Gemälden auf der Spur: Digitale Ausstellung zur Provenienzforschung
Wie lässt sich die Herkunft von Gemälden recherchieren? Wie klären, wem
ein Kunstwerk rechtmäßig gehört? Das zeigen Forschende der Universität
Würzburg in einer digitalen Ausstellung.
Die Würzburger Museumswissenschaftlerinnen Nora Halfbrodt und Inga Benedix
waren von 2019 bis 2022 in der Gemäldesammlung des Martin von Wagner
Museums der Universität Würzburg auf Spurensuche. Sie ergründeten dort die
Herkunft aller Neuzugänge, die zwischen 1933 und 1998 inventarisiert
wurden.
Diese Arbeit heißt Provenienzforschung. Ihr Ziel ist es, die Geschichte
und Eigentumsverhältnisse von Kunst- und Kulturobjekten zu klären: Wurden
sie rechtmäßig weitergegeben? Tat die abgebende Person das freiwillig und
unter fairen Bedingungen? Ist das Objekt aktuell in rechtmäßigem Besitz?
Wenn nicht: An wen ist es zurückzugeben?
Die Arbeit der Wissenschaftlerinnen führte am Ende dazu, dass das
Universitätsmuseum zwei Werke ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgeben
konnte.
Forschungsarbeit dramaturgisch und digital aufbereitet
Eine digitale Ausstellung macht nun einige Ergebnisse des Projekts der
Öffentlichkeit zugänglich. Susanne Bremer und Lyric Stott vom Lehrstuhl
für Museumswissenschaft haben sie im Story- und Scrollytelling-Format
erarbeitet. Beim Scrollytelling navigieren die Betrachterinnen und
Betrachter durch multimediale, dramaturgisch miteinander verwobene
Elemente.
Der Titel der Ausstellung: „Auf den Spuren der Bilder. How to:
Provenienzforschung in einem der größten Universitätsmuseen Deutschlands“.
Recherchen in Telefonbüchern, Zeitschriften und Militärakten
Die Ausstellung macht die Methoden der Provenienzforschung an elf
ausgewählten Gemälden anschaulich. Sie zeigt, wie alte Telefonbücher,
Auktionsunterlagen, Zeitschriften und US-Militärakten halfen, die oft
wechselvolle Geschichte der Gemälde nachzuzeichnen.
Beim Gemälde „Narcissus“ zum Beispiel, welches das Museum 1959 vom
Frankfurter Kunsthändler Karl Lengler gekauft hat, konnte über den
weiteren Vorbesitz nichts herausgefunden werden.
Doch wegen Lenglers Biografie und seiner Verbindungen zu einem Mann, der
viele Auktionen mit Kunstgegenständen aus jüdischem Besitz organisiert
hatte, stuften die Forscherinnen das Gemälde auf der Provenienzampel als
„orange“ ein. Das heißt: Es gibt starke Hinweise darauf, dass ein
unrechtmäßiger Erwerb stattgefunden hat, auch wenn sich das mit heutigem
Wissen nicht genauer klären lässt.
Rechtmäßige Besitzer zweier Gemälde gefunden
Auf der Provenienzampel als rot markiert wurde das Bild „Tod und
Geizhals“. Die Besitzer hatten es dem Museum 1933 unter Zwang überlassen.
90 Jahre später konnte es der Würzburger Freimaurerloge „Zu den zwei
Säulen an der festen Burg“ zurückgegeben werden.
Rot zeigte die Ampel auch für einen 36 auf 40 Zentimeter messenden
Klappaltar. Hier konnten die rechtmäßigen Erbinnen und Erben der
Vorbesitzer, des Ehepaars Sigmund und Sara Seligsberger, ermittelt werden.
Die 16 in Kanada, den USA und Israel lebenden Nachfahren beschlossen, den
Flügelaltar dem Martin von Wagner Museum als Dauerleihgabe zu überlassen.
Gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste
Das Provenienz-Forschungsprojekt im Martin von Wagner Museum war vom
Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) in Magdeburg finanziert worden.
Die Leitung lag bei Professor Guido Fackler vom Lehrstuhl für
Museumswissenschaft in Kooperation mit Museumsdirektor Professor Damian
Dombrowski.
Gewusst wie: digitale Ausstellungen
Wer mehr über digitale Ausstellungen erfahren möchte, sollte sich den
Tagungsband „Exponat – Raum – Interaktion. Perspektiven für das Kuratieren
digitaler Ausstellungen“ besorgen. Herausgegeben wurde er von Hendrikje
Cariaus und Guido Fackler. Der Band gibt es als kostenfreien Download in
der eLibrary des Verlags Brill | Vandenhoeck & Ruprecht | Böhlau:
https://www.vr-elibrary.de/doi
