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„Ein wichtiges Signal in die Gesellschaft“

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Von diesem Preis geht ein wichtiges Signal in die Hochschule und aus der
Hochschule in die Gesellschaft hinaus“, sagte Präsident Dr. Marc Hudy bei
der feierlichen Verleihung des HAWK-Preises für Genderforschung 2023, den
die Hochschule das 2. Mal in der Aula vergab. „Dieser Preis ist eine
wichtige Motivation, um die Genderforschung und die damit verbundenen
Themenkomplexe an der HAWK zum einen zu würdigen und zum anderen voran zu
bringen. Wir brauchen diese Erkenntnisgewinne für die Lehre und
dementsprechend dann auch für die Praxis“. Besonders in aktuellen Zeiten
gehe davon auch ein politisches Signal für mehr Vielfalt und Gerechtigkeit
im Sinne von Artikel 3 des Grundgesetzes aus.

„Sichtbarkeit“, nennt Gleichstellungsbeauftragte Nicola Hille die
Grundidee des Preises, den sie anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des
Gleichstellungsbüros an der HAWK 2022 ins Leben rief. Der Preis würdigt
seitdem die wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz von
Forschungs- und Lehrkonzepten mit Geschlechterbezug. Er richtet das
Augenmerk auf innovative Ansätze und Fragestellungen für die Forschung und
Lehre sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
„Genderforschung ist disziplinübergreifend und oft multi-, inter- und
transdisziplinär. Durch die Preisverleihung kann dieser Forschungszweig
dynamischer und methodischer an der HAWK weiterentwickelt werden“, so
Hille. Der Preis wird in Zukunft alle 2 Jahre ausgeschrieben.

Die HAWK-Studentin Fatma Celik von der Fakultät Management, Soziale
Arbeit, Bauen in Holzminden erhielt eine Auszeichnung für ihre
Bachelorarbeit: „Intersektionale und diversitätsbewusste Perspektive in
der Sozialen Arbeit im Kontext Migration“. Bei der professionellen
Ausübung des Berufes sei vor allem immer wichtig, Haltung und
Einstellungen kritisch zu hinterfragen und nicht unbewusst Klischees
einfach zu reproduzieren, fasste Laudatorin Prof. em. Dr. Uta Brandes den
Kern der Arbeit zusammen.

Kikko Neubert entwickelte an der Fakultät Gestaltung in Hildesheim die
ausgezeichnete Masterarbeit: „Tabu(Ab)bruch – Eine Kommunikationsstrategie
zur Verbesserung der Versorgungslage von Schwangerschaftsabbrüchen“.
Getarnt in Form eines Kochbuches zu Papaya [link:
https://projekte.g.hawk.de/projekt/63e0b4b1be482] sollen so medizinisch-
relevante Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen in Länder gelangen,
die Abtreibungen verbieten. „Der Umfang, Informationsgehalt und das Design
haben uns überzeugt“, lobte Laudatorin Prof. em. Dr. Uta Brandes (Köln
International School of Design).

Verw.-Prof. Denise Bernhard-Banza von der Göttinger Fakultät
Ingenieurwissenschaften und Gesundheit erhielt den 1. Preis im Bereich
Forschung für: „Meet me halfway“ – the influence of gender on the attitude
of nurses to work together with physicians“
(Geschlechterrollenorientierung und interprofessionelle Zusammenarbeit von
Pflegefachpersonen und Mediziner*innen). „Das Forschungsprojekt weist
deutlich darauf hin, traditionelle Geschlechterrollenorientierungen
aufzulösen und flexiblere Professionalitätsmerkmale zu definieren. Die
Ergebnisse des Forschungsprojekts können im Rahmen von Aus-, Fort- und
Weiterbildung von Pflegefachpersonen einen relevanten Beitrag zum Abbau
von geschlechtsspezifischen Stereotypen leisten“, so Laudatorin und Jury-
Mitglied Prof. Dr. Anja Henningsen (FH Kiel).

„Wir machen weiter“, versprach Prof. Dr. Tim Rohrmann von der Fakultät
Soziale Arbeit und Gesundheit in Hildesheim. Das Forschungsprojekt:
„Sprachförderbedarf und Geschlecht in der Region Hildesheim: Erhebung
einer Datengrundlage im Bereich der Frühen Bildung“ sei erst der Anfang
gewesen, freute er sich über die frühe Wertschätzung durch den 2. Preis in
der Kategorie „Forschung“. „Die Erkenntnis, dass geschlechtsspezifische
Einstellungen nicht nur die Wahrnehmung beeinträchtigen, sondern sogar zu
problematischen Entwicklungen im Bereich sprachlicher Kompetenzen
beitragen können, unterstreicht die soziale Relevanz dieses Projekts. Es
ist ermutigend zu sehen, dass das Projekt nicht nur eine differenzierte
Analyse der Daten anstrebt, sondern auch darauf abzielt, regionale
Einrichtungen mit diesen Erkenntnissen zu versorgen“, so Jury-Mitglied
Prof. Dr. Anja Henningsen (FH Kiel).

Prof. Dr. Sinje Gehr von der Fakultät Ingenieurwissenschaften und
Gesundheit in Göttingen ist die Preisträgerin in der Kategorie
„Forschungsbasiertes Lehrkonzept“. In ihrem Unterrichtsformat „Journal
Club: Gender Health Gap“ sollen Studierende am Gesundheitscampus Göttingen
die Bedeutung der geschlechtersensitiven Medizin als eine Prämisse für die
Verlängerung der gesunden Lebensjahre und der gesundheitsbezogenen
Lebensqualität verstehen und diskutieren lernen. „Wir wollen in der Lehre
immer für unser Fach begeistern, aber auch irritieren, um wie hier
Forschungslücken aufzudecken und zu schließen“, so Prof. Dr. Britta
Hoffarth (Uni Hildesheim). Die Urkunden übergaben Prof. Dr. Katja Scholz-
Bürig, Vizepräsidentin Studium und Lehre, und Prof. Dr. Wolfgang Viöl,
Vizepräsident für Forschung und Transfer.

Den Festvortrag hielt Mathias Knigge von „grauwert – Büro für Inklusion
und demografiefeste Lösungen“: „Defizitorientierte Ansätze können
ausgrenzen, denken Sie bei Planungen und Änderungen immer an den
Mehrwert“, riet er den Anwesenden und bebilderte seinen Ansatz u.a. mit
dem Zugänglichkeitskonzept für das Rathaus in Hamburg und neuen
Gestaltungsoptionen für den Campus der FH Potsdam.

Prof. Dr.-Ing. Iris Marquardt freute sich als Dekanin der Fakultät Bauen
und Erhalten über die neuen Impulse, um über Geschlechterthemen ins
Gespräch zu kommen. „Die Baubranche ist sehr männlich geprägt, während
unsere Studiengänge Konservierung und Restaurierung sehr weiblich sind“.
Ihre Meinung, unter anderem als Professorin für Baustoffkunde und
Betontechnologie: „Die Mischung macht es, weil dadurch mehr
Lösungsvielfalt entsteht.“

Musikalisch begleiteten den Abend Mira Heller mit Gesang und Gitarre und
Zeynep Irmak mit Gesang und Bağlama.