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Behandlungserwartung in der Therapie nutzen: Die DFG fördert den SFB „Treatment Expectation“ für weitere vier Jahre

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Großer Erfolg für die Universitätsmedizin Essen! Der
Sonderforschungsbereich 289 „Der Einfluss von Erwartung auf die
Wirksamkeit medizinischer Behandlungen“ (SFB/Transregio „Treatment
Expectation“), koordiniert von der Universität Duisburg-Essen, hat rund 15
Millionen Euro von der DFG für eine weitere vierjährige Förderphase
eingeworben. Der interdisziplinäre Verbund zielt darauf ab, den Einfluss
der Erwartung auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen besser zu
verstehen und diese Erkenntnisse zur Optimierung von Therapien zu nutzen.
Sprecherin des mit den Universitäten Hamburg und Marburg beantragten
Forschungsverbundes ist UDE-Prof. Dr. Ulrike Bingel.

Erwartungen von Patient:innen haben einen erheblichen Einfluss auf den
Verlauf von Erkrankungen und die Wirksamkeit von Behandlungen. „Wir wollen
unsere Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung
bringen, also Erwartungseffekte systematisch im klinischen Alltag nutzen“,
erklärt Prof. Dr. Ulrike Bingel, Sprecherin des Verbunds. Hierzu erforscht
ein interdisziplinäres, überregionales Team von 26 exzellenten Forschenden
aus den Bereichen Medizin, Psychologie und den Neurowissenschaften die
psychologischen und neurobiologischen Mechanismen von Erwartungseffekten.

Schon jetzt ist der durch den SFB/TRR gewonnene Datenschatz weltweit
einmalig: Von über 2500 Teilnehmenden und Patient:innen in verschiedenen
Studien konnten Bilder der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT),
psychometrische Daten und klinische Informationen erhoben werden. Diese
Daten sind das Herzstück des Verbundes und ebnen den Weg für ein
tiefgreifendes Verständnis der Mechanismen und die zukünftige
personalisierte Nutzung von Erwartungseffekten.

„Künftig werden wir uns insbesondere auf die dynamische Veränderung von
Behandlungs-erwartungen fokussieren, diese komplexeren Szenarien
untersuchen und die Modellsysteme über Schmerz und Depression hinaus auf
andere physiologische Systeme wie das Immunsystem erweitern“, erläutert
Sprecherin Prof. Dr. Ulrike Bingel. „Wir schätzen uns glücklich, mit Prof.
Dr. Christine Knaevelsrud von der Freien Universität Berlin eine absolute
Expertin in diesem Bereich für unseren SFB gewonnen zu haben“, ergänzt
Winfried Rief, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an
der Universität Marburg und stellvertretender Sprecher des Verbunds.

„Uns ist es wichtig, die Öffentlichkeit und die wissenschaftliche
Gemeinschaft über unsere Forschung zu informieren. Deshalb werden wir ein
eigenständiges Projekt aufsetzen, das zwei Zielgruppen erreichen soll:
Patient:innen und medizinisches Personal, vor allem angehende Ärztinnen
und Ärzte. Alle klinischen Studien haben das Ziel, Behandlungen zu
verbessern. Dabei spielt die intensive Einbindung von und verstärkte
Kooperation mit Patient:innen eine zentrale Rolle, um unsere Forschung für
diejenigen, die sie am meisten betrifft, sinn- und wirkungsvoll zu
gestalten“, betont Prof. Dr. Ulrike Bingel.