Kunst im öffentlichen Raum: Neue Webseite online
n wenigen deutschen Städten stehen so viele Denkmäler und Kunstwerke im
öffentlichen Raum wie in Berlin. Wer mehr über sie erfahren möchte, kommt
an der Webseite bildhauerei-in-berlin.de nicht vorbei. Tausende Werke sind
dort verzeichnet. Die komplett überarbeitete Webseite bietet nun eine
bessere Suche, neue Inhalte im Bereich baugebundene Kunst sowie
ausgewählte 3-D-Modelle. Getragen wird sie von der Hochschule für Technik
und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) und dem Verein für die Geschichte
Berlins e. V. Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa fördert das
Projekt.
Haben Sie sich schon mal gefragt, welche Figur auf der kupfergedeckten
Kuppel des Schloss Charlottenburgs steht? Ist die Quadriga auf dem
Brandenburger Tor nicht eigentlich „nur“ eine Bauplastik? Und wie sieht es
mit den Marmorgruppen auf den Pfeilern der Schlossbrücke aus? Antworten
auf diese und weitere Fragen liefert die Datenbank „Bildhauerei in Berlin“
mit rund 3.000 Einträgen, die Mehrheit davon mit Fotos.
Die Anlaufstelle für Kunst im öffentlichen Raum
„Wir sind die Anlaufstelle für Kunst im öffentlichen Raum in Berlin und
kooperieren eng mit dem Landesdenkmalamt Berlin“, erklärt Prof. Dr.
Susanne Kähler, Expertin für Kunst- und Kulturgeschichte und Professorin
in den Studiengängen Museologie und Museumsmanagement und -kommunikation
an der HTW Berlin. Die Datenbank „Bildhauerei in Berlin“ ist nicht nur
sehr umfangreich, sondern auch wissenschaftlich fundiert: „Unsere
Informationen beruhen vielfach auf intensiven Archivrecherchen, und wir
nutzen für die Bestimmung der verwendeten Materialien das renommierte
Materialarchiv der Schweiz, die beste Sammlung und Dokumentation von
Werkstoffgruppen“, erklärt Kähler. Mit der Webseite stehen die
Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Rund 12.000
Aufrufe verzeichnet die Seite pro Monat.
Neue Funktionen
Die bisherige Webseite war seit 2019 online. Die neue Webseite bietet
neben einem neuen Design insbesondere eine Verbesserung der
Kartendarstellung für die Suche von Objekten. Mit der Funktion „Locate me“
können Seitenbesucher*innen auf dem Handy oder Tablet die eigene Position
laufend auf der Karte anzeigen lassen. Ein Popup-Fenster blendet dann die
nächstliegenden Skulpturen und Kunstwerke im Umkreis von einem Kilometer
automatisch ein. Neu ist ebenfalls die Funktion, dreidimensionale Modelle
von allen Seiten betrachten zu können. Auf der Seite ist das Werk „Die
Sinnende“ von Sabina Grzimek als Pilot eingebunden, weitere Objekte sollen
folgen.
Neu: baugebundene Kunst
Inhaltlich sind nun auch umfangreiche Datenbestände zu baugebundener Kunst
in der Datenbank zu finden. Baugebundene Kunst schließt alle
bauplastischen Gestaltungen ein. Gemeint sind zum Beispiel Friese,
Balustradenfiguren oder krönende Kuppelfiguren, die maßgeblich zum
Berliner Stadtbild gehören. Der Begriff „Kunst am Bau“ ist zwar
geläufiger, beschränkt sich jedoch auf die Verpflichtung, bei Neubauten
der öffentlichen Hand einen bestimmten Anteil der Bausumme für Kunst
aufzuwenden.
„Baugebundene Kunst ist oft mehr als bloße Dekoration und transportiert
nach außen, wofür Gebäude einst bestimmt waren oder was in ihnen vor sich
geht. Die Werke stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen Architektur und
öffentlichem Raum dar“, erläutert Kähler. Sie und ihre Mitstreiter*innen
haben bislang 224 Werke aus nahezu allen Berliner Bezirken erfasst und
auch erkundet, welche Materialien verwendet wurden – von Sandstein über
Zinkguss bis hin zu Kunststoff. "Dahinter steckt nicht nur jede Menge
Forschung, sondern auch eine völlig neue Datenstruktur der Datenbank, ein
Aufwand, den man als Seitennutzer*in so gar nicht wahrnimmt", erklärt
Prof. Dr. Dorothee Haffner. Die Professorin für Museumsdokumentation ist
verantwortlich für das Datenmanagement im Projekt.
Projektpartner und Förderung
Die Webseite „Bildhauerei in Berlin“ wird getragen von der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) und dem Verein für die
Geschichte Berlins e. V. Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und
hier das Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin sind
Förderer. Zu den Kooperationspartnern zählen das Landesdenkmalamt, die
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg, die
Zitadelle Spandau und das Institut für Kunst- und Bildgeschichte der
Humboldt-Universität zu Berlin.
Die Geschichte hinter „Bildhauerei in Berlin“ (BiB)
Entstanden war BiB 2004 auf Initiative der Kunsthistoriker:innen Dr. Ursel
Berger, damalige Leiterin des Georg Kolbe Museums, Dr. Josephine Gabler,
damalige Leiterin der Stiftung für Bildhauerei, und des Kunsthistorikers
Dr. Marc Wellmann, damals Vorstand der Bernhard-Heiliger-Stiftung. Anfang
2013 musste die Webseite aus personellen und technischen Gründen vom Netz
genommen werden.
Im Rahmen des Förderprogramms der Senatsverwaltung für Kultur und Europa
zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
übernahm die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW Berlin)
die Aufgabe, Datenbank und Website neu zu erstellen. Wesentliche Grundlage
hierfür waren die in den Jahren 2003 bis 2016 von der Kunsthistorikerin
Dr. Susanne Kähler und dem Kunsthistoriker Dr. Jörg Kuhn im Auftrag des
Referates für Gartendenkmalpflege des Landesdenkmalamtes Berlin (LDA
Berlin) erarbeiteten Erfassungen von plastischen und skulpturalen
Denkmälern, Brunnen und Werken der bildenden Kunst im öffentlichen Raum in
Berlin.
In vier aufeinanderfolgenden Forschungsprojekten wurden Datenbank und
Webseite nach und nach erweitert. Die Projektleitung lag jeweils bei Prof.
Dr. Susanne Kähler, das Datenmanagement bei Prof. Dr. Dorothee Haffner.
Unterstützt wurden sie zuletzt durch die studentischen Hilfskräfte Layla
Fetzer und Pauline Ahrens. Extern waren u.a. Nicola Vösgen für die
wissenschaftliche Recherche beteiligt, für das Webdesign das Büro für
Gestaltung Förm sowie Prof. Dr. Jens Martin Loebel für die Programmierung
und Thomas Rosenthal für die Drohnenfotografie. Game Design Student Pascal
Nader entwickelte zuletzt die neue 3-D-Darstellung von Objekten.
