Sozialpharmazie in NRW nimmt (Fehl-)versorgung in den Fokus
Wie sich das enorme Potenzial der Apotheken vor Ort in Zusammenarbeit mit
den Amtsapothekerinnen und Apothekern aus dem öffentlichen
Gesundheitsdienst noch besser zur Prävention von Fehlversorgung und Sucht
nutzen lässt – das ist Thema der diesjährigen Sozialpharmazie-Tagung im
Mai in Düsseldorf gewesen. Veranstaltet wurde der Austausch vom
Landeszentrum Gesundheit NRW (LZG.NRW) und von der Akademie für
Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW). Gut 50 Amtsapothekerinnen und
Apotheker aus ganz Nordrhein-Westfalen (NRW) haben darüber diskutiert, wie
Prävention, Beratung und Versorgung von z.B. Opioidabhängigen verbessert
werden kann.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung widmeten sich insbesondere
dem Thema Fehlversorgung. Gerade in NRW als dem bevölkerungsreichsten
Bundesland ist es besonders wichtig, die zu versorgenden
Bevölkerungsgruppen im Blick zu behalten. Es gibt eine immer größer
werdende Anzahl an stationär zu pflegenden Patientinnen und Patienten,
Multimedikation insbesondere im Alter sowie eine Vielzahl an
Substitutionspatienten, Rauschgift- und Drogendelikten. Dass den
öffentlichen Apotheken als niedrigschwellige Institution der
gesundheitlichen Daseinsvorsorge in all diesen Punkten eine relevante
Bedeutung in Punkto Aufklärung, Prävention und Arzneimittelberatung
zukommt, wurde im Laufe der zweitägigen Vortragsreihe mehr als deutlich.
Apothekerinnen und Apotheker beraten nicht nur alltäglich im Zuge der
Arzneimittelabgabe und prüfen Arzneimittel sowie Verschreibungen auf
Echtheit und Unversehrtheit. Sie versorgen zudem Pflegeeinrichtungen,
führen erweiterte Medikationsberatungen im Falle von Polymedikationen
durch, vergeben Sub-stitutionsmittel an opiatabhängige Patientinnen und
Patienten, übernehmen die Belieferung mit Medizinalcannabis und erkennen
Fehlanwendungen, Miss-brauchspotentiale sowie Suchtverhalten. Insbesondere
das Problem des Medi-kamentenmissbrauchs, das durch älter werdende und
alleinlebende Menschen mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, fällt häufig
zuallererst in den Apotheken auf. Denn neben der fachlichen Expertise
laufen hier die Fäden von ärztlichen Verordnungen, Kundenberatungen und
persönlichen Gesprächen zusammen. Bei der Tagung konnte den Referentinnen
und Referenten aus den externen Versorgungsbereichen (wie z.B.
Versorgungspraxis, Krankenkassen, medizinisch-wissenschaftliche
Institutionen, Institutionen der Gesundheitshilfe, Landeseinrichtungen und
Forensik) das Dienstleistungsportfolio der Apothekerinnen und Apotheker
vor Ort nochmals deutlich vor Augen geführt werden. Insbesondere für die
Bereiche der Heimversorgung, der pharmazeutischen Dienstleistungen, der
Opioidsubstitution sowie der Beratung in Punkto Prävention wurde der
Mehrwert der pharmazeutischen Arzneimittelexpertise von den
Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmern unterstrichen.
Die Sozialpharmazie-Tagung bietet daher eine wichtige Plattform für die
sozi-alpharmazeutische Arbeit der knapp 80 Amtsapothekerinnen und
Amtsapotheker, vor allem mit dem Ziel, die intersektoralen Berufsgruppen
und Entscheidungsträger auf Kommunal- und Landesebene zu vernetzen und mit
Blick auf etwaige Versorgungsdefizite der Bevölkerung zu sensibilisieren.
Über den Ausbau der sozialpharmazeutischen Expertise im Rahmen des neu
geplanten ÖGD-Gesetzes sowie der Gründung des Landesamts für Gesundheit
und Arbeitsschutz (LfGA, geplant für 2025) soll dies auch weiterhin im
Sinne der Bevölkerungsgesundheit und mit starker Stimme für die
pharmazeutische Versorgung vor Ort gelingen. Handlungsbedarf, aber auch
großes Interesse zeigten sich in Düsseldorf ausnahmslos – auf beiden
Seiten des Podiums.
