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METEOR-Expedition M201: Entwicklung junger Unterwasservulkane vor Island im Fokus

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Island ist mit rund 130 Vulkanen die größte
Vulkaninsel der Welt. Bisher ging die Forschung davon aus, dass sich der
Großteil der vulkanischen Aktivität auf Island auf die Flankenzonen und
auf den Meeresboden entlang der Rücken Kolbeinsey und Reykjanes
beschränkt. Neue Karten des Meeresbodens deuten jedoch darauf hin, dass
sich westlich von Island, im sogenannten Vesterdjúp-Becken, weitere
Unterwasservulkane befinden. Die METEOR-Expedition M201 hat zum Ziel, die
Geschichte dieser Vulkankegel zu untersuchen. Das internationale
Forschungsteam will die räumliche Ausdehnung, das Alter und die Verbindung
zu den angrenzenden isländischen Vulkansystemen erforschen.

Die Vulkaninsel Island, eines der vulkanisch aktivsten Gebiete der Erde,
ist Ziel der METEOR-Expedition M201, die unter Leitung des GEOMAR
Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Islands Hauptstadt Reykjavik
gestartet ist. Bis Mitte Juli untersucht ein internationales
Forschungsteam die vulkanische Geschichte von ungewöhnlich erscheinenden
Unterwasser-Vulkanen vor der Küste West-Islands.

An der Expedition unter dem Namen „Intraplattenvulkanismus vor der Küste
West-Islands“ (Volcanism in the Vesturdjúp Basin ¬¬– flank igneous system
or intraplate volcanism off-shore western Iceland), kurz „VEBVOLC“ sind
neben dem GEOMAR federführend Forschende der Universität Hamburg und der
Universität Danzig, Polen (Uniwersytet Gdanski) beteiligt.

Die Wissenschaftler:innen wollen zwei Hauptfragen beantworten: Wie alt
sind die Vulkane und welche Verbindungen bestehen zum benachbarten
Snæfellsnes-Vulkansystem oder dem gesamten  Island-Plume. Aus einem Plume
steigt heißes Gesteinsmaterial aus dem Erdinneren nach oben.

Die erste Frage ist besonders interessant, denn eine hohe Hangneigung und
wenig erodierte Hänge, die sich deutlich vom umgebenden Meeresboden
abheben, lassen darauf schließen, dass die Vulkane jünger sein könnten als
der umliegende Meeresboden. Der ähnlich geringe Erosionsgrad aller Vulkane
deutet darauf hin, dass sie alle etwa gleich alt sind. Die Forschenden
vermuten, dass sie holozänen Alters sind, also in der Warmzeit entstanden
sind, die vor 10.000 Jahren begann und bis heute andauert. Ihre Vermutung
wollen sie mit dem Ozeanbeobachtungssystem OFOS (Ocean Floor Observation
System) überprüfen, das bis auf den Meeresboden abgesenkt werden kann und
über ein Kabel Fotos und Videos an das Schiff sendet.  „Falls die Vulkane
aus dem Holozän stammen, sollte nur wenig Sediment auf ihnen liegen“,
erklärt Dr. Nico Augustin, Ozeanograph am GEOMAR und Fahrtleiter der
Expedition.

Zudem beschäftigen sich die Wissenschaftler:innen mit dem Zusammenhang der
Vulkane mit den benachbarten isländischen Vulkansystemen. Die Region
westlich von Island ist bisher nur wenig untersucht. Daher ist noch
unklar, welcher Zusammenhang zwischen den mutmaßlich jungen kegelförmigen
Vulkanen, dem isländischen Hotspot, der lokalen Plattentektonik und der
magmatischen Aktivität vor der Insel besteht. Insbesondere ist nicht klar,
inwiefern das benachbarte Snæfellsnes-Vulkansystem und der Island-Plume
vom Vesturdjúp-Vulkanfeld isoliert sind. Detaillierte seismische und
hydroakustische Kartierungen können hier Aufschluss geben. „Um die
Bedeutung der neu entdeckten Vulkane vergleichend zu bewerten, müssen die
gesamte Ausdehnung dieses Vulkansystems und die Strukturen unter dem
Meeresboden untersucht werden“, sagt Dr. Augustin.

Auch Gesteinsproben der Vulkane sollen geborgen werden. Nach Einschätzung
der Forschenden ist zu erwarten, dass die Magmasysteme beider Vulkanfelder
voneinander abzweigen. „Wenn das Vesturdjúp-Magmasystem aus der nahe
gelegenen Snæfellsnes-Vulkanzone oder dem Island-Plume kommt, erwarten wir
eine alkalische Zusammensetzung, die sich von normaler Ozeankruste
unterscheidet”, erklärt Augustin. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte
dies bedeuten, dass das Vesturdjúpsystem ein neues und unabhängiges
Intraplattenvulkansystem ist.

Expedition auf einen Blick:

METEOR Expedition M102
Name: VEBVOLC
Fahrtleitung: Dr. Nico Augustin
Datum: 09.06.2024 – 18.07.2024
Start: Reykjavik, Island
Ende: Praia da Vitória, Azoren, Portugal
Fahrtgebiet: Island

Förderung:
Gefördert wird die METEOR-Expedition M102 unter dem Namen
„Intraplattenvulkanismus vor der Küste West-Islands“ kurz „VEBVOLC“ von
der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF).