Campus.Design Open 2024 der Hochschule Coburg: von Japans Holzbaukunst bis zur Wärmepumpe
Die Fakultät Design der Hochschule Coburg öffnet an Himmelfahrt drei Tage
lang ihre Türen: Der Campus.Design Open 2024 erwartet die Besucherinnen
und Besucher mit über 50 Ausstellungen, zehn Workshops und mehr als einem
Dutzend Vorträgen zu verbrauchernahen und zukunftsweisenden Themen rund um
Bauen und Design.
Noch sind die Türen am Campus Design der Hochschule Coburg für die
Öffentlichkeit geschlossen. Dahinter steht bereits alles im Zeichen des
jährlichen Groß-Events. Die Studierenden freuen sich schon darauf, von
Donnerstag, 9., bis Samstag, 11. Mai, endlich wieder ihre Arbeiten zeigen
zu können und den Campus für alle erlebbar zu machen. Heute gibt es vorab
schon einen kleinen Blick hinter die Kulissen. „Wir erwarten hohen Besuch
aus Japan: Tomoaki Uno!“, erzählt zum Beispiel Architekturstudentin
Stefanie Lederer. Sie berichtet voller Begeisterung von der Arbeit des
japanischen Architekten, der bekannt ist für Holzbauten nach dem Vorbild
traditioneller Handwerkskunst. „Alte japanische Pavillons stehen seit
Jahrhunderten. Wenn ein Holzteil kaputt geht, kann es wieder ausgetauscht
werden: sehr, sehr nachhaltig.“ Und anregend für heutige Architektur-
Entwürfe. Bei einer Exkursion von Prof. Markus Schlempp mit Studierenden
nach Japan entstand vergangenes Jahr ein freundschaftlicher Kontakt zu
Uno. Er folgte der Einladung nach Coburg: „Das ist wirklich sehr
besonders, weil er zwar online zahlreiche Vorträge hält“, sagt Lederer,
„aber bisher hat er nur einmal in Präsenz in Europa gesprochen, in Oslo.“
Das zweite Mal ist jetzt beim Campus.Design Open.
Nachhaltige Holzbauten in Franken und der Welt
Den Werkbericht von Uno gibt’s am Freitag, 10. Mai, um 16 Uhr. Bereits um
15.15 Uhr wird Dr. Christoph Henrichsen, Kunstgeschichtler und Japanologe
in das Thema „Holzkultur Japan“ einführen. Passend dazu werden
Holzverbindungen gezeigt, die Studierende angefertigt haben – einige nach
japanischer Art, andere dem klassischen deutschen Zimmererhandwerk
entsprechend, wie Tarek Hansen erklärt. Er ist ebenfalls Architektur-
Student und gehört zu einem Team, das in Mitwitz (Kreis Kronach) einen
besonderen Pavillon geplant und umgesetzt hat. Nachdem ein altes Haus
mitten im Ortskern abgerissen werden musste, entstand die Idee, hier eine
neue Mitte zu schaffen. „Am Ende wurde aus Käferholz ein großer
überdachter Treffpunkt mit viel regionalem Bezug umgesetzt.“ Beim
Campus.Design Open werden aber nicht nur solche spannenden regionalen
Projekte vorgestellt, sondern auch bedeutende internationale wie das
„Women Empowerment Center“, das Prof. Dr. Rainer Hirth mit Studierenden in
Sri Lanka umgesetzt hat. Außerdem gibt es eine Ausstellung zu
vorbildlichen Stallbauten, die landschaftsgerechte Architektur,
artgerechte Tierhaltung und zimmermannsmäßige Bauweise ineinander
verschmelzen lassen.
Für Neulinge und Wiederkehrer
Insgesamt werden an den drei Tagen über 50 Ausstellungen zu sehen sein.
