Dresdner Lipidnetz setzt sich für Reduktion der Herz-Kreislauf- Sterblichkeit in der Region ein
Hohe Fette im Blut können fatale Auswirkungen für die Gesundheit haben. //
Die Stoffwechselambulanz am Uniklinikum sensibilisiert für frühzeitige
Behandlung hoher Cholesterinwerte. // Im Netzwerk werben Fachärztinnen und
Fachärzte aus Ostsachsen für Prävention für das Anliegen.
Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und
ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e.V. haben das Dresdner
Lipidnetz zertifiziert. Das Netzwerk organisiert unter Federführung der
Stoffwechselambulanz am Universitätsklinikum Carls Gustav Carus Dresden 94
Partnerinnen und Partner sowie Institutionen aus den Bereichen
Krankenversorgung, Reha, stationäre Versorgung sowie Forschung, die auf
dem Gebiet der Lipide tätig sind. Die Zertifizierung als „Lipidologisches
Kompetenzzentrum und Netzwerk DGFF“ belegt die besondere diagnostische und
therapeutische Qualifikation der geprüften Kliniken, Ambulanzen,
Versorgungszentren und Praxen. Ein „Lipidologisches Kompetenzzentrum und
Netzwerk DGFF“ dokumentiert die koordinierte Zusammenarbeit vieler
verschiedener Fachdisziplinen. „Das Beispiel zeigt erneut, welche Chancen
sich aus der Vernetzung von Akteuren der Patientenversorgung in der Fläche
ergeben. Das sind Chancen, die vor allem den Patientinnen und Patienten
zugutekommen. Wir werten damit lipidologische Beratungsleistungen auf, um
letztlich eine langfristige Sicherung der Kostenerstattung der für
Betroffene und Kostenträger wertvollen lipidologischen Arbeit zu
erreichen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am
Uniklinikum Dresden.
80 Prozent aller genetisch bedingten Fettstoffwechselstörungen sind nicht
diagnostiziert. Häufig erfahren Betroffene erst eine Diagnose und oder
Therapie mit dem ersten Herzinfarkt – oft in jungen Jahren. Zu diesen
Störungen zählt die familiäre Hypercholesterinämie, die einen von 250
Menschen betrifft. Ein weiteres Krankheitsbild ist ein zu hoher
Lipoprotein a (LP(a))-Wert. Das Netzwerk befasst sich zudem mit erhöhten
Neutralfetten (Triglyceriden) im Körper, welche stark vom Lebensstil
abhängen, aber auch sekundär bei anderen Erkrankungen auftreten können
oder genetisch, also angeboren, bedingt sind. Bei den genetischen Formen
kann es zu extremen Erhöhungen kommen mit lebensbedrohlichen
Bauchspeicheldrüsenentzündunge
herauszufischen und Expertinnen sowie Experten zuzuführen, um schwere
Komplikationen zu umgehen.
Gerade bei seltenen Erkrankungen des Stoffwechsels, bei der Kombination
von Therapien oder auch bei der Ursachensuche kommt es auf spezifisches
Wissen an. Dieses zu bündeln und auszutauschen ist Ziel der Expertinnen
und Experten im Dresdner Lipidnetz. Die Idee: Die Fachkolleginnen und
-kollegen in der Region können mit Spezialwissen die Betroffenen beraten,
Patientinnen und Patienten mit seltenen, aber gravierenden schweren
monogenetischen Formen der Erkrankung werden in der Spezialambulanz der
Hochschulmedizin betreut. „Unser gemeinsames Ziel ist hochgesteckt: Wir
wollen das kardiovaskuläre Risiko unserer Patientinnen und Patienten mit
Fettstoffwechselstörungen und damit die Morbidität und Mortalität in
unserer Region senken, indem wir eine leitliniengerechte Versorgung
gewährleisten, ein Kraftakt, welcher nur gemeinsam gelingt mit enger
Verzahnung von Klinik und Praxis, von verschiedenen Fachärzten und
Allgemeinmedizinern“, sagt Dr. Ulrike Schatz, Leiterin der
Stoffwechselambulanz am Uniklinikum als Kompetenzzentrum des Netzwerkes
und Präsidenten der D-A-CH Gesellschaft Prävention von Herz-
Kreislauferkrankungen e.V.. Das interdisziplinäre Dresdner Lipidnetz
vereint Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen, aus Klinik und
Niederlassung, aus Dresden und Umgebung. Es sorgt für gemeinsame
Standards, einen effizienten Informationsaustausch sowie
Fortbildungsangebote.
