Starke Signale für eine zirkuläre Batterieindustrie – 2nd Conference on Battery Direct Recycling setzt neue Maßstäb
Vom 3. bis 5. Februar 2026 versammelte die 2nd Conference on Battery
Direct Recycling im Congress Centrum Würzburg erneut internationale
Expertinnen und Experten aus Forschung, Industrie und Politik. Die
Veranstaltung, zum zweiten Mal organisiert vom Fraunhofer-Institut für
Silicatforschung ISC, zeigte eindrucksvoll, wie dynamisch sich das
Forschungsfeld des Direct Recyclings von Batteriematerialien in nur
anderthalb Jahren weiterentwickelt hat.
Bereits die erste Konferenz 2024 hatte mit über 150 Teilnehmenden eine
starke Community begründet. Die zweite Ausgabe mit mehr als 170
Teilnehmenden unterstrich nun mit einem noch breiteren Spektrum an
Beiträgen, wie rasant der Wissens- und Technologiefortschritt im Bereich
des Direct Recycling voranschreitet. Ein besonderes Highlight waren die 13
Industrievorträge und die kleine, aber feine Industrie-Ausstellung. Sie
betonten die zunehmende praktische Relevanz und Marktnähe der
vorgestellten Recyclingprozesse und das Interesse der Unternehmen, in
diese Zukunftstechnologie zu investieren.
Am Anfang eine Frage der richtigen Definition
Direct Recycling bedeutet, die Bestandteile von Batterien, die für die
Energiespeicherung und das Laden und Entladen entscheidend sind, ohne
größere Umwege aus ausgedienten Batterien oder Produktionsabfällen
zurückzugewinnen und direkt wieder in Batterien einzusetzen, also ein
funktionserhaltendes Recycling. Bisher wird dagegen überwiegend
funktionszerstörend recycelt, d. h. nur wenige Rohstoffe werden aus den
Batterien zurückgewonnen und müssen aufwändig wieder in einen
Aufbereitungs- und Produktionsprozess eingespeist werden. Vor der
wachsenden Aufgabe, die zukünftigen Mengen an ausgemusterten Batterien
ökonomisch sinnvoll, ressourcenschonend und umweltfreundlich
wiederzuverwerten, gewinnt auch bei Batterieherstellern und
Automobilherstellern der Direct Recycling-Ansatz zunehmend starke
Fürsprache. Premiumhersteller BMW hat kürzlich sogar eine Forschungsanlage
zum direkten Recycling von Produktionsabfällen in Betrieb genommen.
Vielfältiges Programm: Von Politik über Prozesse bis Reintegration
Das wissenschaftliche Programm umfasste zehn Sessions und bot 48
Fachvorträge und mehr als 40 Posterpräsentationen mit Schwerpunkten wie
Direct Recycling – Methoden und Prozesse, Design for Circularity,
Sustainability & Digitalization, Policy & Market Frameworks.
Vertreter:innen renommierter Institutionen wie Fraunhofer-Institute,
Universitäten aus Europa, Nordamerika und Asien sowie zahlreiche
Industrieunternehmen präsentierten neueste Ergebnisse zu Fragen rund um
das direkte Recycling von Batteriematerialien. Themen wie Delamination,
strukturelle Reparatur, Prozesssimulation, Recyclingrouten für Lithium-
Eisenphosphat (LFP) oder Nickel-Mangan-Kobalt (NMC), automatisierte
Demontage und materialwissenschaftliche Charakterisierung standen dabei im
Fokus. Von den Teilnehmenden wurde dabei die hohe Qualität der Vorträge
positiv hervorgehoben.
Impulse aus Europa: EU-Projekte und regulatorische Dynamik
Prominent vertreten waren zahlreiche europäische Initiativen und Projekte,
darunter BATTERY 2030+, die europäische Batterie-Initiative, die selbst
unterstützend bei einer Reihe von zukunftsweisenden europäischen
Verbundprojekten tätig ist, sowie die Verbundprojekte RENOVATE, ReUse,
RESPECT, REVITALISE und ReMade@ARI. Sie zeigten, wie europäische Programme
direkt zur Weiterentwicklung technologischer Lösungen und eines
zunehmenden Marktes beitragen, angefangen beim Aufbau digitaler
Datenstrukturen über automatisierte Disassembly-Prozesse bis hin zu neuen
Methoden der Materialcharakterisierung. Patrik Johansson, Leiter der
Initiative BATTERY 2030+, betonte in seinem Vortrag, wie wichtig die
Ausbildung zukünftiger Forscher in diesem Zusammenhang sei, und erklärte:
»Die Batterie-Community ist größer denn je, und die DRC 2026 hat deutlich
gezeigt, wie wir dies begrüßen. Auch qualitativ sind wir nicht mehr
dieselben wie vor fünf Jahren, und der auffälligste Unterschied dieser
Veränderungen ist die Betonung des (direkten) Recyclings und der
Kreislaufwirtschaft – alles mit Blick auf eine gemeinsame nachhaltige
Zukunft für Batterien.« Auch die politische Dimension war stark vertreten:
Beiträge zu EU-Regulierung, zum Battery Passport und zur Circular Economy
verdeutlichten, wie trotz technologischer Fortschritte Skalierbarkeit,
Wirtschaftlichkeit und regulatorische Rahmenbedingungen weiterhin zentrale
Aufgaben bleiben.
Ein wachsendes Forschungsfeld mit klaren Herausforderungen und Chancen
In Ihren abschließenden Worten zog Conference Chair Dr. Guinevere Giffin,
auch im Namen der Co-Chairs Dr. Andreas Flegler und Dr. Michael Hofmann
vom Fraunhofer ISC, ein eindrucksvolles Fazit: Die wissenschaftliche Tiefe
und Vielfalt der Beiträge habe sich seit 2024 »enorm weiterentwickelt« –
von mechanistischen Erkenntnissen bis zur Prozessintegration. Direct
Recycling sei kein einheitlicher Ansatz, sondern ein ganzer Baukasten
unterschiedlicher Routen, der je nach Inputstrom die ökonomisch und
ökologisch sinnvollste Lösung bietet. Der Aufbau einer wertvollen
gemeinsamen Toolbox aus Methoden, Daten und Materialwissen sei
entscheidend für zukünftige industrielle Skalierung. Persistente
Herausforderungen wie Binderentfernung, Reintegration, Leistungsabfall,
elektrische Eigenschaften, Porosität und Adhäsion blieben
Kernforschungsfelder für das direkte Recycling.
Simulation, Datenmanagement und industrienahe Kooperationen werden nach
einhelliger Meinung der Teilnehmenden eine wesentliche Rolle spielen, um
Prozesse effizienter, reproduzierbarer und wirtschaftlicher zu gestalten.
Die Direct Recycling Community wächst und bietet immer mehr Chancen für
zukunftsorientierte Unternehmen und junge Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, die das Feld prägen werden und Direct Recycling als
zentralen Baustein für eine nachhaltige europäische Batterieproduktion und
Kreislaufwirtschaft voranbringen. Die Konferenz zeigte klare Fortschritte,
aber auch den Handlungsbedarf bei Skalierbarkeit, Prozessverständnis und
Reintegration. Der Aufbau einer starken, interdisziplinären Community
bleibt ein entscheidender Erfolgsfaktor. Und Würzburg hat sich mit dem auf
diesem Feld renommierten Fraunhofer ISC als einer der Hotspots der Direct
Recycling Community etabliert, so das positive Resümee der Teilnehmenden.
