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Die langfristigen Vorteile von Bildung: Warum das Streben nach Bildung auch im Erwachsenenalter entscheidend ist

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Der Erwerb von Kompetenzen ist nicht nur in der Jugend wichtig, sondern
ein Leben lang. Besser gebildete Menschen erzielen langfristig höhere
Einkommen und zeigen beispielsweise eine stärkere Zustimmung zu
demokratischen Grundwerten. Diese und weitere Erkenntnisse zu Bildung im
Lebensverlauf zeigen die Auswertungen des LIfBi für den neuen Bericht
„Bildung in Deutschland 2024“. So werden höhere Bildungsabschlüsse nicht
nur in und direkt nach der Schule erworben. Die Autor:innen fordern,
förderliche Rahmenbedingungen für gelingende Übergänge zwischen
Bildungsbereichen und Angebote für den Kompetenzerwerb auch für den
nachschulischen Lebensverlauf zu schaffen.

Gering qualifizierte Personen zielgerichtet mit Bildungsangeboten
unterstützen

Erwerbstätigkeit und ein höheres Einkommen hängen maßgeblich mit dem
erreichten Bildungsabschluss zusammen. Im Jahr 2022 waren 89 % der in
Deutschland lebenden Erwachsenen mit hohem Bildungsabschluss berufstätig.
Bei den Erwachsenen ohne beruflichen Abschluss und ohne
(Fach-)Hochschulreife waren es hingegen nur 65 %. Besonders häufig nicht
erwerbstätig waren formal gering qualifizierte Frauen mit im Haushalt
lebenden jungen Kindern. Auch aufgrund des Fachkräftemangels scheint es
wichtig, zielgerichtete Qualifikations- und Unterstützungsangebote zu
schaffen, um gering qualifizierte Personen in den Arbeitsmarkt zu
integrieren und der Ungleichverteilung der Erwerbsbeteiligung
entgegenzuwirken. Die Befunde aus dem Nationalen Bildungsbericht berühren
zudem weitere politische Handlungsfelder, da das Vertrauen in die
Demokratie bei höher gebildeten Menschen sichtbar größer ist.

Höhere Abschlüsse können im Erwerbsalter nachgeholt werden

Die langfristige Perspektive des NEPS erlaubt es, die Bildungs- und
Erwerbsbiografien von Menschen über einen Zeitraum von mehreren
Jahrzehnten zu betrachten. Am Beispiel der Geburtskohorte 1945 bis 1949
zeigt sich, dass Bildungsabschlüsse häufig auch nach Verlassen des
Bildungssystems nachgeholt werden – oftmals berufsbegleitend.
•       Über den Zeitraum von 40 Jahren erreichten 28 % der
Nachkriegsgeborenen einen höheren Bildungsabschluss, als sie beim
erstmaligen Verlassen des Bildungssystems hatten.
•       Insbesondere gering qualifizierte Menschen waren hier erfolgreich.
Fast die Hälfte von ihnen (46 %) hat in den 40 Jahren nach dem Verlassen
des Bildungssystems eine (Fach-)Hochschulreife erworben, schloss eine
Berufs , Meister- oder vergleichbare Ausbildung oder sogar ein
(Fach-)Hochschulstudium ab.

Ein geringer Bildungsstand ist nicht in Stein gemeißelt

Mitautorin des Bildungsberichts und Direktorin des LIfBi, Prof. Dr.
Cordula Artelt: „Niedrige formale Bildung hat viele negative Folgen, etwa
Arbeitslosigkeit, geringere gesellschaftliche Teilhabe und niedrige
Einkommen. Unsere Daten zeigen aber auch: Ein geringer Bildungsstand ist
nicht in Stein gemeißelt! Berufs- und sogar Hochschulabschlüsse können
auch viele Jahre nach dem erstmaligen Verlassen des Bildungssystems
nachgeholt und Kompetenzrückstände zum Teil aufgeholt werden. Wichtig ist,
in unserem Bildungssystem mehr und besser verknüpfte Angebote und
Gelegenheiten zur Bildungsteilhabe zu schaffen, mit denen gezielt Menschen
in unterschiedlichen Lebensphasen erreicht werden können.“

Ein Beispiel dafür sind sprachliche Kompetenzen. Geringe Lesekompetenz
geht oft mit einer höheren Wahrscheinlichkeit mit Arbeitslosigkeit und
niedrigem Erwerbseinkommen einher. Doch auch wenn die Grundlagen in der
Kindheit gelegt werden, können Lese- und Schreibkompetenzen ein Leben lang
entwickelt werden. Gut einem Drittel der Erwachsenen, die in den Jahren
2010 bis 2013 als gering literalisiert galten, gelang es in den folgenden
4 bis 6 Jahren, eine mittlere oder sogar hohe Lesekompetenz zu erreichen.
Das wiederrum ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, erwerbstätig zu
sein beziehungsweise aus der Arbeitslosigkeit herauszufinden.

Geringe Qualifikationen werden von Eltern an Kinder weitergegeben

Die Bildungschancen von Kindern hängen in Deutschland immer noch stark von
der sozialen Herkunft ab. Am Beispiel von Schülerinnen und Schülern, die
seit dem Jahr 2010 im Rahmen des NEPS begleitet werden, zeigt sich, dass
das Zusammenspiel von herkunftsbezogenen Risiken und den davon
beeinflussten Bildungschancen das Risiko für ungelernte Erwerbstätigkeit
und Arbeitslosigkeit im weiteren Lebensverlauf erhöhen kann. Eine wichtige
Rolle dabei spielt der Bildungsstand der Eltern:
•       Nur 24 % der Kinder von Eltern, die keinen beruflichen Abschluss
und auch keine (Fach-)Hochschulreife haben, befanden sich 8 Jahre nach dem
Besuch der 9. Klasse im Studium.
•       44 % der Schülerinnen und Schüler in Risikolage hatten etwa 10
Jahre nach dem Besuch der 9. Klasse keinen beruflichen Abschluss erworben
und
•       36 % der Schülerinnen und Schüler in Risikolage waren schon
mindestens einen Monat oder länger arbeitslos, ohne zuvor einen
beruflichen Abschluss erworben zu haben.

NEPS-Daten für die nationale Bildungsberichterstattung

Die Erkenntnisse zu den genannten und weiteren Themen hat das LIfBi für
das Kapitel „Bildungsverläufe, Kompetenzentwicklung und Erträge“ des
Nationalen Bildungsberichts zusammengetragen. Das Kapitel gibt einen
Überblick über langfristige Bildungsbiografien von Menschen in Deutschland
und fokussiert dabei auf unterschiedliche Bildungsbedingungen,
-voraussetzungen und -erträge. Die Basis für das vom LIfBi verantwortete
Kapitel bilden unter anderem Daten des Nationalen Bildungspanels, eine der
größten sozialwissenschaftlichen Langzeitstudien zu Bildungsbiografien in
Deutschland, welche am LIfBi beheimatet ist.

Über den Nationalen Bildungsbericht

Der Bericht „Bildung in Deutschland“ wird von einer unabhängigen Gruppe
von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellt, die folgende
Einrichtungen vertreten: Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung
und Bildungsinformation (Federführung), das Deutsche Institut für
Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE), das
Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und
Wissenschaftsforschung (DZHW), das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe
(LIfBi), das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) an der
Georg-August-Universität sowie die Statistischen Ämter des Bundes
(Destatis) und der Länder. Die Kultusministerkonferenz (KMK) und das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördern die Erarbeitung
des Berichts.