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Simulationsrechnung: Verhängte US-Zölle haben für sich genommen kaum Auswirkungen auf EU-China Handel

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Die jüngst von US-Präsident Joe Biden verhängten Zölle gegenüber Importen
aus China, insbesondere Elektroautos, dürften für sich genommen praktisch
keine negativen Handelsfolgen für Europa haben. Insbesondere die von den
USA aus China importierten Elektroautos sind zahlenmäßig so gering, nur
12.000 Stück pro Jahr, dass eine Umleitung in andere Zielmärkte praktisch
nicht zu spüren ist.

„Die neuen US-Zölle gegen China sind wohl vor allem innenpolitisch
motiviert, bedenklich daran ist aber, dass sie eine für Deutschland und
die EU sehr unvorteilhafte Spirale an Reaktionen und Gegenreaktionen
hervorrufen könnten“ sagt Julian Hinz, Handelsforscher am IfW Kiel,
anlässlich von Simulationsrechnungen zur Thematik.

Eine Auswertung des IfW Kiel zeigt, dass China seine Elektroautos vor
allem in die EU verkauft. Insgesamt waren es im letzten Jahr fast 500.000
Fahrzeuge, so viele wie in keine andere Weltregion. Das ist fast ein
Drittel aller von China exportierten Elektroautos von rund 1,5 Millionen
Stück.

Hersteller von Elektroautos in China erhalten massive staatliche
Subventionen, allein der größte Hersteller BYD zuletzt über 2 Mrd. Euro
pro Jahr, wie eine Studie des IfW Kiel (https://www.ifw-
kiel.de/de/publikationen/aktuelles/chinas-massive-subventionen-fuer-
gruene-technologien/
) gezeigt hat.

„Die EU ist Chinas wichtigster Abnehmer für Elektrofahrzeuge und hat
entsprechende Verhandlungsmacht. Die Kommission sollte der
Subventionspolitik Pekings nicht tatenlos zusehen, sich allerdings auch
nicht von den USA instrumentalisieren lassen. Zunächst sollte die
Kommission an ihrem Antisubventionsverfahren festhalten. Bislang
profitiert Europa für seine grüne Transformation von den günstigen
chinesischen Elektrofahrzeugen“, so Hinz.

Simulationsrechnungen des IfW Kiel zeigen, dass die jetzt verhängten Zölle
der USA auf Importe von chinesischen Elektroautos von 100 Prozent nur
kleine Handelsverschiebungen hervorrufen, die in absoluten Zahlen kaum ins
Gewicht fallen.

Ausweichmärkte dürften vor allem Kanada und Mexiko sein, mit einem zu
erwartenden Plus von E-Auto-Importen aus China von gut 1 Prozent. In die
EU dürften rund 0,7 Prozent mehr E-Autos gehen als bislang. Mit Blick auf
die Gesamtzahl von bislang 12.000 importierten E-Autos der USA pro Jahr
aus China sind die Mengen, die nun in andere Märkte gehen, also gering.

Mit Blick auf das Gesamtpaket an neu verhängten Zöllen ergeben die
Simulationen einen Rückgang aller US-Importe aus China um immerhin 3
Prozent. Die Zölle treffen Produkte und Industrien, die in den letzten
Jahren ohnehin schon mit Zöllen belegt worden sind, relevant ist vor allem
der Halbleiterbereich.

Für den Welthandel insgesamt haben die Zollmaßnahmen für sich genommen
fast keinen Effekt, da andere Länder die wegfallenden US-Importe aufnehmen
dürften. Ausweichmärkte sind auch hier in erster Linie die US-
Nachbarstaaten Kanada und Mexiko.

Die Simulationsrechnungen basieren auf dem KITE-Modell des IfW Kiel. Die
Ergebnisse zeigen die mittel- bis langfristigen Handelsauswirkungen, die
sich dauerhaft ergeben. Kurzfristige Verwerfungen sind im Modell nicht
berücksichtigt.