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Wirtschaft gibt gemischtes Bild ab – Soziale Innovationen allerdings sind weit verbreitet

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Die Ausgaben der Wirtschaft für Innovationen sind im Jahr 2022 im
Vergleich zum Vorjahr in Deutschland deutlich um 6,8 Prozent auf 190,7
Milliarden Euro angestiegen. Rückläufig sind allerdings andere zentrale
Indikatoren für die Innovationskraft der Wirtschaft hier zu Lande – so zum
Beispiel der Anteil der Unternehmen mit Innovationen, die so genannte
Innovatorenquote. Das sind einige der zentralen Ergebnisse der aktuellen
Innovationserhebung 2023, die das ZEW Mannheim im Auftrag des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) jedes Jahr durchführt.

Bei der diesjährigen Erhebung hat das ZEW bei einem Thema besonders genau
hingeschaut – bei den Sozialen Innovationen. Zentraler Befund ist hier: Im
Zeitraum von 2020 bis 2022 hat jedes zweite Unternehmen Soziale
Innovationen eingeführt – also Neuerungen zur tragfähigen und nachhaltigen
Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen.

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger erklärt dazu: „Die
gestiegenen Innovationsausgaben zeigen, dass die Wirtschaft in Deutschland
auch in herausfordernden Zeiten krisenfest ist. Allerdings muss uns die
Entwicklung zentraler Indikatoren wie die der Innovatorenquote Sorgen
machen. Hier brauchen wir eine Trendwende, damit Deutschland seine
Herausforderungen meistern kann. Mit der Zukunftsstrategie Forschung und
Innovation und der geplanten Ausweitung der Forschungszulage arbeiten wir
als Bundesregierung daran, Innovation und Transfer nachhaltig zu stärken.
Erfreulich ist, dass Soziale Innovationen bereits in vielen Unternehmen
verbreitet sind.“

Viele Unternehmen mit Sozialen und mit Umweltinnovationen

Im Zeitraum 2020 bis 2022 haben 51,1 Prozent aller Unternehmen im
Berichtskreis der Innovationserhebung Soziale Innovationen eingeführt.
Dieser hohe Anteil ist darauf zurückzuführen, dass sehr viele Unternehmen
Maßnahmen im Bereich der Arbeits- und Arbeitszeitgestaltung eingeführt
haben. Dahinter stehen vor allem Veränderungen, die mobiles Arbeiten
ermöglicht haben, um den Geschäftsbetrieb trotz der Kontaktbeschränkungen
durch die Corona-Pandemie aufrechtzuerhalten. Weitere Soziale Innovationen
im Unternehmen betreffen die Beschäftigung älterer Menschen, die
Integration von Migrantinnen und Migranten als auch von Menschen mit
Behinderungen sowie die Förderung der Geschlechtergleichstellung. Eine
weitere Form Sozialer Innovationen sind Marktangebote, die sozial
innovatives Verhalten von Nutzerinnen und Nutzern unterstützen oder
ermöglichen. 7,6 Prozent der Unternehmen im Berichtskreis der
Innovationserhebung meldeten diese Form von Sozialen Innovationen.

Im gleichen Zeitraum 2020 bis 2022 haben 55,6 Prozent aller Unternehmen
Umweltinnovationen eingeführt. 48,7 Prozent aller Unternehmen weisen
Umweltinnovationen im Prozessbereich auf, d.h. die positiven Umwelteffekte
traten im innovierenden Unternehmen ein. 39,7 Prozent führten
Umweltinnovationen im Produktbereich, d.h. hier traten die positiven
Umwelteffekte bei den Kunden und Nutzern der Produkte ein. Sowohl im
Prozess- als auch im Produktbereich standen Umweltinnovationen zur
Steigerung der Energieeffizienz und zur Reduktion von Emissionen an erster
Stelle.

