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Virtuelle Gebete, Online-Beichtstühle und Fatwas im Internet

Plakat zur Podiums- und Vortragsreihe „Religiöse Praxis im digitalen Wandel“  Exzellenzcluster „Religion und Politik“
Plakat zur Podiums- und Vortragsreihe „Religiöse Praxis im digitalen Wandel“ Exzellenzcluster „Religion und Politik“
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Plakat zur Podiums- und Vortragsreihe „Religiöse Praxis im digitalen Wandel“  Exzellenzcluster „Religion und Politik“
Plakat zur Podiums- und Vortragsreihe „Religiöse Praxis im digitalen Wandel“ Exzellenzcluster „Religion und Politik“

Exzellenzcluster „Religion und Politik“ befasst sich im Sommersemester mit
dem digitalen Wandel religiöser Praxis – Podiums- und Vortragsreihe
„Religiöse Praxis im digitalen Wandel“ startet am 30. April –
Podiumsdiskussion bringt Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft ins
Gespräch mit religiösen Akteuren

Ob virtuelle Gebete, Online-Beichtstühle oder Fatwas im Internet: Mit
Herausforderungen und Chancen des digitalen Wandels für
Religionsgemeinschaften befasst sich der Exzellenzcluster „Religion und
Politik“ der Universität Münster im Sommersemester des Themenjahres „Die
Digitalisierung der Religion“. Am 30. April startet eine Podiums- und
Vortragsreihe unter dem Titel „Religiöse Praxis im digitalen Wandel“, die
neue religiöse Formen in Web und Social Media, Apps und KI aus
verschiedenen Perspektiven beleuchtet, wie Kommunikationswissenschaftler
Thorsten Quandt vom Exzellenzcluster ankündigte. „Religion und digitaler
Wandel werden häufig als Gegensatz betrachtet. Doch religiöse
Organisationen, Autoritäten und Gruppierungen gehen ganz unterschiedlich
mit den Möglichkeiten der Digitalisierung um: Das Spektrum reicht von
einem widerständigen Verharren im Analogen bis zum umfassenden Einsatz
neuer digitaler Mittel.“

„Manche Religionsgemeinschaften sehen vor allem die Herausforderungen oder
gar Gefahren, die sich durch eine mögliche Auflösung etablierter
Strukturen und die Konkurrenz durch neue religionsähnliche Sinnsysteme in
der digitalen Welt ergeben“, erläutert Thorsten Quandt. „Andere betonen
dagegen die Chance für Kirchen und religiöse Gemeinschaften, mit digitalen
Mitteln neuen Raum für Begegnungen und religiöse Teilhabe zu erschließen.
Digital übertragene Gottesdienste und Gebete, personalisierte Online-
Auskünfte zur korrekten Interpretation religiöser Quellentexte, die
automatisierte Beratung in spirituellen Fragen sowie Online-Beichtstühle
und religiöse Chatgruppen sind nur einige der neuen Möglichkeiten, mit
denen Religionsgemeinschaften innovative Formen von Teilhabe und
Zugehörigkeit erschließen.“

Auf dem Podium am 25. Juni diskutieren die Technikphilosophin und
katholische Theologin Anna Puzio, der Pressesprecher der Deutschen
Bischofskonferenz Matthias Kopp, die Islamwissenschaftlerin Natalie
Kraneiß und der evangelische Theologe Gerald Kretzschmar. Der Historiker
Marcel Bubert führt in die Veranstaltung ein. Die Moderation des Abends
übernimmt Joachim Frank vom Kölner Stadt-Anzeiger. Die Podiumsdiskussion
sowie die Vorträge am 30. April und am 7. Mai finden in Raum JO 1 im
Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters (Johannisstraße 4, 48143 Münster)
statt. Eine Teilnahme per Videoplattform Zoom ist nach einer Anmeldung
unter veranstaltungenEXC@uni-muenster.de möglich.

Wie verschiedene religiöse Organisationen mit den Herausforderungen des
digitalen Wandels umgehen, ist die zentrale Frage der Podiumsdiskussion.
„Religionsgemeinschaften befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen
Tradition und Innovation“, erläutert Historiker Marcel Bubert, der an
diesem Abend in die Veranstaltung einführt. „Neue digitale Möglichkeiten
können zwar einerseits genutzt werden, um Gläubige zu mobilisieren und
neue Formen religiöser Teilhabe zu ermöglichen, aber sie können auch als
Gefahr für konventionelle rituelle und religiöse Praktiken wahrgenommen
werden.“

Die Vorträge der Reihe nähern sich dem digitalen Wandel religiöser Praxis
ebenfalls aus unterschiedlichen Perspektiven. „So stellt der
Sozialanthropologe Martin Slama die Frage, welche Rolle die Nutzung
sozialer Medien durch Musliminnen und Muslime bei der Veränderung
religiöser Praxis in Indonesien spielt“, erläutert Sozialanthropologin
Dorothea Schulz, die in den ersten Vortragsabend einführt. „Der
evangelische Theologe Thomas Schlag beleuchtet in seinem Vortrag dagegen
die Auswirkungen religiöser Transformationsphänomene, etwa auf die
öffentliche Präsenz religiöser Organisationen, sowie die neuen
Anforderungen, die sich daraus für religiöse Gemeinschaften ergeben.“
(fbu/pie/vvm)

Vorträge:
30. April 2024, 18.00 Uhr – Muslim religious practice and social media in
Southeast Asia
Martin Slama (Sozialanthropologe, Österreichische Akademie der
Wissenschaften, Wien)

07. Mai 2024, 18.00 Uhr – Tradition – Innovation – Transformation.
Beobachtungen zur öffentlichen Religionspraxis in postdigitalen Zeiten
Thomas Schlag (evangelischer Theologe, Universität Zürich)

Podiumsdiskussion:
25. Juni 2024, 18.00 Uhr – Religiöse Praxis im digitalen Wandel. Neue
Herausforderungen für Kirchen und Religionsgemeinschaften
Matthias Kopp (Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn),
Natalie Kraneiß (Islamwissenschaftlerin, Universität Münster), Gerald
Kretzschmar (evangelischer Theologe, Universität Tübingen), Anna Puzio
(Technikphilosophin und katholische Theologin, Universität Twente)