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DDG fordert in neuem Impulspapier einheitliche und verbindliche Leitplanken für digitale Diabetesversorgung

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Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert einen grundlegenden
Neustart der Diabetesversorgung in Deutschland. Die bestehenden Disease
Management Programme (DMP) stoßen an Grenzen – vor allem durch analoge
Prozesse, fehlende Datennutzung und Brüche zwischen ambulanter und
stationärer Versorgung. Die DDG legt in einem neuen Impulspapier konkrete
Vorschläge für ein eigenständiges digitales Disease-Management-Programm
(dDMP) vor.

Die Fachgesellschaft appelliert an die Politik, verbindliche
bundesweite digitale Standards, eine gesicherte Finanzierung und
transsektorale Strukturen zu schaffen. Nur so könne die Versorgung
nachhaltig gesichert werden.

Diabetes mellitus betrifft rund 9,4 Millionen Menschen und gehört zu den
kostenintensivsten chronischen Erkrankungen – auch weil bislang an vielen
Stellen strukturierte und effiziente Versorgungsstrukturen fehlen. „Ich
sehe jeden Tag, wie sehr Menschen mit Diabetes unter Versorgungsbrüchen
leiden – und wie viel davon eigentlich vermeidbar wäre“, sagt
Vizepräsident der DDG Dr. med. Tobias Wiesner.

Daten aus Glukosesensoren oder Insulinpumpen liegen häufig in
verschiedenen Herstellerportalen. In der Klinik fehlen sie dann oder
liegen nur als Screenshot vor. „Der Entlassungsbericht wiederum landet
nicht selten verspätet als unstrukturierte PDF in der Praxis – zu spät für
die nächste Therapieentscheidung“, so Wiesner. Der niedergelassene
Diabetologe aus Leipzig erlebt seine Patientinnen und Patienten oft
resignierend und genervt: „Sie müssen häufig ihre Therapie zum x-ten Male
erklären, weil ihre Daten in den Dokumentationssystemen unvollständig sind
und alles fängt immer wieder bei null an.“

Digitales DMP als eigenständige Versorgungsform
Nach Einschätzung der DDG liegt das zentrale Problem in der Struktur des
bisherigen Systems. Zwar habe das Disease-Management-Programm (DMP) die
Versorgung verbessert, stoße aber zunehmend an Grenzen durch analoge
Abläufe, fragmentierte Verträge und fehlende Datenintegration.

Die Lösung sieht die Fachgesellschaft in einem eigenständigen digitalen
DMP. „Die DDG Forderungen sind kein digitales Add-on eines bestehenden
DMP, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Versorgung im Alltag wieder
funktioniert“, betont Wiesner, der auch Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft „Diabetes & Technologie“ der DDG ist. Ein solches
Programm müsse rechtlich unabhängig sein, digitale Prozesse vollständig
etablieren und analoge Strukturen ersetzen.

Ein bundeseinheitlicher Rahmen soll verhindern, dass derzeit rund 3.000
unterschiedliche Verträge die Digitalisierung ausbremsen. Einheitliche
Standards würden Transparenz schaffen und Datenverluste vermeiden.

Daten nutzbar machen – statt isoliert speichern
Ein Kernpunkt des neuen Impulspapiers der DDG ist die verpflichtende
Einführung standardisierter Datensätze. Ohne Struktur blieben vorhandene
Informationen wirkungslos.

„Genau deshalb brauchen wir verbindliche Standards wie das Medizinische
Informationsobjekt Diabetes (MIO)“, erklärt Professorin Dr. med. Susanne
Reger-Tan, Vorsitzende der DDG Kommission Digitalisierung. Ziel ist, Daten
sektorenübergreifend in der elektronischen Patientenakte verfügbar und
automatisiert auswertbar zu machen.

Damit ließen sich auch Risiken früher erkennen. „Wir könnten Versorgung
gezielter steuern: stabil eingestellte Patientinnen und Patienten
entlasten und Menschen mit erhöhtem Risiko für Stoffwechselentgleisungen
schneller unterstützen“, so die Klinikdirektorin an der Klinik für
Diabetologie und Endokrinologie, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Ruhr-
Universität Bochum, Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld.

Versorgung über Sektorengrenzen hinweg verbessern
Ein weiteres Problem ist der fehlende Austausch zwischen ambulanter Praxis
und Krankenhaus. Jährlich sind Millionen Menschen mit Diabetes in
stationären Behandlungen, doch relevante Daten werden oft nicht an die
Praxen weitergegeben.

Die DDG fordert daher eine verpflichtende Einbindung der Kliniken in das
digitale Programm. Behandlungsdaten sollen strukturiert in die
elektronische Patientenakte (ePA) einfließen und für die Weiterbehandlung
verfügbar sein.

„Ohne klare gesetzliche Vorgaben droht die Digitalisierung bestehende
Probleme zu verstärken, anstatt sie zu vereinfachen. Ein konsequent
umgesetztes digitales DMP kann dagegen Bürokratie abbauen und die
Versorgungsqualität messbar verbessern“, betont Reger-Tan.

Klare Forderung an die Politik
Die DDG sieht das digitale DMP nicht als Option, sondern als notwendige
Voraussetzung für die Zukunft der Versorgung. „Unser Appell an die
Politik: Jetzt die Leitplanken setzen“, fordert Wiesner. Ein
eigenständiges dDMP müsse gesetzlich verankert, bundeseinheitlich geregelt
und mit verbindlichen Datenstandards umgesetzt werden. Nur so könnten
digitale Prozesse analoge Bürokratie ersetzen, die Versorgung für
Millionen Menschen nachhaltig verbessert werden und schließlich auch eine
finanzielle sowie personelle Entlastung des Gesundheitssystems
gewährleisten.

Information:
Digitales DMP Diabetes (dDMP) - Impulspapier DDG
https://www.ddg.info/politik/stellungnahmen/digitales-dmp-diabetes-ddmp-
impulspapier-ddg

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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9300 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich
seit 1964 in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert
Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine
wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der
mehr als 9 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem
Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.