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Neue Wege in der Ozeanbeobachtung: Kreuzfahrtschiff als Datensammler

Dr. Tobias Steinhoff (r.) und Melf Paulsen beginnen an Bord mit der Installation der SOOP-Messtechnik. Damit sollen während der Fahrten unter anderem der Sauerstoff- und Kohlendioxid-Gehalt des Wassers sowie Mikroplastik gemessen werden.  Myriam Dutzi  GEOMAR
Dr. Tobias Steinhoff (r.) und Melf Paulsen beginnen an Bord mit der Installation der SOOP-Messtechnik. Damit sollen während der Fahrten unter anderem der Sauerstoff- und Kohlendioxid-Gehalt des Wassers sowie Mikroplastik gemessen werden. Myriam Dutzi GEOMAR
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Dr. Tobias Steinhoff (r.) und Melf Paulsen beginnen an Bord mit der Installation der SOOP-Messtechnik. Damit sollen während der Fahrten unter anderem der Sauerstoff- und Kohlendioxid-Gehalt des Wassers sowie Mikroplastik gemessen werden.  Myriam Dutzi  GEOMAR
Dr. Tobias Steinhoff (r.) und Melf Paulsen beginnen an Bord mit der Installation der SOOP-Messtechnik. Damit sollen während der Fahrten unter anderem der Sauerstoff- und Kohlendioxid-Gehalt des Wassers sowie Mikroplastik gemessen werden. Myriam Dutzi GEOMAR

Wissenschaftliche Forschung nicht nur von speziellen
Forschungsschiffen aus zu betreiben, sondern auch von nicht-
wissenschaftlichen Schiffen und marinen Infrastrukturen – das ist eine der
Ideen der Helmholtz-Innovationsplattform „Shaping an Ocean Of
Possibilities“ (SOOP), die neue Technologien und Strukturen in der
Ozeanbeobachtung entwickeln soll. Jetzt hat SOOP eine Kooperation mit HX
Hurtigruten Expeditions gestartet. Im Rahmen von Expeditions-Seereisen in
entlegene Regionen sollen Meeresdaten für die Wissenschaft gesammelt
werden. Die erste Expedition hat am Samstag in Hamburg begonnen, Zielhafen
ist Reykjavik.

Die Innovationsplattform „Shaping an Ocean of Possibilities for science-
industry collaboration“ (SOOP) will gemäß ihrem Titel einen „Ozean der
Möglichkeiten“ für Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie
schaffen. Entstehen sollen nachhaltige Strukturen und Technologien für die
Ozeanbeobachtung, um den Zugang zu Messdaten zu verbessern und das Wissen
über unsere Meere auszubauen. Hierfür bringen das GEOMAR Helmholtz-Zentrum
für Ozeanforschung Kiel, das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum
für Polar- und Meeresforschung (AWI) und das Helmholtz-Zentrum Hereon
Beteiligte aus Industrie, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen.
Eine Idee: Wissenschaftliche Forschung nicht nur von speziellen
Forschungsschiffen, sondern unter anderem auch von Kreuzfahrt- oder
Handelsschiffen aus zu betreiben, um die Menge an Forschungsdaten zu
steigern.

Kooperation mit Anbieter von Expeditions-Seereisen

Jetzt hat SOOP eine Kooperation mit HX Hurtigruten Expeditions gestartet.
Im Rahmen dieses Projektes werden wissenschaftliche Daten von einem
kommerziellen Expeditions-Kreuzfahrtschiff erhoben. Die Zusammenarbeit hat
mit der Installation von Messgeräten an Bord von MS FRIDTJOF NANSEN im
Hamburger Hafen begonnen. Von dort aus ist das Schiff am Samstag nach
Reykjavik aufgebrochen. Auf seiner Reise, die über Norwegen sowie die
Shetland- und Färöer-Inseln führt, werden dann Daten für die Forschung
gesammelt. Mit an Bord: Melf Paulsen, wissenschaftlicher Ingenieur in der
Forschungseinheit Chemische Ozeanographie am GEOMAR. Er wird nicht nur die
Messinstrumente überwachen, sondern den Gästen der Seereise auch seine
Arbeit und das Projekt in Vorträgen näherbringen.