„Leider warten Patientinnen und Patienten in der Region oft sehr lange auf
einen Facharzttermin. Mit unserem Netzwerk wollen wir Kolleginnen und
Kollegen in der Fläche mit Fachwissen ausstatten, damit frühzeitig
Diagnosen gestellt und Therapien begonnen werden können – bevor zum
Beispiel ein stoffwechselbedingter Herzinfarkt eintritt“, sagt Prof. Dr.
Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III.
Ziel des Dresdner Lipidnetzes ist es, einheitlich zu kommunizieren – zum
Beispiel, wenn es um Richtwerte für das Cholesterin geht – sowie
Kapazitäten auszubauen. Denn oft sind Patientinnen und Patienten
verunsichert, was Richtwerte und dazu passende Empfehlungen zur
Medikamentation angeht. Weiterhin wollen die Mitglieder gemeinsam
Standards für die Anzahl von notwendigen Kontrollterminen entwickeln. So
erfahren Hochrisikopatientinnen und -patienten eine angemessene
Überwachung, ohne dass Facharztpraxen überlastet sind. Dabei setzt das
Netzwerk auf eine breite interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die
Vernetzung von Kliniken und Praxen. Vertreten sind folgende
Fachdisziplinen: Allgemeinmedizin,
Ernährungsmedizin/-wissenschaf
Endokrinologie, Diabetologie, Pädiatrie, Gynäkologie/Geburtshilfe,
Herz-/Thoraxchirurgie, Gefäßchirurgie, Radiologie/Angiologie,
Kardiologie/Angiologie, Nephrologie, Labormedizin, Psychosomatik,
Pharmazie, klinische Pharmakologie und die Klinische Genetik. „Nur wenn
wir möglichst viele verschiedenen Ärztinnen und Ärzte der Region
vernetzen, können wir eine Reduktion der kardiovaskulären Morbidität und
Mortalität in der Region erreichen. Das ist unser Ziel“, sagt Dr. Ulrike
Schatz.
Früh vorbeugen, sicher diagnostizieren
Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und
ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e.V. sieht es als ihre besondere
Aufgabe an, eine frühzeitige und fachgerechte Diagnostik von
Fettstoffwechselstörungen sowie eine qualitativ hochwertige Versorgung von
Betroffenen sicherzustellen. Ein erster wichtiger Baustein ist die
intensive strukturierte curriculare Fortbildung von Ärzten zu Spezialisten
auf dem Gebiet der Fettstoffwechselstörungen mit Erwerb des Zertifikats
„Lipidologe DGFF“. Über die Zugangsvoraussetzung verfügen Internisten ohne
und mit Teilgebietsbezeichnungen, im Speziellen Angiologen, Diabetologen,
Endokrinologen, Gastroenterologen, Kardiologen und Nephrologen, Fachärzte
für Allgemeinmedizin sowie für Pädiatrie. Mit jährlich bis zu fünf
Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet haben Interessierte die Chance,
diesen mehrstufigen Fortbildungsweg zu beginnen. Neben dieser ärztlichen
Qualifikation wird zur Förderung der Prävention und der Qualitätssicherung
bei Diagnostik und Therapie von Dyslipidämien und ihren Folgen ein
Zertifizierungsprogramm für Versorgungsstrukturen als „Lipid-Ambulanz
DGFF“ und/oder als „Lipidologisches Kompetenzzentrum und Netzwerk DGFF“
angeboten. Angestrebt ist eine flächendeckende Versorgung Deutschlands mit
qualifizierten Lipid-Ambulanzen und Kompetenzzentren. Damit verbunden ist
auch die Intensivierung der interdisziplinären Zusammenarbeit. Ziel ist
es, der Lipidologie den Stellenwert zu geben, den sie angesichts der hohen
Prävalenz von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen
einnehmen muss.
