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Bundesministerin für Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger weiht den GEOMAR-Neubau ein

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Mit dem Einzug des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für
Ozeanforschung Kiel in den von der Staab Architekten GmbH entworfenen
Neubau ist auf dem Kieler Seefischmarkt ein einzigartiger Leuchtturm für
die Meeresforschung entstanden. Heute weiht Bettina Stark-Watzinger,
Bundesministerin für Bildung und Forschung, das Gebäude gemeinsam mit
Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Ulf
Kämpfer, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel, Professorin Dr.
Katja Matthes, Direktorin, und Frank Spiekermann, Verwaltungsdirektor des
GEOMAR, sowie etwa 200 geladenen Gästen feierlich ein.

„Weithin sichtbar, haben die Architekten dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für
Ozeanforschung Kiel einen einzigartigen Rahmen gegeben. Das Gebäude
spiegelt unseren Auftrag und unser Selbstverständnis wider: Unsere Welt
ist der Ozean. Hier werden wir unter optimalen Bedingungen auf nationaler
und internationaler Ebene maßgeblich dazu beitragen, den Ozean vom
Meeresboden bis in die Atmosphäre zu verstehen und nachhaltige Lösungen
für drängende gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Versammelt an
einem Standort werden wir unsere Zusammenarbeit übergreifend und
strategisch ausgerichtet über und mit allen Disziplinen vorantreiben.
Forschungsbereiche, wissenschaftliche Disziplinen, technische Einheiten
und Verwaltung werden schneller und selbstverständlicher planen,
entscheiden, umsetzen und voneinander lernen“, sagt Professorin Dr. Katja
Matthes, Direktorin des GEOMAR. „Wir sind dankbar und freuen uns, von
diesem neu geschaffenen modernen Campus globale Fragestellungen zu
adressieren und uns gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern in aller Welt
für den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Ozeans für kommende
Generationen einzusetzen.“

Heute weiht Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und
Forschung, den GEOMAR-Neubau nach fast 20 Jahren der Vorüberlegungen,
Planungen und Bautätigkeiten gemeinsam mit Daniel Günther,
Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Ulf Kämpfer,
Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel, Professorin Dr. Katja
Matthes, Direktorin, und Frank Spiekermann, Verwaltungsdirektor des
GEOMAR, sowie etwa 200 geladenen Gästen feierlich ein.

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger erklärt: „Die Ozeane
haben eine zentrale Bedeutung für das Leben auf unserem Planeten. Zum
einen für das Klima und die Biodiversität, zum anderen aber auch als
Wirtschafts- und Lebensraum. Daher müssen wir die Meere weiter erforschen,
um sie besser verstehen, schützen und nachhaltig nutzen zu können. Mit
seiner gezielten und umfangreichen Förderung stellt das Bundesministerium
für Bildung und Forschung hierfür die Weichen. Deutschland hat
international eine führende Rolle in der Meeresforschung. Das ist
zuvorderst der Verdienst der exzellenten Arbeit der Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler am GEOMAR. Mit dem Erweiterungsneubau verfügt das
GEOMAR jetzt auch über einen Meeresforschungscampus, der seiner
wissenschaftlichen Exzellenz gerecht wird: Groß, hell und zeitgemäß. Mit
jeder Menge Platz für neue Ziele und besten Bedingungen für innovative
Lösungen zum Schutz der Meere.“

Ministerpräsident Daniel Günther sagt: „Wir sind stolz, eines der besten
meereswissenschaftlichen Institute der Welt in Schleswig-Holstein zu
haben. Mit diesem neuen Campus sichert sich das GEOMAR langfristig einen
Spitzenplatz in der weltweiten Ozeanforschung. Er wird unser Land und die
Stadt Kiel als meereskundlichen Standort noch sichtbarer machen und viele
Talente und Expertinnen und Experten zu uns in den echten Norden führen.
Als Land zwischen zwei Meeren liegt uns sehr viel daran, hier beste
Arbeitsbedingungen zu bieten. Der maritime Bereich hat für Schleswig-
Holstein strategisch höchste Bedeutung. Daher haben wir als Land sehr
gerne in diese Erweiterung investiert.“

Seit dem Einzug Ende 2023 sind alle vier Forschungsbereiche des GEOMAR,
Verwaltung und zentrale Einrichtungen an einem Standort auf dem Kieler
Ostufer vereint. Die moderne Infrastruktur mit verschiedenen Laboren,
Klimakammern und Seewasser-Anschluss sowie Konferenzbereich, Bibliothek,
Rechenzentrum und zahlreiche Orte für den wissenschaftlichen Austausch
fördert die Exzellenz der wissenschaftlichen Arbeit am GEOMAR. Das von der
Staab Architekten GmbH entworfene Gebäude entwickelt eine Strahlkraft weit
über die Landeshauptstadt Kiel hinaus. Die Gesamtkosten für das Projekt in
Höhe von etwa 140 Millionen Euro (netto) werden zu 90 Prozent vom Bund und
10 Prozent vom Land Schleswig-Holstein getragen.

