genommen“
werden. Dazu gehört Kühn zufolge „mehr Geld für den Erhalt von Parks und
Gärten“. Der Projektleiter weiter: „Das heißt aber auch, die künftige
Gestaltung von Parkanlagen zu überdenken. Benötigt werden vermehrt
Baumarten, die Hitzestress und Trockenheit vertragen – etwa die
sogenannten „nearly natives“ also Arten, die aus südlich angrenzenden
Gebieten stammen und im Zuge der Klimaveränderung über kurz oder lang
sowieso bei uns einwandern würden. Flaum- und Zerr-Eiche zählen ebenso
dazu wie Blumen-Esche, Hopfenbuche und Silber-Linde.“