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Frühe Neuzeit im Fokus: Forschungszentrum Gotha feiert 20-jähriges Bestehen

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Vor 20 Jahren nahm das Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
seine Arbeit auf, um Wissenschaftler*innen bei der Erkundung der Gothaer
Bibliotheksbestände zu unterstützen. Heute blickt es auf eine
Erfolgsgeschichte zurück – dies soll am kommenden Donnerstag, 20. Juni,
gefeiert werden.

Das Forschungszentrum Gotha (FZG) wurde 2004 von der Universität Erfurt
gegründet, um Wissenschaftler*innen aus aller Welt mit den historisch
bedeutenden Gothaer Bibliotheksbeständen bekanntzumachen und das zu diesem
Zweck von der Fritz Thyssen Stiftung ins Leben gerufene Herzog-Ernst-
Stipendienprogramm zu koordinieren. Seither hat das Forschungszentrum mehr
als 400 Stipendiat*innen betreut. Das Stipendienprogramm, das seit 2020
von der Ernst Abbe Stiftung finanziert wird, wurde – etwa mit dem Hiob
Ludolf Fellowship für etablierte Forscherinnen und Forscher – im Laufe der
Jahre konsequent weiterentwickelt. Darüber hinaus sind neue
Stipendienformate entstanden, darunter das innovative Tandem-Fellowship
für Globale Ideengeschichte, das von der Gerda Henkel Stiftung unterstützt
wird. Und das Alumni-Netzwerk umspannt den gesamten Globus und hat bereits
zahlreiche neue Kooperationen hervorgebracht.

Für Stipendien und Forschungsprojekte wurden seit 2004 mehr als neun
Millionen Euro Drittmittel eingeworben. Im Zusammenhang mit den am FZG
laufenden Projekten sind mehr als 1.000 Publikationen entstanden. Darunter
befinden sich kleinere Aufsätze von Kurzeitstipendiat*innen ebenso wie
Monografien und Editionen, die auf längerfristig am FZG angesiedelte
Forschungsprojekte zurückgehen. Überdies bündeln Sammelbände die
Ergebnisse von Tagungen. Die Kolloquien, Konferenzen und
Kooperationsevents der vergangenen 20 Jahre addieren sich zu einer Summe
von mehr als 900 wissenschaftlichen Veranstaltungen.

Neben zahlreichen weiteren Veranstaltungen, die in diesem Jahr geplant
sind, wird das Forschungszentrum im Herbst 2024 den sogenannten
Frühneuzeittag ausrichten, die alle zwei Jahre stattfindende Fachtagung
der deutschen Frühneuzeit-Historiker*innen.

Um all diese Erfolge zu feiern, öffnet das FZG am 20. Juni ab 16 Uhr seine
Türen für interessierte Gäste und präsentiert laufende wie abgeschlossene
Projekte. Vorgestellt wird auch die zukünftige Handbibliothek des
Forschungszentrums, die aus dem Nachlass des 2015 verstorbenen Leipziger
Historikers und Bibliothekswissenschaftlers Prof. Dr. Detlef Döring
stammt. Sie wird im Beisein seiner Witwe und Tochter an ihrem neuen
Standort am Hauptmarkt 17a/b eingeweiht. Die Festveranstaltung mit
geladenen Gästen umfasst neben Grußworten auch einen Festvortrag der
Historikerin Prof. Dr. Renate Dürr (Tübingen). Sie spricht über „Das Spiel
mit versteckten Botschaften: Über den Umgang mit Zensur in einer Sammlung
jesuitischer Texte des 18. Jahrhunderts“. Im Anschluss soll mit allen
Anwesenden der Geburtstag gefeiert werden.

Hintergrund FZG:
2004 als Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche
Studien gegründet, sollte die zentrale Institution der Universität Erfurt
das Forschungsprofil der Universität stärken und dem 2003 von der Fritz
Thyssen Stiftung bewilligten Herzog-Ernst-Stipendienprogramm zur
Erforschung der Gothaer Bestände eine wissenschaftliche Infrastruktur zur
Verfügung stellen. Seit 2008, mit der Berufung von Prof. Dr. Martin
Mulsow, Professor für Wissenskulturen der Europäischen Neuzeit, als
Direktor des Forschungszentrums liegt der Arbeitsschwerpunkt –
entsprechend den Gothaer Sammlungsbeständen – auf der Kultur- und
Wissensgeschichte der Frühen Neuzeit von etwa 1500 bis 1800. Seit 2018
beherbergt das von der Baugesellschaft Gotha aufwendig rekonstruierte
Historische Landschaftshaus am Schloßberg 2 Büros und Vortragssaal des
Forschungszentrums. Das angrenzende Gebäude am Hauptmarkt bietet
zusätzliche Büroräume und Gästewohnungen für Stipendiat*innen.