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Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2024: Gegenwind aus In- und Ausland: Institute revidieren Prognose deutlich nach unten

Eckdaten der Prognose für Deutschland
Eckdaten der Prognose für Deutschland
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Eckdaten der Prognose für Deutschland
Eckdaten der Prognose für Deutschland

Die Wirtschaft in Deutschland ist aus Sicht der fünf führenden
Wirtschaftsforschungsinstitute angeschlagen. In ihrem Frühjahrsgutachten
revidieren sie ihre Prognose für das laufende Jahr deutlich nach unten und
erwarten nun nur noch einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 0,1
Prozent. Im Herbstgutachten standen noch 1,3 Prozent in Aussicht. Für das
kommende Jahr belassen sie die Prognose mit plus 1,4 Prozent nahezu
unverändert (bislang 1,5 Prozent). Die Wirtschaftsleistung fällt dann aber
infolge der verzögerten Erholung um über 30 Mrd. Euro niedriger aus.

Laut Gutachten geht eine bis zuletzt zähe konjunkturelle Schwächephase mit
schwindenden Wachstumskräften einher. In der lahmenden
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung überlagern sich konjunkturelle und
strukturelle Faktoren. Zwar dürfte ab dem Frühjahr eine Erholung
einsetzen, die Dynamik wird aber insgesamt nicht allzu groß ausfallen.

„Im bisherigen Dreiklang aus lahmender Konjunktur, lähmender Politik und
leidendem Wachstum ändert sich nur die konjunkturelle Tonlage von Moll auf
Dur“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef am Kiel Institut für
Weltwirtschaft (IfW Kiel).

Im laufenden Jahr avanciert der private Konsum zur wichtigsten Triebkraft
für die Konjunktur, im kommenden Jahr dann vermehrt auch das
Auslandsgeschäft.

Derzeit bewegt sich die Wirtschaftsleistung auf einem Niveau, das kaum
über dem vor der Pandemie liegt. Seitdem tritt die Produktivität in
Deutschland auf der Stelle. Außen- und binnenwirtschaftlich gab es zuletzt
mehr Gegen- als Rückenwind.

Der private Konsum zog später und weniger dynamisch an als bislang von der
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose erwartet. Die deutschen Ausfuhren
gingen trotz steigender weltwirtschaftlicher Aktivität zurück, vor allem,
weil die Nachfrage nach den für Deutschland bedeutsamen Investitions- und
Vorleistungsgütern schwach war und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit bei
energieintensiven Gütern litt.

Fortwährende Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik belastet die
Unternehmensinvestitionen, die sich trotz der erwarteten Belebung im
kommenden Jahr dann auf dem Niveau des Jahres 2017 bewegen dürften.

Die Effektivverdienste werden in den Jahren 2024 und 2025 voraussichtlich
um 4,6 bzw. 3,4 Prozent zulegen. Damit nehmen die Reallöhne über den
gesamten Prognosezeitraum zu und holen die Verluste aus dem Jahr 2022 und
dem ersten Halbjahr 2023 langsam wieder auf. Das Niveau von Ende 2021 –
also vor dem drastischen Inflationsschub – wird aber voraussichtlich erst
im zweiten Quartal 2025 erreicht.

Insgesamt erwarten die Institute einen Anstieg der Verbraucherpreise um
2,3 Prozent im laufenden und um 1,8 Prozent im kommenden Jahr. Bereinigt
um den dämpfenden Effekt der Energiepreise ergeben sich
Kerninflationsraten von 2,8 (2024) und 2,3 Prozent (2025).

Ein robuster Arbeitsmarkt stützt die konsumbezogenen Auftriebskräfte. Die
realen Lohnstückkosten nehmen im Zuge der Lohnsteigerungen zwar wieder
deutlich zu, bleiben aber beschäftigungsfreundlich.

Die Arbeitslosigkeit dürfte nur noch geringfügig steigen und bereits ab
dem Frühjahr wieder sinken. Auf Jahressicht prognostizieren die Institute
Arbeitslosenquoten von 5,8 (2024) und 5,5 Prozent (2025).

Die Fehlbeträge im gesamtstaatlichen Haushalt gehen in Relation zur
Wirtschaftsleistung von 2,1 Prozent im Vorjahr auf 1,6 (2024) und 1,2
Prozent (2025) zurück. Die Einnahmenquote der öffentlichen Hand erreicht
in den beiden Prognosejahren mit 47,5 und 48,4 Prozent jeweils
gesamtdeutsche Rekordwerte.

Wirtschaftspolitisch empfehlen die Institute eine behutsame Reform der
Schuldenbremse basierend auf dem Vorschlag der Deutschen Bundesbank, der
mehr schuldenfinanzierte Investitionen als bislang zulässt. Zudem regen
sie an, die Defizitbegrenzung nach einem Ziehen der Ausnahmeklausel nicht
mehr abrupt, sondern stufenweise wieder scharf zu stellen.

Wichtiger sei aber eine Neugestaltung der staatlichen Finanzverfassung, um
kommunale Investitionstätigkeit – gut 40 Prozent der gesamten öffentlichen
Investitionen – besser von konjunkturell bedingten Haushaltsnöten
abzuschirmen.

Langfassung des Gutachtens

Die Langfassung des Gutachtens ist am 27. März 2024 ab 10:00 Uhr unter
https://gemeinschaftsdiagnose.de/category/gutachten/ abrufbar.