Ukraine Support Tracker: Europas Hilfen zeigen wenig Dynamik
Neue Hilfen Europas an die Ukraine haben in den letzten Monaten kaum
zugelegt, obwohl die der USA komplett zum Erliegen gekommen sind.
Insgesamt haben europäische Länder im Januar und Februar 2024 Hilfen in
Höhe von rund 6 Mrd. Euro an die Ukraine zugewiesen, den Großteil davon
für das Militär. Dies zeigt die jüngste Aktualisierung des Ukraine Support
Trackers, die Hilfen bis zum 29. Februar 2024 erfasst. Europas
Unterstützung in den letzten Monaten reicht bei Weitem nicht aus, um die
Lücke der ausgebliebenden US-Hilfen zu schließen, die vor allem im Bereich
Munition und hier insbesondere bei Artilleriegranaten klafft.
Das neue US-Hilfspaket, das am Wochenende vom Kongress gebilligt wurde,
ist also von entscheidender Bedeutung, aber in den Zahlen noch nicht
enthalten.
Der Ukraine Support Tracker hat seinen Schwerpunkt auf die Messung von
Hilfszuweisungen verlagert. Dabei handelt es sich um konkrete Hilfen, die
bereits geliefert wurden oder zur Lieferung vorgesehen sind. Diese
methodische Verbesserung ist durch bessere und transparentere Daten der
Regierungen möglich geworden. Bisher lag der Fokus aufgrund der Datenlage
auf Zusagen für künftige Hilfen, die in der Regel weniger konkret waren.
„Europa war eindeutig nicht in der Lage, die schwindende US-Hilfe zu
ersetzen. Dies gilt insbesondere bei Munition, da der europäische
Verteidigungssektor nur sehr langsam Produktionskapazitäten aufgebaut hat.
Nach unserer vorläufigen Einschätzung enthält das neue US-Paket rund 23
Mrd. Euro an Militärhilfe für die Ukraine, die das Land auch dringend
benötigt, die aber nur vorübergehend Entlastung bringen. Sollten die USA
Ende 2024 oder 2025 keine weiteren Unterstützungspakete verabschieden,
wird die Ukraine im Jahr 2025 höchstwahrscheinlich mit dem gleichen
Versorgungsengpass wie jetzt konfrontiert sein“, so Christoph Trebesch,
Leiter des Ukraine Support Trackers, anlässlich der jüngsten
Aktualisierung.
Stand 29. Februar haben die europäischen Geber und die EU seit der
Invasion Russlands in der Ukraine vor 2 Jahren Gesamthilfen von 89,9 Mrd.
Euro für militärische, humanitäre und finanzielle Unterstützung
zugewiesen. Die USA kommen auf 67 Mrd. Euro. Seit Sommer 2023 liegen die
Hilfszuweisungen Europas durchweg über denen der USA, da der US-Kongress
seit über einem Jahr keine neuen Ukraine-Hilfen gebilligt hatte.
Europa bei Militärhilfen gleichauf mit USA
Die EU-Hilfsdynamik der Monate Januar und Februar ist vor allem durch
militärische Hilfen getrieben. Deutschland hat mit 2,4 Mrd. Euro sein
größtes militärisches Hilfspaket seit fast einem Jahr auf den Weg
gebracht. Dazu gehören Flugabwehrsysteme, 155-mm-Artillerie und
entsprechende Munition.
Schweden hat mit 0,7 Mrd. Euro sein größtes Militärpaket überhaupt
zugewiesen, das vor allem Kampfausrüstung umfasst. Hohe Militärhilfen
wurden außerdem von den Niederlanden (0,5 Mrd. Euro) und Großbritannien
(0,4 Mrd. Euro) zugewiesen.
Insgesamt beläuft sich die militärische Unterstützung Europas, gemessen an
den Zuweisungen, auf 42 Mrd. Euro. Dies ist vergleichbar mit den
Zuweisungen der USA von 43,1 Mrd. Euro. Insgesamt entfallen 95 Prozent
aller militärischen Hilfszuweisungen an die Ukraine in Höhe von 88 Mrd.
Euro auf die beiden Wirtschaftsblöcke.
„Europa hat in den letzten Monaten aufgeholt und ist nun bei der
Militärhilfe mit den USA auf Augenhöhe. Es war jedoch nicht in der Lage,
die große Lücke zu schließen, die die USA hinterlassen haben, insbesondere
bei der Munition. Für den Rest des Jahres 2024 könnte die westliche
Unterstützung wieder das Niveau von Anfang und Mitte 2023 erreichen, aber
wie es danach weitergeht, ist noch sehr ungewiss“, so Trebesch.
Die lange Phase ohne neues US-Hilfspaket macht sich insbesondere bei
schwerer Munition bemerkbar, die bislang vornehmlich von den USA kam.
Seitens der EU werden vor allem Flugabwehrsysteme bereitgestellt, außerdem
Haubitzen und Kampffahrzeuge wie Panzer.
Über den Ukraine Support Tracker
Der Ukraine Support Tracker erfasst und quantifiziert militärische,
finanzielle und humanitäre Hilfen an die Ukraine seit dem 24. Januar 2022
(aktuell bis Februar 2024). Berücksichtigt sind 41 Länder, spezifisch die
EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7, Australien, Südkorea,
Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, die Türkei, China, Taiwan, Indien und
Island. Erfasst sind Hilfe von den Regierungen dieser Länder, die diese an
die ukrainische Regierung gemacht haben; Hilfen der EU-Kommission und der
Europäischen Investitionsbank sind separat aufgeführt; private Spenden
oder solche internationaler Organisationen wie des IWF sind in der
Hauptdatenbank nicht enthalten. Ebenso nicht mitgezählt sind Hilfen an
Nachbarländer der Ukraine wie Moldawien oder andere Länder – etwa für die
Aufnahme von Geflüchteten.
Datenquellen sind Bekanntgaben offizieller Regierungsstellen und Berichte
internationaler Medien. In Sachmitteln geleistete Hilfe wie zum Beispiel
Medizingüter, Lebensmittel oder militärisches Gerät werden anhand von
Marktpreisen oder Angaben aus früheren Hilfskampagnen geschätzt. In
Zweifelsfällen werden die höheren verfügbaren Werte angesetzt.
Der Ukraine Support Tracker wird laufend erweitert, korrigiert und
verbessert. Anregungen dazu sind sehr willkommen und können gerne an
Mehr Informationen und die kompletten Daten finden Sie auf der Webseite:
https://www.ifw-kiel.de/de/the
support-tracker/.
Mehr zur Methodik des Ukraine Support Trackers steht in einem vertiefenden
Kiel Working Paper (https://www.ifw-kiel.de/de/pu
support-tracker-which-countrie