Zur Einweihungszeremonie ertönt passend zum Standort und zum Gebäude das
Typhon, das auch den Beginn der Kieler Woche lautstark ankündigt.
Natürlich darf eine Antwort der Forschungsschiffe des GEOMAR nicht fehlen
– denn von ihrem Heimathafen Kiel aus erforschen Wissenschaftler:innen des
GEOMAR das globale Ozean-System in seiner Gesamtheit vom Meeresboden bis
zur Atmosphäre.

Dr. Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel sagt: „Das
Signal des Typhons ist ohnehin schon Musik in meinen Ohren, weil wir damit
jährlich unsere einzigartige Kieler Woche eröffnen. Nun markiert es auch
noch den offiziellen Start für die Zukunftsfähigkeit der Ozeanforschung in
diesem modernen Neubau, zu dem ich herzlich gratuliere. Sowohl mit unserem
vielfältigen Sommerfestival als auch mit dieser hervorragenden
Forschungsstätte sind wir weit über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar – das
macht uns als Landeshauptstadt attraktiv und stärkt unseren Ruf als
Meeresschutzstadt. Diese Expertise ist für uns ein Glücksfall und soll
auch einfließen in den Entwicklungsprozess unseres geplanten
Meeresvisualisierungszentrums.

Einblicke in die vielfältigen Forschungsthemen des GEOMAR

Beispiele für aktuelle Themen des GEOMAR lernen Gäste nach der
Einweihungszeremonie kennen. Hierzu zählt die Erforschung von Ansätzen für
die Aufnahme und Speicherung von Kohlendioxid im Ozean zur Minderung des
Klimawandels, etwa in der am GEOMAR koordinierten und vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten
Forschungsmission „Marine Kohlenstoffspeicher als Weg zur
Dekarbonisierung“ (CDRmare) der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM),
sowie in vielen weiteren nationalen und internationalen Projekten.

Ebenfalls vorgestellt werden Arbeiten zur Bergung von Munitionsaltlasten
aus Ost- und Nordsee mit dem am GEOMAR koordinierten Forschungsverbund
CONcepts for conventional MArine Munition Remediation in the German North
and Baltic Sea (CONMAR, Konzepte zur Sanierung konventioneller
Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee) der DAM-Forschungsmission „Schutz
und nachhaltige Nutzung mariner Räume“ (sustainMare). Zudem werden
Forschungsarbeiten zu Rohstoffquellen und dem Schutz der Tiefsee im
Projekt „MiningImpact“ der europäischen Joint Programming Initiative
Healthy and Productive Seas and Oceans (JPI Oceans) sowie das Engagement
des GEOMAR in Bezug auf Prozesse bei der Internationalen
Meeresbodenbehörde (ISA) präsentiert. Neue Ansätze für die Nutzung und
Aufbereitung von Mess- und Beobachtungsdaten werden anhand Digitaler
Zwillinge zur Erforschung von Was-wäre-wenn-Szenarien und verschiedener
Datenplattformen gezeigt. Der Technologietransfer des GEOMAR stellt sich
mit den Aspekten Künstliche Intelligenz, etwa dem Roboter-Spürhund SPOT-
KI, und Ozeanbeobachtung vor.

Ein besonderer Schwerpunkt gilt der Forschung in Cabo Verde, wo das GEOMAR
seit nahezu 20 Jahren eng mit Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
zusammenarbeitet. Seit 2017 wird das Ocean Science Centre Mindelo (OSCM)
als Basis für Feldforschung im tropischen Nordostatlantik,
wissenschaftlichen Austausch sowie universitäre Ausbildung und
Netzwerkbildung mit Westafrika betrieben. So wird in Mindelo auch das
internationale Masterprogramm „Climate Change and Marine Sciences“ für
junge Forschende aus Westafrika angeboten, welches das BMBF im Rahmen des
West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use
(WASCAL) fördert. In dieser mit dem Auftriebsgebiet global wie regional
bedeutenden Meeresregion planen das GEOMAR und seine internationalen
Partner unter enger Einbindung der regionalen Expertise die ganzjährige
Forschungsmission „Die Zukunft der Auftriebsgebiete im tropischen
Atlantischen Ozean“ (Future of Tropical Upwelling Regions in the Atlantic
Ocean, FUTURO). Die Bedeutung der Forschung in Cabo Verde und des OSCM für
die Region unterstreicht auch die musikalische Umrahmung der
Einweihungsfeier.

