Universität zu Lübeck wirbt neues Forschungsgebäude LEMMI ein - Planung kann beginnen
Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Bau des innovativen Forschungshauses,
in dem es um die immer enger werdende Interaktion von Mensch und Maschine
gehen wird – die Förderphase ist von 2025 - 2029.
Auf dem Lübecker Campus soll in den kommenden Jahren ein zukunftsweisendes
For-schungsgebäude entstehen: Auf einer Nutzfläche von ca. 3.000
Quadratmetern soll LEMMI südlich des Informatikgebäudes gebaut werden.
LEMMI ist die Abkürzung für „Lübeck Environment For Minds And Machines In
Interaction“. Der Wissenschaftsrat, das gemeinsame wissenschaftliche
Gremium von Bund und Ländern, hat am vergangenen Freitag den Lübecker
Vorschlag als „sehr gut bis herausragend“ zur Förderung empfohlen. Somit
können jetzt die weiteren Planungen durch Land, Universität und Stadt
beginnen.
Unter dem Dach des neuen Gebäudes werden rund 140 Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler und Mitarbeitende aus den Bereichen Psychologie,
Neurowissenschaften, Informatik und Robotik daran forschen, wie Menschen
die immer enger und wichtiger werdende Zusammenarbeit mit künstlicher
Intelligenz erleben und gestalten.
Was bedeutet es für die Arbeitswelt, wenn in Teams - neben menschlichen
Experten und Expertinnen - sowohl intelligente lernende Systeme wie
ChatGPT als auch robotische, menschlich anmutende Akteure eng
zusammenarbeiten? Dies wird in vielen Bereichen der Gesundheit, der
Arbeitswelt oder auch der Verwaltung zunehmend der Fall sein.
„Wir freuen uns auf den Forschungsbau LEMMI, der perfekt auf den Lübecker
Campus passt“, sagt Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach, kommissarische
Präsidentin der Universi-tät zu Lübeck. „Unser Standort bietet sich
besonders an, da er bereits stark von der Ver-netzung von Mensch und
Technik geprägt ist. Das Gebäude wird eine innovative For-schungsumgebung
schaffen, in der die Interaktionen von Mensch und Maschine, das Verhalten
des Menschen sowie das Verhalten von künstlich-intelligenten Systemen un-
tersucht und verstanden werden kann“, sagt Prof. Gillessen-Kaesbach.
Karin Prien, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung,
Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, ergänzt:
„Es ist ein toller Erfolg für die Forschungsinfrastruktur Schleswig-
Holsteins, dass es – ge-rade in Zeiten knapper Haushaltsmittel – gelungen
ist, einen weiteren, überregional be-deutsamen Forschungsbau nach Lübeck
zu holen. Mit seinem Schwerpunktthema ,Interaktion von Mensch und
Maschine‘ trifft der Forschungsbau nicht nur den Puls der Zeit, sondern
findet auch in Lübeck geeignete Anknüpfungspunkte mit dem 2023 ge-
gründeten KI-Transfer-Hub SH und dem KI-Anwendungszentrum SH.“
Prof. Jonas Obleser, der als Psychologe und Hirnforscher die Idee des
Forschungsgebäu-des LEMMI mitgestaltet hat, sagt: „In unserer heutigen
Welt sind wir immer enger und immer mehr mit technischen Systemen
verbunden, und das verändert auch, wie wir uns fühlen und uns verhalten.“
Künstliche Intelligenz, also technische Systeme, die sehr gut Muster
erkennen und selbst lernen können, würden den Alltag und den Blick auf
Arbeit, Gesundheit, und Sicherheit prägen. „Wir erleben gerade die
Entstehung von `hybrider In-telligenz‘“, sagt Prof. Obleser. „Ein modernes
Hörgerät zum Beispiel steckt voller Algo-rithmen und trifft – vereinfacht
gesagt – auch heute schon Entscheidungen für mich, was mein Gehirn
eigentlich zu hören bekommt. Oder eine Medizinerin trifft Diagnose-
Entscheidungen mithilfe einer Vielzahl ihrerseits sehr komplexer
technischer Systeme, die mitunter bereits Empfehlungen geben. Aber bevor
wir diese hybride Intelligenz sinnvoll und sicher nutzen können, sollten
wir sie besser verstehen, erklären und vorhersagen können, und das soll
gezielt im neuen Forschungsgebäude passieren.“
Prof. Nele Rußwinkel aus dem Institut für Informationssysteme fügt hinzu:
“Im LEMMI wollen wir gemeinsam mit unseren Kolleg*innen aus der
Psychologie erforschen, wie Menschen - auch ältere Menschen oder kleine
Kinder - künstliche Intelligenz überhaupt als solche erkennen können, wie
wir sie erleben (beispielsweise als wie vertrauenswürdig) und mit ihr
interagieren, zum Beispiel mit Robotern. Im neuen Gebäude werden die
hierfür notwendigen Labore geschaffen, in denen alltägliche Kontexte, wie
das Spielen von Kindern oder das Arbeiten im Büro, als auch
hochspezialisierte Situationen oder kritische Kontexte, wie die
robotergestützte Chirurgie, erforscht werden können.”
Das geplante Forschungsgebäude LEMMI wurde, neben nur zwei anderen
Forschungsgebäuden der Universität Hamburg und der Technischen Universität
Berlin, in der dies-jährigen Ausschreibungsrunde vom Wissenschaftsrat zur
Förderung empfohlen. Die Bau- und Einrichtungskosten für die neuen
Räumlichkeiten werden mit bis zu 63,6 Millionen Euro gefördert. Die
Bauphase für das LEMMI wird nach jetzigem Stand von 2025 bis 2030 dauern.
Seit 2007 fördern die Bundesregierung und die Bundesländer gemeinsam
Forschungs-bauten und Großgeräte an Hochschulen. Die Gelder kommen
entsprechend zu gleichen Teilen vom Bund und vom Land. Wie in diesem
Verfahren üblich, steht die jetzt verkün-dete Empfehlung unter dem
Vorbehalt der endgültigen Entscheidung durch die Gemein-same
Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, die im Juni 2024 das nächste
Mal tagen wird.
