Zum Hauptinhalt springen

Biss zum Titel: Vampirschnecke ist das „Internationale Weichtier des Jahres 2026“

Die Vampirschnecke Cumia intertexta ist das „Internationale Weichtier des Jahres 2026“  Copyright: Michele Solca
Die Vampirschnecke Cumia intertexta ist das „Internationale Weichtier des Jahres 2026“ Copyright: Michele Solca
Pin It

Die mediterrane Vampirschnecke Cumia intertexta ist das „Internationale
Weichtier des Jahres 2026“. Beim öffentlichen Online-Voting erhielt die
Meeresschnecke, die sich von Fischblut ernährt, die meisten Klicks und
gewann vor zwei Muscheln und zwei weiteren Schnecken, die ebenfalls im
Finale standen. Die gemeinsame Aktion der Senckenberg Gesellschaft für
Naturforschung und der Unitas Malacologica, der weltweiten Gesellschaft
für Molluskenforschung, fand in diesem Jahr zum sechsten Mal statt. Das
Erbgut der blutsaugenden Gewinnerin wird nun erstmals vollständig
sequenziert.

Die Vampirschnecke Cumia intertexta erhielt bei der Online-Abstimmung zur
„Molluske des Jahres 2026“ insgesamt 5.506 Klicks und sicherte sich damit
den Titel vor der steinfressenden Muschel Lithoredo abatanica, der
Florida-Pferdeschnecke Triplofusus giganteus, der „geflügelten“ Muschel
Ephippodonta lunata und der Seychellen-Weißschnecke Filicaulis
seychellensis. Insgesamt wurde beim Wettbewerb 15.096 Mal abgestimmt. Die
im südlichen Mittelmeer beheimatete Vampirschnecke Cumia intertexta saugt
das Blut von Fischen, die sie nachts im flachen Wasser jagt. Die nur zwei
Zentimeter große Molluske ist das einzige mediterrane Mitglied einer
kleinen Gruppe von Vampir-Gastropoden, die auf der ganzen Welt leben.

Für den Titel „Internationale Molluske des Jahres 2026“ vorgeschlagen
wurde die winzige Meeresschnecke von Dr. Maria Vittoria Modica von der
Zoologischen Station Anton Dohrn in Italien. „Die Vampirschnecke Cumia
intertexta ist ein verblüffendes Tier“, berichtet Modica. „Tagsüber
schläft sie zwischen küstennahen Felsen und beginnt erst nach
Sonnenuntergang zu jagen. Sie wittert einen ruhenden Fisch in ihrer Nähe,
nähert sich ihm so weit wie möglich und durchbohrt seine Haut mit einer
winzigen, aber scharfen Radula an der Spitze ihres extrem langen Rüssels.
Dann ernährt sie sich vom Blut des Fisches und sondert einen Cocktail aus
Blutverdünner und Betäubungsmitteln ab, um ihre Beute ruhig zu halten.
Wenn sie sich vollgesogen hat, versteckt sie sich wieder und hinterlässt
einen betäubten, aber ansonsten gesunden Fisch. Ich freue mich sehr, dass
dieser winzige Vampir zum ‚Internationalen Weichtier des Jahres 2026‘
gewählt wurde!“

Um die ungewöhnliche Lebensweise der blutsaugenden Meeresschnecke besser
zu verstehen, wird das Erbgut von Cumia intertexta nun erstmals
vollständig bei Senckenberg analysiert – der Preis für den Gewinn des
Titels. „Durch die Sequenzierung des Genoms der Vampirschnecke werden wir
den ersten genetischen Bauplan für die Bluternährung bei Weichtieren
erhalten“ erklärt Dr. Carola Greve, Leiterin des Laborzentrums für
Biodiversitätsgenomik am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Frankfurt. „So können wir besser nachvollziehen, wie sich diese
Ernährungsform entwickelt hat und wie ähnliche Strategien bei sehr
unterschiedlichen Tiergruppen entstehen. Weichtiere sind die
zweitartenreichste Tiergruppe der Welt und faszinierend vielfältig.
Gleichzeitig sind bisher nur die Genome von vergleichsweise wenigen
Mollusken vollständig sequenziert. Wir möchten dazu beitragen, diese Lücke
zu verkleinern und unser Verständnis der genomischen Eigenschaften dieser
außergewöhnlichen Tiere immer weiter auszubauen.“

Nachdem eine Jury aus Forschenden von Senckenberg und der Unitas
Malacologica aus rund 30 Vorschlägen der internationalen Weichtier-
Community fünf Arten für das Finale ausgewählt hatte, konnten alle
Mollusken-Fans vom 13. bis zum 26. April online für ihren Favoriten
abstimmen.

„Wir freuen uns sehr, dass sich auch dieses Jahr wieder Weichtier-
Begeisterte aus der ganzen Welt an dem Wettbewerb beteiligt haben!“,
ergänzt Prof. Dr. Julia Sigwart, Leiterin der Abteilung Marine Zoologie am
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. „Ein herzlicher
Dank an alle Forschenden, die so wunderbare Kandidaten vorgeschlagen haben
und an alle Weichtier-Fans, die bei der Abstimmung mitgemacht haben. Die
Wahl der ‚Molluske des Jahres‘ ist eine großartige Gelegenheit, um dieser
faszinierenden – und leider oftmals gefährdeten – Tiergruppe mehr
Sichtbarkeit zu verschaffen. Unser Ziel ist es, diese beeindruckenden
Tiere immer besser zu verstehen, um sie schützen und für kommende
Generationen in ihrer Vielfalt bewahren zu können.“