„Dieser Tag der Freude ist auch ein Tag des Rückblicks“, erklärt GEOMAR-
Direktorin Professorin Dr. Katja Matthes. „Wir danken denjenigen, die das
GEOMAR über die Jahrzehnte zu einer international führenden Einrichtung
gemacht haben. Wir sind stolz auf die Bestnoten und die Motivation, die
wir bei Begutachtungen erhalten und werden weiterhin mit Neugier und
Gestaltungswillen die Entwicklung und Verzahnung der Kieler
Meereswissenschaften vorantreiben. Für ihre fortwährende Unterstützung
danken wir heute insbesondere dem Bundesministerium für Bildung und
Forschung und dem Land Schleswig-Holstein.“

Rückblick: Aus zwei Standorten wird ein weltweit führendes
Forschungszentrum

Mit dem Einzug ins neue Gebäude endete die Phase einer räumlichen
Aufteilung des heutigen GEOMAR. Seine Wurzeln reichen zurück bis zur
Gründung des „Laboratorium für die Internationale Meeresforschung“ durch
Otto Krümmel im Jahr 1902. Ein erstes „Institut für Meereskunde“ entstand
1937 in Kitzeberg als Institut der Christian-Albrechts-Universität zu
Kiel. Nach einem Bombenangriff, bei dem der damalige Leiter Hermann
Wattenberg und neun weitere Kollegen ums Leben kamen, setzen die
Forschenden ihre Arbeit unter der Leitung von Georg Wüst ab 1946 in der
Hohenbergstraße in Kiel-Düsternbrook fort.

Neben seinem Schwerpunkt auf der physikalischen Ozeanographie deckte das
„Institut für Meereskunde“ eine Bandbreite chemischer und biologischer
Fragestellungen ab. Im Jahr 1968 wurde es in ein Institut der „Blauen
Liste“ (der späteren Leibniz-Gemeinschaft) überführt und damit unter die
Trägerschaft des Landes Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik
Deutschland gestellt. 1972 erhielt es sein eigenes Gebäude mit Aquarium
und Seehundbecken direkt an der Kiellinie.

Mit erstarkendem Interesse an meeresgeologischen Themen ab den 1960er
Jahren entstanden an der Kieler Universität mehrere Initiativen, die das
Wissen über den Meeresboden und bis ins Erdinnere reichende Prozesse
erweiterten. Schließlich empfahl eine Arbeitsgruppe der Geokommission des
Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 1984 die Gründung eines
eigenen Instituts. Dieser Empfehlung folgend, sprach sich der Schleswig-
Holsteinische Landtag im Juli 1987 einstimmig für ein „Forschungszentrum
für Marine Geowissenschaften GEOMAR“ als Stiftung des öffentlichen Rechts
in Kiel aus. Zum Gründungsdirektor wurde Professor Dr. Jörn Thiede
berufen.

Keimzelle des damaligen GEOMAR war das Gebäude 4 auf dem Seefischmarkt.
Der neue Zweig wuchs schnell und dehnte sich auf weitere Gebäude auf dem
Gelände aus. 1996 wurde nach nur vier Jahren Bauzeit Gebäude 8 fertig
gestellt.

Die Idee einer Zusammenlegung der beiden Standorte war bereits 2004 bei
der Gründung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR aus
dem Institut für Meereskunde (IfM) und dem Forschungszentrum für Marine
Geowissenschaften GEOMAR präsent. Der Wechsel von der Leibniz- in die
Helmholtz-Gemeinschaft erforderte jedoch einen Neustart des
Planungsprozesses. Schließlich konnte 2012 ein Architektur-Wettbewerb
ausgelobt werden, in dessen Rahmen die Staab Architekten GmbH mit ihrem
Entwurf überzeugte.

Der erste Spatenstich für den Neubau wurde am 27. März 2017 gefeiert. Am
28. September 2021 wurden das Zentrale Probenlager und das Parkhaus
eingeweiht. Für einen Rückschlag sorgte der bei Dacharbeiten am 13.
September 2022 ausgebrochene Brand, der noch vor dem Umzug
Sanierungsarbeiten an der Fassade und in einigen Innenräumen erforderte.
Dennoch konnte der Umzug bis Ende 2023 weitgehend abgeschlossen werden.
Als letzter Baustein des Projekts wird im Frühjahr 2025 die 1400 Meter
lange Seewasserleitung in Betrieb genommen.

Fakten zum GEOMAR-Neubau

•       5 Türme, Länge insgesamt 128 Meter, Breite insgesamt 63 Meter,
Höhe bis 26 Meter
•       Nutzfläche: ca. 15.500 Quadratmeter
•       21 Konferenz- und Besprechungsräume
•       230 Büros für etwa 500 Mitarbeitende
•       166 Labore und 18 Klimakammern
•       Seewasserleitung: ca. 1.400 Meter
•       Seewasserbecken: 200 Kubikmeter
•       2 Liegeplätze für Forschungsschiffe
•       eine der größten meereswissenschaftlichen öffentlichen
Bibliotheken Deutschlands
•       Rechenzentrum mit aktuell fünf Petabyte Speicherplatz