Verbesserte Therapieoption bei fortgeschrittener Leberzirrhose
Universitätsklinikum Dresden ermöglicht Innovationstransfer für Betroffene
mit Leberzirrhose. Expertise in der Forschung ermöglicht Einführung von
neuartiger TIPS-Stent-Generation. Erster Patient weltweit erhält in
Dresden den neuartigen Stent.
Medizinerinnen und Mediziner aus dem Institut und Poliklinik für
Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Carl
Gustav Carus Dresden haben in Zusammenarbeit mit Arztinnen und Ärzten der
Gastroenterologie weltweit erstmals eine neue Therapieoptionen bei
Portaler Hypertension außerhalb einer klinischen Studie angewendet. Ende
April wurde bei mehreren Patienten ein TIPS-Stent der neuesten Generation
eingesetzt. TIPS steht für Transjugulärer portosystemischer Stentshunt und
ist eine künstlich geschaffene Verbindung innerhalb der Leber zwischen der
Pfortader und der Lebervene. Das Blut kann über den Stent von der
Pfortader über den Stent-Trakt besser abfließen und so der Druck in der
Pfortader gesenkt werden. Nötig ist das bei Betroffenen mit einer
Leberzirrhose, die an deren Komplikationen – insbesondere Blutungen in
Speiseröhre und Magen sowie oder an Aszites (Bauchwasser) – leiden. Das
Dresdner Team war zuvor maßgeblich an der Entwicklung sowie begleitenden
Studien zur Einführung des neuartigen Stents beteiligt. „Das Beispiel aus
unserer interventionellen Radiologie steht für Innovationstransfer und das
stete Streben nach einer Weiterentwicklung von Diagnostik und Therapie im
Sinne der Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Uwe Platzbecker,
Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Dresden.
Eine Leberzirrhose kann durch zahlreiche unterschiedliche Leberkrankheiten
entstehen: Dazu gehören Virusinfektionen (Hepatitis), toxische Belastungen
wie Alkohol oder eine Fettleber, Erkrankungen des Gallenwegs sowie
Krankheiten des Stoffwechsels oder des Immunsystems. Pro Jahr werden in
Deutschland 200.000 Fälle neu diagnostiziert. Dabei wird das eigentlich
weiche, gut durchblutete Organ vernarbt und verformt. Mit Folgen: Das Blut
aus dem Bauchraum fließt normalerweise über die Pfortader in die Leber.
Durch die Vernarbung ist der Weg aber „verengt“. Das Blut staut sich, der
Druck steigt (Portale Hypertension) und es entstehen Umgehungen über
andere, dünnwandige Gefäße, in denen sich das Blut einen Weg sucht. Hier
ist die Blutungsgefahr groß.
Alle Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose und Aszites, einer
krankhaften Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle als Folge von
Leberzirrhose, werden zunächst konservativ mittels entwässernder
Medikamente behandelt. Bei Versagen der medikamentösen Therapie kommt dann
die TIPS-Anlage ins Spiel. In den letzten Jahren gibt es immer mehr
Hinweise darauf, dass eine frühzeitige TIPS-Anlage nicht nur weitere
Bauchwasserpunktionen verhindern kann, sondern auch das Überleben der
Patientinnen und Patienten günstig beeinflusst.
Treten Blutungen als Folge der Umgehungskreisläufe auf, behandeln die
Medizinerinnen und Mediziner zunächst endoskopisch mittels
minimalinvasiver Verfahren. Besteht ein hohes Risiko für eine erneute
Blutung, kann mit einer TIPS-Anlage in den ersten Tagen nach dem
Blutungsereignis bei einem Teil der Patientinnen und Patienten die
Prognose deutlich verbessert werden.
Dabei wählt das Team aus interventionellen Radiologen und Hepatologen den
Stent in Abhängigkeit von der gewünschten Drucksenkung. Neuere
Erkenntnisse zeigen, dass für den gewünschten Therapieerfolg häufig
schmale Stents ausreichen, was das Risiko für die gefürchtete Komplikation
der Hepatischen Enzephalopathie deutlich reduzieren kann. Die Hepatische
Enzephalopathie ist eine Gehirnstörung, die mit Konzentrationsstörungen,
Müdigkeit und Verwirrtheit einhergehen kann. Sie wird durch eine innere
Vergiftung durch die kranke Leber mit nur noch eingeschränkter
Filterfunktion des Blutes ausgelöst. Die neue Generation an TIPS-Stents
ermöglicht es den Medizinerinnen und Medizinern nun noch präziser,
individueller und schonender auf den jeweiligen Patienten einzugehen.
Die nun erfolgten ersten Eingriffe mit dem Stent sind Ergebnis jahrelanger
Entwicklungsarbeit, die das Institut und Poliklinik für diagnostische und
interventionelle Radiologie begleitet hat. Direktor Prof. Ralf-Thorsten
Hoffmann war an der in vitro Erprobung beteiligt und Studienleiter der
Erprobungsstudie, an der eine Vielzahl an Studienzentren weltweit
beteiligt waren. Die Ergebnisse wird Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann beim
Deutschen Röntgenkongress am 14. Mai erstmals präsentieren. „Wir sind sehr
stolz, nun das Ergebnis auch unserer Bemühungen im klinischen Alltag
nutzen zu können und damit weltweit die ersten zu sein, die den Stent
außerhalb einer klinischen Studie einsetzen können. Das ist Ansporn für
uns, nicht nur als Mediziner unseren Patienten zu helfen, sondern auch die
Forschung neuer therapeutischer Möglichkeiten federführend zu gestalten“,
sagt er.