Der Campus Design vereint die Studiengänge Architektur, Innenarchitektur,
Bauingenieurwesen und Integriertes Produktdesign und aus allen
Studiengängen werden auch Bachelor- und Masterarbeiten gezeigt. „Wir
öffnen unsere Hochschule, präsentieren die sehenswerten Arbeiten unserer
Studierenden und zeigen Beispiele, wie das Thema Nachhaltigkeit im Alltag
umgesetzt werden kann“, sagt Prof. Dr. Egbert Keßler, der die
Veranstaltung als Nachfolger von Prof. Dr. Holger Falter zum ersten Mal
als Dekan der Fakultät vorstellt. „Es gibt immer ein erstes Mal“, erklärt
er – und das gilt nicht nur als Dekan. „Diejenigen, die den Campus Design
kennen, kommen sicher auch dieses Jahr gerne wieder und allen anderen
empfehle ich, ihr persönliches ,erstes Mal‘ am Campus Design. Sie werden
ihr Kommen nicht bereuen!“
Schwebende Tropfen und Ultraschallspionage im ISAT
Bei Workshops zu Themen wie Siebdruck, Portraitmalen und Foto-Entwicklung
können die Besucherinnen und Besucher auch selbst aktiv werden.
Nachmittags und abends spielen Bands im Außenbereich. Dort werden auch
Getränke, kaltes und warmes, veganes und fränkisches Essen angeboten.
Campus.Design Open ist ein Fest, macht Spaß, vermittelt aber auch viel
praxisnahes Wissen. In einer Ausstellung geht Prof. Dr. Alexandra Troi der
Frage auf den Grund: „Was läuft ab in der Wand. Wärme und Feuchte im
Visier“. Dazu passt auch das Programm des Instituts für Sensor- und
Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg. Im Rahmen des Campus.Design
Open öffnet das ISAT am Donnerstag 9. Mai, von 13.30 Uhr bis 17 Uhr seine
Türen und Labore unter dem Motto „Von schwebenden Tropfen,
Ultraschallspionage, Feuchtemessung im Mauerwerk und Sensorik für
Hüftprothesen: Forschung hautnah und interaktiv erleben“. Mehr dazu unter:
www.isat-coburg.de.
Laborführungen gibt’s aber auch bei den Bauingenieurinnen und
Bauingenieuren. Freitagvormittag ist ihnen mit dem „Tag der Bauingenieure“
gewidmet: Der Coburger Professor für Energieeffizientes Gebäudedesign
Prof. Dr. Michael Schaub spricht ab 10 Uhr über das Thema „Status quo –
Energiewende und Wärmpumpe“, gefolgt um 10.45 Uhr von Roland Koenigsdorff
von der Hochschule Biberach zu „Geothermie“, um 11.20 Uhr von Prof. Dr.
Bernd Hüttl und Prof. Dr. Michael Rossner aus der Fakultät Elektrotechnik
und Informatik der Hochschule Coburg zu „Photovoltaik und Stromspeicher“
und um kurz vor 12 Uhr von Stefan Grafe (Baurconsult) zu „Planungspraxis“.
Viel Praxis und gute Partnerschaften
Wie grundlegend der Bezug zur Praxis im Studium an der Hochschule für
angewandte Wissenschaften ist, zeigen auch die vielen Kooperationen: Unter
Leitung von Prof. Mark Phillips, Prof. Philipp Stingl und Gastdozentin
Maria Pfeiffer haben Studierende der Studiengänge Innenarchitektur und
Integriertes Produktdesign ein Konzept für die Ausstellung „Waffen und
so...“ für die Räume der Kunstsammlungen der Veste Coburg entwickelt.
Integriertes Produktdesign präsentiert außerdem beispielsweise auch die
Zusammenarbeit mit einem Outdoorhersteller. Dabei konzentrierten sich die
Studierenden unter Leitung von Prof. Natalie Weinmann auf innovative
Ansätze für nachhaltiges Produktdesign, den sinnvollen Einsatz von
Materialien, Recycling und Kreislaufwirtschaft. Im Projekt „Ctrl-Goethe“
geht es um den zweiten Teil einer Kooperation des Studiengangs mit der
Klassik Stiftung Weimar: Unter Leitung von Prof. Dr. Michael Markert
gestalten Studierende Interaktionen zur Kontrolle des virtuellen
Arbeitszimmers von Johann Wolfgang von Goethe. Darum, wie KI das
Berufsfeld von Designerinnen und Designern in Zukunft verändern wird,
dreht sich am Freitag um 11 Uhr der Vortrag „Fast Digital Prototyping -
Mockups With AI“ im Hofbrauhaus.
Mehr Informationen finden sich auf www.campus.design. Es lohnt sich, immer
mal wieder auf der Seite vorbeizuschauen, denn auch hier wird noch fleißig
gewerkelt. So wie hinter allen Türen des Campus Design. Fürs Erste gibt es
einen kleinen Einblick in das große Programm.
