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Online-Vortrag zur digitalen Ausstellung: Die Goldene Bulle und die Europawahl

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Entstanden im 14. Jahrhundert, geschrieben von Hand auf Pergament, das
namensgebende goldene Siegel legitimierte den Inhalt: Die „Goldene Bulle“
regelte bis ins frühe 19. Jahrhundert die Wahl des römisch-deutschen
Königs und späteren Kaisers. PD Dr. Mathias Kluge von der Universität
Duisburg-Essen entwickelte gemeinsam mit dem Historischen Museum der Pfalz
Speyer eine digitale Ausstellung rund um die kaiserliche Urkunde. In
seinem Online-Vortrag am 3. Juni um 17 Uhr präsentiert er neue
Forschungsergebnisse zum Dokument und erklärt, wie spätmittelalterliche
Prinzipien die Grundlagen unserer heutigen Demokratie beeinflusst haben.
Die Anmeldung zur Teilnahme ist kostenfrei.

Die im Zentrum der Ausstellung und des Vortrags stehende Goldene Bulle
Kaiser Karls IV. ist ein Gesetzbuch in lateinischer Sprache. Es regelte
vor allem die Wahl des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers durch
die Kurfürsten bis zum Ende des alten Reiches im Jahr 1806: Die einfache
Mehrheit entschied, und die Bulle mahnte direkt in Richtung der
Kurfürsten: „Nachdem sie an diesem Ort gewählt haben, muss eine solche
Wahl anerkannt werden, als wäre sie einmütig und ohne Gegenstimme
vollzogen worden.“

Namensgebend für das frühe Verfassungsdokument ist das Siegel (die Bulle)
aus Goldblech, das auf der Vorderseite den Kaiser mit Zepter und
Reichsapfel zeigt, auf der Rückseite stilisiert die Stadt Rom abbildet.
Seit 2013 gehört die Goldene Bulle, von der sieben Originalausfertigungen
erhalten sind, zum Weltdokumentenerbe der UNESCO wie die Bibel, der Koran
und Goethes Werke.

PD Dr. Mathias Kluge, Historiker und derzeit Vertretungsprofessor für
Europäische Regionalgeschichte an der Universität Duisburg-Essen (UDE),
betont die Bedeutung, die das Dokument auch aktuell noch hat: „Die Goldene
Bulle Bulle regelte schon früh ein Wahlverfahren mit
Mehrheitsentscheidung. Für die Geschichte Europas hat es bis heute
Bedeutung: Diejenigen, die wählen, müssen die Entscheidung der Mehrheit
akzeptieren, um politische Stabilität zu gewährleisten.“

Die Ausstellung, die Kluge zusammen mit Kollegen aus der Forschung, der
Filmbranche sowie Studierenden der Universität Augsburg geplant und
umgesetzt hat, richtet sich an ein breites Publikum und vermittelt die
Prinzipien der mittelalterlichen Königswahl auf unterhaltsame Weise per
Video, Bild und mithilfe zahlreicher weiterführender Links für alle, die
tiefer einsteigen möchten.

Kluge hält seinen Vortrag zur Ausstellung im Auftrag der Landeszentrale
für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Für die Teilnahme ist eine
kostenfreie Anmeldung nötig.