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Sturzrisiko als Nebenwirkung: Wie KI-basierte Systeme älteren Menschen bei der richtigen Medikation helfen

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Stürze sind die Hauptursache für Verletzungen und verletzungsbedingte
Todesfälle bei älteren Menschen. Einen maßgeblichen Anteil daran haben die
Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, die das Sturzrisiko erhöhen. Diese
sogenannten „Fall risk increasing drugs“ (FRIDs) werden zum Beispiel zur
Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen oder Depressionen
verschrieben. Um eine personalisierte Sturzprophylaxe im klinischen Alltag
zu ermöglichen, untersucht Professorin Nathalie van der Velde (Foto) vom
Amsterdam University Medical Center (Amsterdam UMC), wie Prognosemodelle
oder klinische Entscheidungshilfesysteme dazu eingesetzt werden können.

Derzeit arbeitet die Geriaterin an KI-basierten Entscheidungshilfesystemen
zum Umgang mit FRIDs für die klinische Praxis. Über diese Entwicklung und
weitere zukunftsweisende Themen spricht Natalie van der Velde in ihrer
Keynote-Lecture beim Gerontologie- und Geriatrie-Kongress, der vom 11. bis
14. September an der Universität Kassel stattfindet. Jetzt Kongress-Ticket
sichern unter: https://www.gerontologie-geriatrie-kongress.org

Einen Meilenstein stellen die 2022 erschienenen World Falls Guidelines
dar, an deren Entwicklung van der Velde in führender Funktion beteiligt
war. Diese beinhalten auch ein Kapitel zum Thema FRIDs. „Ziel war es,
gemeinsam evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen zur Sturzprävention
und zum Sturzmanagement für ältere Menschen zu entwickeln, die von
Angehörigen der Gesundheitsberufe und anderen Fachleuten angewendet werden
können. Dabei haben wir einen personenzentrierten Ansatz gewählt, der die
Perspektive älterer Erwachsener, von Pflegepersonen und anderen
Interessensvertretern einbezieht“, erklärt Nathalie van der Velde. In
einem modifizierten Befragungsverfahren nach der Delphi-Methode hat sie
dafür zusammen mit einer weltweit agierenden Gruppe von Expertinnen und
Experten sowie Interessensgruppen dezidierte Empfehlungen entwickelt, über
die sie ebenfalls beim Kongress in Kassel sprechen wird.



Wird aktuell erforscht: Gemeinsame Entscheidungsfindung mit KI-
Unterstützung

Gemeinsam mit Expertinnen und Experten für medizinische Informatik und
Kommunikation haben Nathalie van der Velde und ihr Team an der Entwicklung
von KI-basierten personalisierten Prognosemodellen in elektronischen
Gesundheitsakten gearbeitet – sowohl für Hausarztpraxen als auch für
Sturzkliniken. Diese wurden in klinische Entscheidungshilfesysteme und
Patientenportale aufgenommen, die leitlinienbasierte Entscheidungsregeln
für die Verschreibung von FRIDs und Unterstützung bei der gemeinsamen
Entscheidungsfindung enthalten.

Diese werden im Rahmen der niederländischen Studien „SNOWDROP“
(Primärversorgung) und „_IT RCT“ getestet, über die van der Velde beim
Kongress in Kassel ebenfalls berichten wird. Ziel dieser multizentrischen
Studien ist es, die Verschreibung von Medikamenten zu personalisieren und
die gemeinsame Entscheidungsfindung zu optimieren, um so Stürze mit
Verletzungen zu verhindern und die Gesundheitskosten zu senken. „Die
Ergebnisse werden wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie digitale
Gesundheitsinformatik-Tools, die sich an Ärztinnen und Ärzte sowie ältere
Erwachsene richten, Verordnungen optimieren können, zum Beispiel durch
eine angemessene Entschreibungspraxis und die Unterstützung gemeinsamer
Entscheidungen“, sagt die Geriaterin.

Zur Person:

Nathalie van der Velde ist seit 2010 praktizierende Geriaterin und leitete
von Juni 2014 bis Juni 2017 die Geriatrieabteilung des Amsterdam
University Medical Center (Amsterdam UMC), Standort Academic Medical
Center (AMC). Derzeit ist sie Principal Investigator und Leiterin der
Forschungslinie „Falls & Fracture Prevention“ am Amsterdam UMC. 2019 wurde
sie zur ordentlichen Professorin ernannt. Außerdem ist sie Co-Vorsitzende
des Forschungsprogramms „Aging and Later Life“ der Amsterdam Public Health
Institutions. Seit 2021 ist sie Sprecherin der Special-Interest-Gruppe
„Falls & Fracture prevention“ der European Geriatric Medicine Society
(EuGMS). Außerdem ist sie seit 2020 Co-Vorsitzende der World Falls
Prevention Guidelines Task Force und Co-Leiterin der Polypharmacy Working
Group. Seit 2023 ist van der Velde Mitglied des Vorstands der kürzlich
gegründeten World Falls Prevention Society. Seit 2021 ist sie außerdem
stellvertretende Herausgeberin einer Zeitschrift für Altersmedizin mit dem
Titel Age & Ageing, seit 2024 ist sie Akademische Direktorin der EuGMS.

Jetzt Termin vormerken:

Professorin Nathalie van der Velde

Kongress-Keynote: „Falls and medication“

Gerontologie- und Geriatrie-Kongress

11. bis 14. September 2024

Universität Kassel

Alle Infos unter: https://www.gerontologie-geriatrie-kongress.org

Interviewmöglichkeit und Kongress-Akkreditierung:

Sie wünschen ein Interview mit Professorin Natalie van der Velde – vorab
oder vor Ort beim Kongress in Kassel? Gerne helfen wir bei der
Terminkoordination mit der Expertin für Sturzprävention. Hier finden Sie
zudem eine Übersicht aller Keynotes. Akkreditieren Sie sich zudem schon
jetzt für den Gerontologie- und Geriatrie-Kongress in Kassel. Einfach mit
Kopie ihres Presseausweises oder einer Redaktionsbestätigung per E-Mail
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