Großunternehmen heben Innovationsausgaben auf neuen Höchstwert

Mit 190,7 Milliarden Euro erreichten die Innovationsausgaben im Jahr 2022
einen neuen Höchstwert. Ein Teil des Anstiegs könnte auf inflationäre
Effekte zurückgeführt werden. Allerdings ist es nicht möglich, diesen
Anteil zu beziffern. Vieles spricht dafür, dass nur ein kleiner Teil des
Zuwachses der Inflation geschuldet ist. Denn die Preissteigerungen im Jahr
2022 von durchschnittlich 5,3 Prozent betrafen vor allem Energie,
Rohstoffe und Vorprodukte. Diese spielen als Kostenfaktoren für
Innovationsaktivitäten jedoch eine untergeordnete Rolle. Bei den zentralen
Kostenfaktoren Personal, Dienstleistungen und Sachanlagen lag der
Preisanstieg im Jahr 2022 unter der gesamtwirtschaftlichen Inflationsrate.

Mit 10,6 Prozent stiegen die Innovationsausgaben im Dienstleistungssektor
deutlich stärker als in der Industrie mit 5,4 Prozent. Dennoch sind die
Innovationsausgaben in der Industrie mit 137,6 Milliarden Euro fast
dreimal so hoch im Vergleich zum Dienstleistungssektor mit 53,1 Milliarden
Euro. Der Anstieg der Innovationsausgaben ist allein auf die Gruppe der
Großunternehmen zurückzuführen. Sie steigerten ihre Innovationsaufgaben um
8,2 Prozent auf 160 Milliarden Euro. Die Innovationsausgaben der kleinen
und mittleren Unternehmen (KMU) änderten sich dagegen kaum (minus 0,2
Prozent) und lagen 2022 bei 30,6 Milliarden Euro.

Im Jahr 2022 planten noch 40,4 Prozent der Unternehmen mit der
Finanzierung von Innovationsaktivitäten. Für das Jahr 2023 planten nur
noch 33 Prozent der Unternehmen mit Ausgaben für Innovationen. Die
Unsicherheit wächst für das Jahr 2024 weiter an: 31,1 Prozent der
Unternehmen planen fest mit Innovationsausgaben, 21,5 Prozent sind sich
unsicher. Der Ausblick auf die Jahre 2023 und 2024 ist daher mit vielen
Unsicherheiten behaftet. Die Unternehmen sind deshalb in ihrer
Planungssicherheit beeinträchtigt.

Mehr forschende, aber weniger innovierende Unternehmen

Die Anzahl der kontinuierlich forschenden Unternehmen erreichte 2022 einen
neuen Höchststand von mehr als 43.000. Dies sind 12,9 Prozent aller
Unternehmen im Berichtskreis der Innovationserhebung. Die Quote erhöhte
sich seit 2019 um 2,0 Prozentpunkte.

Der gestiegenen Anzahl forschender Unternehmen steht jedoch eine
rückläufige Anzahl innovierender Unternehmen gegenüber. Deren Anzahl lag
2022 bei gut 169.000, das sind 50,7 Prozent aller Unternehmen. Die
Innovatorenquote weist seit zwei Jahrzehnten einen rückläufigen Trend auf.
Insbesondere kleine Unternehmen, die selbst keine FuE betreiben, ziehen
sich immer wieder aus dem Innovationsgeschäft zurück. Mögliche Gründe
dafür reichen von der hohen Kostenbelastung über begrenzte
Finanzierungsmittel bis zum Fachkräftemangel und Hemmnisse durch Gesetze
und Bürokratie.

Über die Innovationserhebung

Das ZEW Mannheim untersucht im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung
und Forschung (BMBF) jedes Jahr das Innovationsgeschehen in der deutschen
Wirtschaft – gemeinsam mit dem Institut für angewandte
Sozialwissenschaften (infas) und dem Fraunhofer-Institut für System- und
Innovationsforschung (ISI). Die Studie erfasst Unternehmen mit fünf oder
mehr Beschäftigten. Im Jahr 2022 waren dies rund 333.700 Unternehmen.