Auf den folgenden acht Expeditionsreisen der FRIDTJOF NANSEN werden dann
abwechselnd Wissenschaftler:innen der drei Forschungsinstitute GEOMAR, AWI
und Hereon an Bord Daten sammeln und ihr Wissen an die Gäste weitergeben.
Gemessen werden neben Temperatur und Sauerstoffgehalt des Wassers auch der
Salz-, Mikroplastik- und CO2-Gehalt. Daneben soll erprobt werden, wie man
mittels Messungen von Phytoplankton und Erbgutspuren im Wasser (eDNA) von
kommerziellen Schiffen aus die biologische Vielfalt in den Gewässern
untersuchen kann.

Neue Strategien für breite Datensammlung

„Wir entwickeln einfach zu handhabende Instrumente, die es uns
ermöglichen, die bekannte und erprobte Umgebung der wissenschaftlichen
Forschungsschiffe zu verlassen“, sagt Dr. Toste Tanhua, chemischer
Ozeanograph am GEOMAR und Koordinator von SOOP. „Daneben brauchen wir
einheitliche Standards für Daten und Analysen, um in allen Regionen
ausreichend Informationen über unsere Ozeane sammeln zu können.“ Die
Kooperation mit HX könne dabei helfen, neue und zukunftsfähige Strategien
für die einfachere und umfassendere Datensammlung auf nicht-
wissenschaftlichen Schiffen und marinen Infrastrukturen als Ergänzung zu
den unverzichtbaren Expeditionen mit Forschungsschiffen zu entwickeln.

„Unsere Expeditions-Seereisen mit der FRIDTJOF NANSEN tragen ab sofort
dazu bei, bestehende Datenlücken zu füllen“, sagt Dr. Verena Meraldi,
wissenschaftliche Leiterin bei HX Hurtigruten Expeditions. „Damit können
wir einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis des Zustands wenig
befahrener Meeresregionen leisten, und unsere Gäste haben die
außergewöhnliche Möglichkeit, unmittelbar Einblick in laufende
Forschungsarbeiten zu erhalten.“

Hintergrund SOOP:
Die Helmholtz-Innovationsplattform SOOP „Shaping an Ocean Of
Possibilities“ wird mit 11 Millionen Euro aus dem Pakt für Forschung und
Innovation, einer Forschungs-Förderinitiative des deutschen Bundes und der
Länder, gefördert. Drei Helmholtz-Zentren arbeiten an dem Aufbau
nachhaltiger Meeresbeobachtungsstrukturen im wachsenden Markt der New Blue
Economy. Ziel ist es ein, „Meer der Möglichkeiten“ für Kooperationen
zwischen Wissenschaft und Industrie im Bereich der Meerestechnik und
-dienstleistungen zu schaffen und konkrete Innovationen schnell und
flexibel für Wirtschaft und Gesellschaft verfügbar zu machen.

Hintergrund HX Hurtigruten Expeditions:
HX (Hurtigruten Expeditions) unternimmt seit 1896 Expeditionen an die
entlegensten Orte der Erde. Heute ist HX führend im Bereich der
Expeditions-Seereisen und bringt Reisende zu 250 außergewöhnlichen Zielen
in 30 Ländern. Durch wissenschaftliche Vorträge und Aktivitäten an Bord
haben Reisende die Möglichkeit, mehr über die Geschichte, Kultur sowie die
Tier- und Pflanzenwelt der Orte zu erfahren, die sie auf den Expeditions-
Seereisen besuchen. Bereits seit 2013 kooperiert HX Hurtigruten
Expeditions im Rahmen ihres Wissenschafts- und Bildungsprogramms mit
unterschiedlichen Forschungsinstituten weltweit. Den Forschenden werden
Kabinen zur Verfügung gestellt, um ihre Projekte auf den Expeditionsreisen
voranzutreiben und ihre Erkenntnisse im Rahmen des Vortragsprogramms an
Bord mit den Gästen zu teilen. Ziel von HX ist es, das nachhaltigste
Expeditionsunternehmen der Welt zu werden. Als erstes Unternehmen der
Branche hat HX Schweröl und Einwegplastik verbannt. Im Jahr 2019 hat HX
das weltweit erste Expeditions-Kreuzfahrtschiff mit Batterie-Hybridantrieb
vorgestellt.