Masterstudium: Nachhaltigkeit im Fokus der Sozialwissenschaften
Christina Warmann und Julian Höfner gehören zu den ersten Studierenden,
die sich an der Uni Würzburg für den 2021 eingerichteten Master
„Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung“ entschieden haben. Hier
erzählen sie vom Studium.
Ob beim Umgang mit dem Klimawandel, bei der Verteilung von Wohlstand oder
bei der Nutzung natürlicher Ressourcen: In unserer Gesellschaft tun sich
viele Konfliktfelder auf. Was genau entwickelt sich auf diesen Feldern und
warum? Wie lässt sich erreichen, dass am Ende alle Menschen fair behandelt
werden und langfristig ein gutes Zusammenleben möglich ist, auch mit der
Umwelt?
Mit solchen Fragen befasst sich die sozialwissenschaftliche
Nachhaltigkeitsforschung. Einen Masterstudiengang auf diesem Gebiet bietet
die Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg seit 2021 an. Er nimmt
aktuelle gesellschaftliche, politische, ökonomische und ökologische
Entwicklungen in den Blick und kombiniert politikwissenschaftliche und
soziologische Forschungsansätze.
Podcast statt Hausarbeit? Kein Problem
Christina Warmann hat sich für diesen Studiengang entschieden. „Als ich
mich auf der Webseite informiert habe, fand ich nicht nur die
unterschiedlichen Seminarsettings spannend, sondern auch die Vielfalt der
möglichen Prüfungsleistungen – statt einer Hausarbeit kann man zum
Beispiel auch mal einen Podcast produzieren. Ich wollte etwas Neuartiges,
Frisches, und genau das habe ich im Studium auch bekommen“, sagt die
Studentin. Sie steht mittlerweile kurz vor ihrem Abschluss.
Ein Höhepunkt war für sie das sechsmonatige Forschungsprojekt, das in
kleinen Gruppen absolviert wird. Die Studierenden aus Christinas Jahrgang
setzten sich unter dem Oberthema „Protest und Widerstand“ damit
auseinander, welchen Einfluss Protestbewegungen auf sozial-ökologische
Transformationsprozesse haben.
Christinas Team befasste sich mit der Frage, wie sich der
Transformationsbereich Antidiskriminierung in Würzburg über die
vergangenen Jahre gewandelt hat und welche Rolle Protest dabei gespielt
hat. Die Studierenden entwickelten einen theoretischen Rahmen,
analysierten Medienberichte und führten Interviews: Christina sprach mit
einer Person aus einer Anti-Rassismus-Initiative und mit einer Person von
der Antidiskriminierungsstelle der Stadt Würzburg. Eine Erkenntnis aus dem
Projekt: „Solche Initiativen und Anlaufstellen sind unglaublich wichtig.
Für einen Wandel hin zu mehr sozialer Nachhaltigkeit braucht es mehr
davon.“
Vielfältiges Lehrangebot und Freiheit bei der Themenwahl
Julian Höfner hat das Masterstudium schon abgeschlossen. Er gehörte 2021
zum allerersten Jahrgang; das neue Studienangebot passte damals genau zu
seinen Interessen: Als Bachelorstudent im Fach „Political and Social
Studies“ an der JMU war er stark in politischen Gruppierungen und
Umweltinitiativen engagiert. Darum suchte er deutschlandweit nach einem
Master zum Thema Nachhaltigkeit. Die meisten Angebote hatten technische
Schwerpunkte; der sozialwissenschaftliche Würzburger Master sagte ihm da
eher zu.
Bereut hat er seine Wahl nicht. Besonders gut gefiel ihm, dass er im
Studium seine Themen sehr frei aus einem großen Angebot auswählen konnte.
„Ich habe einen Schwerpunkt auf die verschiedenen Forschungsmethoden
gelegt, die sich variabel auf unterschiedlichste Nachhaltigkeitsthemen
anwenden lassen“, sagt Julian. Zu diesen Methoden gehört beispielsweise
die Analyse von Datensätzen, um etwa Zusammenhänge zwischen dem
Bildungshintergrund und der Einstellung zu Nachhaltigkeitsthemen zu
erkennen.
Als Masterarbeit hat er eine Interview-Studie zum Thema „Diversität in
Universitäten“ vorgelegt. Vier Semester dauert das Masterstudium. „Es ist
leider schnell vorbei“, wie Julian bedauert. Weil sein Interesse für die
Wissenschaft groß ist, hat er im Oktober 2023 mit seiner Doktorarbeit an
der JMU angefangen. Er beschäftigt sich jetzt mit digitaler Transformation
und Öffentlichkeit; seine Betreuerin ist Soziologieprofessorin Elke
Wagner.
Christina hält sich für die Zeit nach dem Masterabschluss verschiedene
Berufsperspektiven offen. Sie kann sich gut vorstellen, in die politische
Bildungsarbeit mit Kindern und jungen Erwachsenen zu gehen. Auf diesem
Feld ist sie seit längerem ehrenamtlich aktiv: Sie führt mit Schülerinnen
und Schülern Zivilcourage-Trainings durch und engagiert sich in der
Antirassismus-Arbeit.
Berufsfelder und Bewerbung
Der Masterstudiengang „Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung“
ist am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität
Würzburg angesiedelt. Er qualifiziert für wissenschaftliche Tätigkeiten in
der Forschung und für wissenschaftlich orientierte Berufsfelder. Dazu
gehören unter anderem Politikberatung, Markt- und Meinungsforschung,
Medien, Verbände, internationale Institutionen, Einrichtungen der
politischen Bildung, Behörden und Unternehmen.
Der Studienstart ist jeweils zum Wintersemester möglich. Die Zahl der
Studienplätze ist nicht begrenzt, Bewerbungen für das Wintersemester
2024/25 können ab sofort bis 15. Juli 2024 eingereicht werden.
Auf der Webseite des Studiengangs stehen viele weitere Infos. Darunter
sind Videos, in denen Studierende über das Studium sprechen oder das
Universitätsgebäude am Wittelsbacherplatz zeigen. Abrufbar sind auch
Podcasts, die von Studierenden produziert wurden:
https://www.politikwissenschaf
/master-sozialwissenschaftlich
