Rekordbeteiligung an den „Tagen der Standortauswahl 2024“
„Die Endlagerung hochradioaktiver Stoffe ist von großem
gesamtgesellschaftlichem Interesse. Wir wissen alle um die Sensibilität
dieses Themas.“ Mit diesen Worten begrüßte Goslars Oberbürgermeisterin
Urte Schwerdtner die Teilnehmenden der vierten „Tage der Standortauswahl“.
Diese wissenschaftliche Veranstaltung wurde erstmals von der TU Clausthal
in den historischen Veranstaltungsräumen der Weltkulturerbestätte
Rammelsberg in Goslar ausgerichtet. Zu der Konferenz waren mehr als 300
Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden,
aber auch Personen aus der interessierten Öffentlichkeit aus Deutschland
und der Schweiz angereist.
Bis Ende des Jahres 2027 plant die Bundesgesellschaft für Endlagerung
(BGE) maximal zehn Standortregionen vorzuschlagen, die in Deutschland für
die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Frage kommen können. Dies
sagte Iris Graffunder, die Vorsitzende der Geschäftsführung der BGE – die
Bundesanstalt ist die Vorhabenträgerin im Standortauswahlverfahren – zum
Auftakt der Veranstaltung.
Dr.-Ing. Sylvia Schattauer, die Präsidentin der Technischen Universität
Clausthal, setzte die Konferenz mit der Circular Economy in Beziehung, dem
Leitthema der Universität: „Auch in der modernen Kreislaufwirtschaft gibt
es Stoffe, die den Kreislauf verlassen und entsorgt werden müssen. Die TU
Clausthal, gegründet vor bald 250 Jahren als montanistische Lehrstätte,
ist auch mit ihrer historischen Expertise hervorragend aufgestellt, um
Fragen der Endlagerung anzugehen.“ Gemäß der Universitätspräsidentin sind
drei Dinge vonnöten, um diesen schwierigen Prozess zu bewältigen:
wissenschaftliche Expertise, gemeinsamer Dialog auf Augenhöhe und eine
große Portion gesunder Menschenverstand.
Das „Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für
hochradioaktive Abfälle“ (Standortauswahlgesetz) habe in vielerlei
Hinsicht Maßstäbe gesetzt. Erstmals bestehe die Aussicht, den seit
Jahrzehnten bestehenden Konflikt zur nuklearen Entsorgung aufzulösen,
unterstrich Prof. Klaus-Jürgen Röhlig (TU Clausthal) bei seiner
Einführung. „Um dies zu erreichen“, so der Experte für Endlagersysteme,
„werden neue und ungewöhnliche Wege bei der Öffentlichkeitsbeteiligung
beschritten, aber auch die Rolle der Wissenschaft in einem solchen Prozess
wird in innovativer Weise definiert.“
„Geleitet von dem Anspruch, Wissenstransfer und wissenschaftlichen
Nachwuchs zu fördern, richten wir seit 2019 in Kooperation mit deutschen
Hochschulen regelmäßig die Tage der Standortauswahl aus“, ergänzte Iris
Graffunder. Nach der TU Braunschweig, der TU Bergakademie Freiberg und der
RWTH Aachen lag die Ausrichtung in diesem Jahr bei der TU Clausthal und
erreichte eine Rekordbeteiligung. „Vielen Dank an Prof. Röhlig und sein
Team, die wirklich viel geleistet haben, um diese Veranstaltung möglich zu
machen“, so die BGE-Chefin.
Neben dem Institut für Endlagerforschung brachten sich seitens der TU
Clausthal das Institut für Bergbau und das Institut für Geologie und
Paläontologie in die Organisation ein. Entsprechend der interdisziplinäre
Charakter der Veranstaltung: Es ging um geowissenschaftliche Grundlagen,
Bautechnik und Endlagerbetrieb, die numerische Modellierung komplexer
physikalischer und chemischer Prozesse, aber auch um Sicherheitsanalysen
und um gesellschaftliche, juristische und politische Fragestellungen in
Zusammenhang mit der nuklearen Entsorgung.
