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Europawahl: IfW Kiel rät zu mehr Freihandelsabkommen gegen China- Abhängigkeit

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Die Bedeutung Chinas für den Außenhandel der EU ist zwar hoch, ging in den
letzten Jahren aber zurück. Grund ist, dass die EU den Handel mit anderen
Ländern intensiviert hat. In einer aktuellen Analyse rät das IfW Kiel der
EU, diesen Kurs fortzusetzen und Freihandelsabkommen etwa mit Australien
oder den Mercosur-Staaten abzuschließen. So könnte sie angesichts
geopolitischer Spannungen die Abhängigkeit von China reduzieren. Momentan
dominiert China als Lieferant der EU für bestimmte Elektronikprodukte und
Rohstoffe. Käme es zu einem Handelsabbruch, hätte dies kurz- und
mittelfristig hohe Kosten zur Folge.

Insgesamt geht die Bedeutung Chinas als Handelspartner laut Analyse des
IfW Kiel leicht zurück, dennoch bleibt das Land die größte Importquelle
der EU (20,5 Prozent 2023) und ihr drittgrößtes Exportziel (8,7 Prozent),
nach den USA (19,7 Prozent) und Großbritannien (13,1 Prozent).

„Die EU sollte nicht per se weniger mit China handeln, aber sehr viel mehr
auch mit anderen Ländern. Zwar verdanken wir dem Warenaustausch mit China
günstige Produkte in den Bereichen Elektronik oder grüner Transformation,
die Abhängigkeit ist aus geoökonomischen Überlegungen heraus aber
bedenklich“, sagt Alexander Sandkamp, Handelsforscher am IfW Kiel
anlässlich seiner aktuellen Analyse (EU-China trade relations: Where do we
stand, where should we go/https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/eu-
china-trade-relations-where-do-we-stand-where-should-we-

go-32958/?ADMCMD_simTime=1716955200).

Demnach gilt die Abhängigkeit insbesondere für elektronische Produkte wie
Laptops oder Mobiltelefone, aber auch für Solarmodule oder LEDs. Ebenso
für Rohstoffe, die in der grünen Energiegewinnung oder für Batteriezellen
wichtig sind, wie Germanium oder Magnesium sowie die Seltenen Erden im
Allgemeinen. Für die genannten Produkte und Rohstoffe dominiert China die
weltweite Versorgung mit Marktanteilen von bis zu 90 Prozent.

China langfristig als Handelspartner zu ersetzen

Bei einem kurzfristigen Handelsstopp mit China, etwa wegen kriegerischer
Auseinandersetzungen mit Taiwan, gäbe es für die EU daher praktisch keine
alternativen Lieferanten, insbesondere, weil auch andere westliche Staaten
wie die USA um diese buhlen würden.

Langfristig – wenn sich neue Handelsstrukturen und Lieferketten etabliert
haben – dürfte China als Handelspartner aber zu ersetzen sein.
Simulationen des IfW Kiel zeigen, dass die Wirtschaftsleistung der EU dann
jährlich um etwa 0,8 Prozent geringer ausfallen würde, bezogen auf 2023
entspricht dies 136 Mrd. Euro. In China wären es 0,9 Prozent.

„Folgenschwer ist vor allem ein kurzfristiger Handelsstopp mit China, der
die EU unvorbereitet trifft. Daher muss sie heute die Weichen stellen, um
für einen Konflikt gewappnet zu sein. Das Mittel der Wahl dafür sind
Freihandelsabkommen, sie reduzieren die Handelskosten deutlich und erhöhen
die Planbarkeit. Für Rohstoffe wie die Seltenen Erden etwa sollte die EU
die Verhandlungen mit Australien, Malaysia und den Mercosur-Staaten
schleunigst wieder aufnehmen“, so Sandkamp.

„Gerade auch im Hinblick auf die Europawahl müssen die Parteien jetzt den
Mut finden, für Freihandelsabkommen mit strategischen Partnerländern
einzustehen, dies würde die geopolitische Position der EU enorm stärken
und den Wohlstand aller Beteiligten erhöhen.“

Jetzt lesen: Kiel Policy Brief EU-China trade relations: Where do we
stand, where should we go/https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/eu-
china-trade-relations-where-do-we-stand-where-should-we-

go-32958/?ADMCMD_simTime=1716955200