Der Wegbereiter der FernUniversität wird 100: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otto Peters
Am 6. Mai 2026 feiert Gründungsrektor Prof. Otto Peters seinen 100.
Geburtstag. Peters lebt nach wie vor in Hagen, in unmittelbarer Nähe zur
FernUniversität. Als ihr Gründungsrektor prägte er die Entwicklung der
FernUniversität in ihren entscheidenden Anfangsjahren und gab ihr ein
Profil, das bis heute wirkt. Peters gilt international als einer der
wichtigsten Theoretiker des Fernstudiums – und als der akademische
Architekt der einzigen staatlichen Fernuniversität im deutschsprachigen
Raum.
Gründung der Reformuniversität*
Die FernUniversität war zunächst ein bildungspolitisches Projekt –
initiiert vom damaligen nordrhein-westfälischen Wissenschaftsminister
Johannes Rau. Sein Ziel: mehr Menschen unabhängig von Lebenssituation,
Wohnort oder Beruf den Zugang zu akademischer Bildung zu ermöglichen. Otto
Peters übernahm die Aufgabe, diese politische Vision in ein tragfähiges
akademisches Konzept zu übersetzen.
Rückblickend sagt er: „Sie war die richtige Universität zur richtigen
Zeit. Johannes Rau ist der Erfinder der Fernuniversität.“ Für Peters war
Raus Entscheidung „eine beachtliche bildungspolitische und
hochschuldidaktische Innovation“.
Zunächst bedeutete die Gründung vor allem intensive Überzeugungsarbeit.
Peters musste Professor:innen, Mitarbeitenden und Verwaltung vermitteln,
was eine Fernuniversität ausmacht. Früh plädierte er dafür, die Hochschule
nicht nur als Antwort auf steigende Studierendenzahlen zu verstehen,
sondern vor allem als Bildungsangebot für berufstätige Erwachsene – auch
geprägt von seiner eigenen Studienbiografie.
Etablierung der Lernarchitektur
Unter seiner Leitung entstanden Rechenzentrum, Universitätsbibliothek
sowie Einrichtungen für Fernstudienforschung und -entwicklung. Erstmals
erforschte damit eine Universität systematisch ihren eigenen Lehrbetrieb.
Parallel wurden Studiengänge aufgebaut und neue Lehr- und Lernformen für
das Distanzlernen entwickelt. Gemeinsam mit Börje Holmberg gilt Otto
Peters als „Vater der Fernstudienforschung“. Den Begriff „distance
education“ prägte er entscheidend mit.
„Es war eine tolle Zeit des Aufbruchs, alle waren begeistert. Und die
Arbeit war von Erfolg gekrönt“, erinnerte sich Peters später. Als seine
Amtszeit 1984 endete, hatte sich die FernUniversität mit sechs
Fachbereichen in der deutschen Wissenschaftslandschaft etabliert.
Kurz vor seinem Abschied stellte Peters fest, die besondere
bildungspolitische Bedeutung der FernUniversität liege darin, dass nun
viel mehr Menschen ein Hochschulstudium oder eine wissenschaftliche
Weiterbildung absolvieren können. Neue Lehrformen und -medien waren
entwickelt, ein computergesteuertes Betreuungssystem aufgebaut und die
Öffnung für Studieninteressierte ohne klassische
Hochschulzugangsberechtigung vorbereitet.
Nach dem „ottonischen Zeitalter“
Die FernUniversität blieb Teil seines Lebens. Bis zu seiner Emeritierung
1991 widmete sich Peters der Fernstudienforschung, darüber hinaus
engagierte er sich international für die Weiterentwicklung des Distance
Learning. Zahlreiche Ehrungen würdigen sein wissenschaftliches Lebenswerk;
2018 erhielt er die Ehrennadel der Stadt Hagen.
Seine Wohnung liegt im Hochschulviertel, den Campus besuchte er, solange
es ging – zuletzt 2024 beim VIP-Empfang zum Campusfest. Die Öffnung zur
Stadtgesellschaft war ihm immer wichtig. „Ich finde gut, dass sich die
Zusammenarbeit etabliert und vertieft hat“, sagt er heute.
Mit Blick auf die Zukunft der Fernlehre betont Peters: „Eine der großen
Aufgaben der kommenden Jahrzehnte für die FernUniversität sehe ich darin,
neue Technologien wie generative KI und virtuelle Realität sinnvoll in
Lehre und Lernen zu integrieren.“ Und ergänzt er: „Vielleicht beginne ich
nach meinem hundertsten Geburtstag noch ein neues Forschungsprojekt – das
18. Jahrhundert und die Kunst des Briefwechsels.“
Der 100. Geburtstag von Otto Peters fällt in eine Zeit, in der auch an
Johannes Rau erinnert wird: Im Januar 2026 jährte sich sein Todestag zum
20. Mal. Anlässlich seines eigenen Geburtstags resümiert Peters: „Dass die
FernUniversität einmal so stark nachgefragt würde, habe ich in der
Aufbauphase gehofft – aber in dieser Dimension nicht erwartet.“ Die
FernUniversität ist sein Lebenswerk.
