Ländliche Regionen profitieren besonders von privaten Hochschulen
Private Hochschulcampi können die wirtschaftliche Entwicklung in
Deutschland messbar stärken. Eine aktuelle Analyse des ZEW Mannheim zeigt,
dass die Gründung eines privaten Campus die lokale wirtschaftliche
Aktivität erhöht. Im Durchschnitt entspricht dies einem Anstieg des
regionalen Bruttoinlandsprodukts um rund 1,5 bis 2,1 Prozent. Die Effekte
sind jedoch regional unterschiedlich ausgeprägt und entfalten sich erst
über einen längeren Zeitraum. Besonders profitieren ländlicher geprägte
Regionen. Für städtische Regionen lässt sich keine Steigerung der
wirtschaftlichen Aktivität nachweisen.
Zum einen stärken unsere Ergebnisse den Anspruch privater Hochschulen auf
regionale Anerkennung und Unterstützung, da sie langfristig zu wichtigen
Bezugspunkten für die regionale Entwicklung werden können“, erklärt Dr.
Bastian Krieger, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich
„Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ und Leiter der
Nachwuchsforschungsgruppe „Co-Creation“. Linus Strecke, Wissenschaftler im
selben Forschungsbereich, ergänzt: „Zum anderen zeigen die Ergebnisse,
dass private Hochschulcampi regionalpolitisch nutzbar sind, ihr Potenzial
sich jedoch vor allem auf ländlichere und intermediäre Regionen
konzentriert.“
Stärkere Effekte außerhalb der Metropolen
Während in städtischen Räumen keine messbaren Effekte auftreten,
profitieren ländliche und intermediäre Regionen. Dort steigt das regionale
Bruttoinlandsprodukt infolge von Campusgründungen um bis zu sieben
Prozent. Private Hochschulen haben somit das Potenzial in
strukturschwächeren Regionen als wirtschaftliche Impulsgeber zu wirken und
eine bedeutende Rolle in regionalpolitischen Strategien einzunehmen.
Langfristige Wirkung und lokale Bindung
Die positiven Effekte entstehen nicht kurzfristig, sondern bauen sich über
viele Jahre hinweg auf. Erst nach mehr als einem Jahrzehnt werden sie
statistisch signifikant. Dies deutet darauf hin, dass private Hochschulen
langfristig zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen, etwa durch
Humankapitalbildung, Unternehmensverflechtungen oder ihre regionale
Führungsrolle. Gleichzeitig bleiben die Effekte lokal begrenzt: Für
benachbarte Regionen lassen sich keine vergleichbaren Effekte nachweisen.
Die wirtschaftlichen Zugewinne konzentrieren sich somit auf die jeweiligen
Standortregionen der Campi.
Über die Methodik
Die Studie verknüpft umfassende Daten zu Gründungen privater
Hochschulcampi in Deutschland mit einem auf detaillierten Satellitendaten
gestützten Indikator lokaler wirtschaftlicher Aktivität auf Ebene von
Postleitzahlregionen für den Zeitraum von 1985 bis 2020. Methodisch kommt
ein gestaffeltes Difference-in-Differences-Desi
wirtschaftliche Entwicklung von Regionen mit Campusgründungen mit
strukturell ähnlichen Regionen ohne solche Gründungen vergleicht. Dadurch
lassen sich kausale Effekte der Campusgründungen auf die regionale
Wirtschaftsentwicklung feststellen.
Die Studie wurde durch die Förderlinie „Forschung über nicht-staatliche
Hochschulen” des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und
Raumfahrt (BMFTR) gefördert (Förderkennzeichen: 16NISTA04A und
16NISTA04B).
