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Menschenfeindlichkeit: Gift für die Medizin und unser Zusammenleben

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Rechtspopulistische und auch rechtsextreme Strömungen haben in unserer
Gesellschaft in den vergangenen Jahren an Einfluss gewonnen. Dabei werden
antidemokratische, rassistische und zutiefst menschenfeindliche
Ressentiments geschürt. Diese allgemeingesellschaftlichen Tendenzen machen
auch vor dem Gesundheitswesen nicht Halt. Anfang dieses Jahres hat sich
diese Situation noch einmal zugespitzt. Diese Entwicklung nimmt die
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zum
Anlass für eine klare Positionierung.

Aus der „Deklaration von Genf – Das ärztliche Gelöbnis“ des
Weltärztebundes: „Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter,
Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht,
Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller
Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen
meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.“

In Deutschland sind Ärztinnen und Ärzte dem Genfer Gelöbnis verpflichtet.
Im Dritten Reich begingen zwischen 1933 und 1945 Mediziner /
Medizinerinnen und Wissenschaftler / Wissenschaftlerinnen grausame
Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Diese Verbrechen dürfen sich niemals
mehr wiederholen.

Als medizinische Fachgesellschaft sowie als angehende und praktizierende
Hausärzte / Hausärztinnen und Wissenschaftler / Wissenschaftlerinnen
fühlen wir uns verpflichtet, uns jedweden Strömungen und Gedanken, die
rassistisches, antidemokratisches und menschenfeindliches Gedankengut
beinhalten, entgegenzustellen. Hausärztliche Praxen, hausärztliche
Sprechzimmer, aber auch allgemeinmedizinische Institute, sind den Geboten
der Menschlichkeit verpflichtet. Sie stehen allen Menschen offen –
unabhängig von ihrer Herkunft, sexueller Orientierung, sozialer Stellung
oder jeglichen anderen Faktoren.

Wissenschaft, aber auch Praxen, begrüßen nicht nur Kolleginnen und
Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Patienten und Patientinnen
anderer Herkunft in ihrer Mitte – sie wünschen sich vielmehr den Austausch
mit ihnen, denn unser Land wäre ohne sie in jeder Hinsicht ärmer. Unser
Gesundheitssystem, die ambulante Versorgung, die wissenschaftliche
Forschung würden ohne die Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus
anderen Ländern nicht nur ärmer an Erfahrung und Expertise sein – sie
würden kollabieren. Vor diesem Hintergrund warnen wir ausdrücklich davor,
Menschen einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft abzusprechen.
Unsere Sprechzimmer, Praxen und Arbeitsplätze stehen allen offen. Dafür
stehen wir in jeder Hinsicht ein, dafür engagieren wir uns.

Für uns gelten die Worte von Margot Friedländer, Überlebende des
Holocaust: „Ich sage, seid Menschen. Wir sind alle gleich. Es gibt kein
christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es gibt nur
menschliches Blut. Alles ist gleich. Wenn ihr Menschen seid, dann werdet
ihr wissen, dass ein Mensch so was nicht machen würde.“