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RWI-Studie: Ernährungstipps und Informationen über Klimawirkungen beeinflussen Fleischkonsum kaum

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Ernährungstipps oder Informationen über die Klimawirkungen des
Fleischkonsums ändern die Essgewohnheiten von Konsumentinnen und
Konsumenten nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des RWI –
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Demnach führen die
Informationen zum Fleischkonsum weder kurzfristig zu weniger
Fleischkonsum, noch stärken sie die Absicht, den Fleischverzehr zu
verringern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Verhaltensänderungen
schwerfallen – zumindest bei Essgewohnheiten und wenn diese auch noch
innerhalb kurzer Zeit geändert werden sollen.

Das Wichtigste in Kürze:

• Ein reduzierter Fleischkonsum schont die eigene Gesundheit und das
Klima. Rund ein Siebtel des weltweiten Treibhausgasausstoßes wird durch
die Haltung und Verarbeitung von Tieren produziert – das ist mehr als der
Beitrag des Verkehrs. Der Verzehr von Fleischprodukten gehört damit neben
dem Energieverbrauch zu den wesentlichen Quellen von Treibhausgasen. Um
den Fleischkonsum zu reduzieren, helfen Ernährungstipps oder
Informationskampagnen zu den Klimawirkungen jedoch kaum, wie eine aktuelle
RWI-Studie zeigt.

• In der Studie veranlassen Informationen zum Fleischkonsum Konsumentinnen
und Konsumenten nicht dazu, unmittelbar weniger Fleisch zu essen. Noch
überraschender ist: Die Aufklärungskampagne stärkt nicht einmal die
Absicht, den Fleischverzehr zu verringern. Die Ergebnisse deuten darauf
hin, dass Verhaltensänderungen schwerfallen – zumindest bei
Essgewohnheiten und wenn diese auch noch innerhalb kurzer Zeit geändert
werden sollen.

• Im Durchschnitt verzehrten die Probanden der Stichprobe rund 4,3
Kilogramm Fleisch im Monat, was in etwa dem Bundesdurchschnitt entspricht.
Dieser liegt ungefähr bei 55 Kilogramm Fleisch pro Jahr bzw. bei etwa 4,6
Kilogramm pro Monat. Im Verlauf des Experiments schienen die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchschnittlich ca. 0,1 kg weniger Fleisch
gegessen zu haben als im Monat vor der ersten Befragung. Die
Schlussfolgerung, dass der Fleischverzehr statistisch signifikant geringer
ist, lässt sich allerdings nicht durch die Analyse bestätigen.

• Für die Studie wurde die Wirkung zufällig zugesandter Informationen auf
die Reduktion des Fleischkonsums untersucht. Diese waren in eine Panel-
Erhebung unter rund 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Jahr
2022 eingebettet, die im Rahmen des von der E.ON Stiftung geförderten
Projektes „Sozialökologisches Panel – Fortführung und Weiterentwicklung“
durchgeführt wurde. Die Informationsinterventionen bestanden aus drei
Newslettern, die Kontrollgruppe erhielt hingegen keine Newsletter. Die
drei Newsletter für die erste Interventionsgruppe enthielten Informationen
zu den Umweltauswirkungen von Fleisch, die drei Newsletter für die zweite
Interventionsgruppe Ernährungstipps und Rezepte zur Reduktion des
Fleischkonsums. Die drei Newsletter für die dritte Interventionsgruppe
bestanden aus einer Kombination aus beidem. Vor und nach den
Interventionen wurden die Probanden zu ihrem Fleischkonsum befragt sowie
zur Absicht, diesen zu reduzieren.

• Das Autorenteam weist darauf hin, dass die Stichprobe der Studie nicht
repräsentativ ist, da tendenziell eher an Ernährung interessierte Personen
an der Studie teilgenommen haben. Umso überraschender ist die offenbar
zumindest kurzfristig mangelnde Effektivität der
Informationsinterventionen. Womöglich könnten Änderungen im Essverhalten
aber zukünftig auftreten, da die Umstellung von Essgewohnheiten gewöhnlich
einige Zeit beansprucht.

„Unsere empirischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass
Informationskampagnen zu klimarelevanten Essgewohnheiten oder
Ernährungstipps Konsumentinnen und Konsumenten kaum zu
Verhaltensänderungen bewegen“, sagt RWI-Umweltökonom Manuel Frondel.
„Trotz der relativ starken Auswirkungen des Fleischkonsums auf das Klima
reduzieren sie ihren Konsum kaum. Sie verringern nicht einmal die Absicht,
den Fleischkonsum einzuschränken. Damit gibt die Studie Hinweise auf
potenzielle Grenzen verhaltensökonomischer Maßnahmen in Lebensbereichen,
die durch starke Gewohnheiten geprägt sind“, so Frondel. Bessere Chancen,
einen Anreiz zu messbaren Verhaltensänderungen oder klimaschonenden
Innovationen zu geben, haben seiner Einschätzung nach Preissignale, wie
beispielsweise durch die C02-Bepreisung als Leitinstrument der
Klimapolitik.