Studierende der Hochschule Osnabrück entwickeln interaktive Runen-Station für das Varusschlacht-Museum

Zwei Media & Interaction Design-Studierende haben eine Touchscreen-
Anwendung für die Sonderausstellung „VERLORENE KRIEGER – Germanen zwischen
Macht und Mythos“ in einem Kooperationsprojekt mit dem Museum und Park
Kalkriese entwickelt. Seit dem 25. April können Gäste des Varusschlacht-
Museums in Bramsche im Osnabrücker Land eine einzigartige Präsentation von
mehr als 1.200 germanischen Artefakten aus dem 2. bis 5. Jahrhundert nach
Christi erleben und sich an interaktiven Stationen neue Perspektiven auf
das Leben der Germanen erschließen.
Woher nahmen die Germanen eigentlich die Idee für eine eigene Schrift?
Diese bis heute wissenschaftlich nicht eindeutig geklärte Frage stellt
sich auch im Zusammenhang mit den rund 1.500 Jahre alten Funden aus dem
Thorsberger und Nydamer Moor im heutigen deutsch-dänischen Grenzgebiet, wo
sie über die Jahrhunderte hinweg außergewöhnlich gut erhalten blieben.
Denn unter ihnen befinden sich zwei der ältesten mit Runen beschrifteten
Objekte.
Ausstellungs-Komponente motiviert zum Mitmachen
Direkt neben der Vitrine mit den beiden Schaustücken lädt eine interaktive
Touchscreen-Station dazu ein, dem Ursprung der Runen auf die Spur zu
kommen. Entwickelt wurde sie von Nicole Tkacev und Michael Eden, beide
studieren Media & Interaction Design an der Hochschule Osnabrück. In einem
Semesterprojekt setzten die Studierenden das Vorhaben vollständig um: Von
der Konzeption der Inhalts- und Interaktionsstrukturen über das Design der
Benutzeroberfläche und der digitalen Schriftzeichen der antiken Alphabete
bis hin zur Programmierung der App und dem Test der Benutzerfreundlichkeit
ihrer Lösung – in regelmäßigem Austausch mit der Kuratorin Teresa Kopp und
dem Ausstellungsteam. So ist eine Applikation entstanden, die mit
großflächigen, eher ungewöhnlich gestalteten Interaktionselementen die
Gäste des Museums dazu anregt, das älteste nordische Runenalphabet zu
untersuchen, auszuprobieren und mit verschiedenen noch älteren
Zeichensystemen aus Südeuropa, den möglichen Vorbildern der Runen, zu
vergleichen. Zum Abschluss können die Gäste wählen, welche der aktuellen
Forschungsthesen zum Ursprung der Runen sie am meisten überzeugt.
Kuratorin Teresa Kopp berichtet: „Unser Wunsch an die Station war es, zu
zeigen, dass Forschung kein abgeschlossener Prozess ist, sondern stets von
offenen Fragen begleitet wird. Die ungeklärte Herkunft der Runenschrift
ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür. Mit der Station möchten
wir die Besuchenden dazu einladen, sich selbst mit dieser Fragestellung
auseinanderzusetzen, unterschiedliche Argumente abzuwägen und schließlich
eine eigene Meinung zu entwickeln. Die Zusammenarbeit mit den Studierenden
war für uns ausgesprochen inspirierend: Mit ihrem frischen Blick von
außen, kreativen Ideen und ihrem Fachwissen haben sie das Projekt auf
überzeugende Weise umgesetzt.“
Beispiel für Interdisziplinarität und Praxisbezug des Designstudiums
Der Hochschulbetreuer Prof. Henrik Arndt stellt fest: „Die in Museen
zunehmend stattfindende Erweiterung der klassischen Ausstellungsformate um
digitale Interaktion und Partizipation eröffnet im Bereich des Media &
Interaction Designs neue, ausgesprochen spannende Tätigkeitsfelder. Es ist
beeindruckend zu sehen, wie souverän die Studierenden auch diese
Herausforderungen meistern und wie viel Anerkennung ihre Arbeit erfährt.“
Das Projekt zeige exemplarisch, wie sich der fachliche Facettenreichtum
des Studiengangs in der Praxis bewähre, so der Professor für Interaktive
Medien an der Hochschule Osnabrück.
Nicole Tkacev freut sich über praktische Erfahrungen im Projekt: „Es ist
ein großer Unterschied, ob man eine Aufgabe nur für die Abgabe in der
Hochschule bearbeitet oder tatsächlich mit dem Auftraggeber aus der Praxis
an einem Tisch sitzt. Zu sehen, wie das Museum arbeitet und dabei sein
eigenes Wissen einbringen zu können, war sehr motivierend.“ Durch den
engen Austausch lerne man viel schneller, was in der Praxis wichtig ist,
betont die Studentin. Sie empfiehlt ihren Studiengang jedem, „der Lust auf
Abwechslung hat. Wir können in ganz unterschiedlichen Bereichen
ausprobieren. Durch die Praxisprojekte erhält man die Möglichkeit, nicht
nur die Theorie kennenzulernen, sondern auch an echten Aufgaben zu
arbeiten. Wer gern sofort etwas macht und sehen will, was aus den eigenen
Ideen entsteht, ist in diesem Studiengang genau richtig.“
Der Studiengang Media & Interaction Design kombiniert die vielfältigen
Bereiche der Gestaltung digitaler Medien mit Inhalten der
Informationstechnologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaft. Vom
1. bis zum 31. Mai können sich Interessierte mit einem digitalen Portfolio
um einen Studienplatz für das kommende Wintersemester bewerben. Mehr
Informationen stehen unter www.hs-osnabrueck.de/mid-ba bereit.
Überregionale Bedeutung der Ausstellung im Wechselspiel von Wissenschaft,
Kultur und Bildung
Die Bedeutung der Ausstellung unterstreicht auch die hochrangige
Beteiligung bei der Eröffnung: Grußworte sprachen dabei die Osnabrücker
Landrätin Anna Kebschull, der Niedersächsische Minister für Wissenschaft
und Kultur Falko Mohrs, die Ministerin für Bildung, Wissenschaft,
Forschung und Kultur von Schleswig-Holstein Dorit Stenke sowie Christine
Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder. Die Einführung
übernahmen Ralf Bleile, Direktor des Museums für Archäologie Schloss
Gottorf, und Stefan Burmeister, Geschäftsführer des Museums und Parks
Kalkriese. Ihre Präsenz verdeutlicht die überregionale Relevanz der
Ausstellung und die enge Verbindung von Wissenschaft, Kultur und Bildung.
Die Sonderausstellung ist noch bis zum 7. November 2027 im Museum und Park
Kalkriese zu sehen.
Weitere Informationen: www.verlorene-krieger.de
