Schluss mit Luftnummern: CASTN optimiert Versandkartons

Luft ist leicht, kostet Versandunternehmen aber täglich bares Geld.
Unbemerkt füllt sie Millionen Kartons, erhöht Materialverbrauch,
Transportvolumen und Emissionen. Mit der Kartonset-Optimierung CASTN
stellt das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML nun eine
marktreife Software vor, die diese Effizienzprobleme gezielt angeht.
CASTN (kurz für Carton Set Optimization) macht transparent, was bisher
selten greifbar ist: den tatsächlichen Volumennutzungsgrad von
Versandkartons. In vielen Unternehmen liegt er deutlich unter dem, was
regulatorisch und ökonomisch sinnvoll wäre. Mit Blick auf die europäische
Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die künftig eine
Mindestvolumennutzung von 50 Prozent vorsieht, wird diese Transparenz zu
einem strategischen Faktor.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, verfolgt CASTN das Ziel, das
Leerraumvolumen im Versand signifikant zu reduzieren und damit
gleichzeitig Kosten zu senken. Die Software ermöglicht es Unternehmen
zunächst, den eigenen Volumennutzungsgrad zu analysieren. Darauf aufbauend
unterstützt die Software bei der Erstellung eines optimierten
Standardkartonsets, das auf die individuelle Artikel- und Auftragsstruktur
abgestimmt ist.
Ein zentrales Merkmal ist der datenbasierte Ansatz: Ein integrierter
Datencheck prüft die Qualität der verwendeten Artikel-, Auftrags- und
Kartondaten. »Die Optimierung ist immer nur so gut wie die Daten, auf
denen sie basiert«, betont Lukas Lehmann, Projektleiter am Fraunhofer IML.
»CASTN unterstützt Unternehmen deshalb auch dabei, die eigene Datenbasis
zu bewerten und Schwachstellen zu identifizieren – ein Mehrwert, der in
der Praxis oft unterschätzt wird.«
Ein wesentlicher Anwendungsfall von CASTN liegt in der Vorbereitung auf
die PPWR. Untersuchungen zeigen, dass viele Unternehmen die künftig
geforderte Mindestvolumennutzung von 50 Prozent aktuell nicht erreichen.
CASTN schafft hier Transparenz und zeigt konkrete
Optimierungsmöglichkeiten auf. »Viel spannender ist doch die Frage, was
Unternehmen tun, wenn sie die geforderten 50 Prozent nicht erreichen – und
genau darauf gibt CASTN die Antwort«, so Lehmann.
Die beteiligten Forschenden haben die Software praxisnah und im Austausch
mit Partnern aus Industrie und Handel entwickelt, darunter Hellmann
Worldwide Logistics und die NORDWEST Handel AG. Mit dem Abschluss der
Entwicklungsphase steht CASTN ab sofort als marktreife Lösung zur
Verfügung. Unternehmen können die Software weiterhin im Rahmen von
Forschungs- und Entwicklungsprojekten mit dem Fraunhofer IML nutzen, aber
erstmals auch eigenständig einsetzen. Zudem besteht die Möglichkeit, CASTN
über Unternehmen zu beziehen, die die Software als Drittanbieter in ihr
bestehendes Leistungsportfolio für ihre Kunden integrieren.
CASTN feiert seine offizielle Produktprämiere auf der E-Commerce Berlin
Expo am 17. und 18. Februar 2026, wo das Projektteam die Software am
Gemeinschaftsstand mit IGEPA Packaging vorstellt. Die IGEPA Group plant
als erstes Unternehmen, CASTN für ihre Kunden als Service anzubieten.
Mit der Markteinführung von CASTN zeigt das Fraunhofer IML, dass
Effizienz, Regulatorik und Nachhaltigkeit nicht automatisch Gegensätze
sind. Im Gegenteil: Weniger Leerraum bedeutet weniger Material, weniger
Transporte, weniger Emissionen – und zugleich geringere Kosten.
Zur Software: www.castn.de
Fraunhofer-Zukunftsstiftung:
Die Entwicklung von CASTN wurde gefördert durch die Fraunhofer-
Zukunftsstiftung. Die Stiftung unterstützt Forschende der Fraunhofer-
Gesellschaft bei der Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen und
Geschäftsmodellen, die Lösungen für gesellschaftliche und technologisch
relevante Herausforderung schaffen. Die Stiftung orientiert sich dabei an
den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs).
