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SPK restituiert eine Statuette an die Erben von Charlotte Prybram-Gladona

Christus an der Geißelsäule  Copyright: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Marion Böhl; Public Domain Mark 1.0
Christus an der Geißelsäule Copyright: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Marion Böhl; Public Domain Mark 1.0
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Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat die Skulptur eines „Christus an
der Säule“ aus der Sammlung des Journalisten und Herausgebers Albin von
Prybram-Gladona restituiert. Die Herkunft des Werks war im Rahmen der
systematischen Provenienzforschung zu den Erwerbungen der Skulp-
turensammlung im Zeitraum 1933 bis 1945 entdeckt worden.

Marion Ackermann, Präsidentin der SPK, erklärt: „Nachdem die Prove-nienz
klar war, hat die SPK die Erben von Charlotte Prybram-Gladona kontaktiert
und ich freue mich sehr, dass so wieder ein Werk an seine rechtmäßigen
Eigentümer übergeben werden kann. Mit der Rückgabe möchten wir versuchen,
erlittenes Unrecht ein Stückweit wieder gut zu machen.“

„Als Direktorin ist es mir wichtig, dass wir als öffentliche Sammlung
nicht zu Profiteuren von Zwangslagen Dritter werden, die auf politische,
ethnische oder rassistische Verfolgung zurückzuführen sind. Daher ist die
Rückgabe von verfolgungsbedingt verlorenem Kulturgut für uns eine
Selbstverständlichkeit“, ergänzt Antje Scherner, Direktorin Skulpturen-
sammlung und Museum für Byzantinische Kunst.

Der aus einer wohlhabenden Wiener Diplomatenfamilie stammende Albin von
Prybram-Gladona (1894, Zürich – 1974, Salzburg) studierte ab 1909 in
Oxford, München und Basel Kunstgeschichte und Musik. Als Journalist
arbeitete er bei verschiedenen Zeitungen. 1929 erwarb er Geschäftsanteile
der Bayerischen Verlags GmbH, in der unter anderem auch die „Welt am
Sonntag“ erschien, und wurde dort Verlagsdirektor.

Obwohl die aus jüdischen Familien stammenden Eltern Albins von Prybram-
Gladona schon vor ihrer Hochzeit zum evangelischen Glauben bzw. zum
Katholizismus konvertiert waren, wurde von Prybram-Gladona nach der
Machtergreifung aus rassischen und religiösen Gründen verfolgt. 1935
flüchtete er für einige Monate nach Österreich. Als er nach München
zurückkehrte, war der Verlag bereits durch den NSDAP-eigenen Franz-Eher-
Verlag übernommen, und Albin von Prybram-Gladona hatte seinen Posten und
seine Verlagsanteile verloren. Ohne Arbeit konnte er seine Wohnung nicht
mehr finanzieren und zog zu seinen Schwiegereltern.

Aufgrund dieser durch die NS-Verfolgung gravierend verschlechterten
beruflichen, finanziellen und räumlichen Lebensumstände veräußerte Albin
von Prybram-Gladona Teile seiner Kunstsammlung. 1938 konnte er mit seiner
Frau Charlotte Margarethe von Prybram-Gladona, geb. Herrmann (1910 -
2002), nach Frankreich emigrieren, wo er jedoch mehrfach interniert und
regelmäßig von der Gestapo kontrolliert wurde. Im Juni 1941 wurde beiden
die Staatsangehörigkeit entzogen. 1945 kehrte er nach München zurück.

Das um 1700 entstandene Werk „Christus an der Säule“ schickte Albin von
Prybram-Gladona im November 1935 an das Bode-Museum, in der Hoffnung, dass
dieses die Skulptur erwerben würde. Tatsächlich entschied der Direktor,
Theodor Demmler, sie für 400 Mark zu kaufen.

Vor dem Hintergrund des Verkaufszeitpunktes und des finanziellen Drucks,
unter dem Prybram-Gladona stand, ist der Verkauf als verfolgungsbedingter
Vermögensverlust einzuordnen.

Zum Werk:

Christus vor der Geißelsäule
Süddeutschland oder Österreich, frühes 18. Jahrhundert

Vollrunde Statuette aus einem Stück, nur beide Hände (heute ergänzt)
angesetzt. Buchsbaumholz, spätere Teilfassung
Gesamte H. 53,2 cm, H. der Figur 44,3 cm, die Bodenplatte 10,7 x 7 cm, der
Sockel H. 18,8 cm, B. 18,8 cm, T. 17,4 cm.
Inv. Nr. 8498

Die fein gearbeitete, mittelgroße Figur zeigt den besonders im 17. Jahr-
hundert sehr beliebten Andachtsbildtyp des Christus vor einer niedrigen
Geißelsäule. Die Haltung der gelängten Gestalt mit den locker auf dem
Rücken liegenden Händen ist ungewöhnlich entspannt und deutlich weni-ger
von Leiden geprägt als die meisten anderen Darstellungen der Zeit. Eine
überzeugende Zuschreibung des qualitätvollen Werks an einen süddeutschen
oder alpenländischen Künstler ist noch nicht erfolgt. Vorgeschlagen wurde
zuletzt der Umkreis der Schwanthaler in Ried am Inn und des in Rapperswil
arbeitenden Jakob Hunger.