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Zirkulär bauen - Chancen für Umwelt und Wirtschaft | SRU hat Stellungnahme veröffentlicht und per Webinar vorgestellt

Empfehlungen für Kreislaufgerechtigkeit im Bau- und Gebäudebereich  Copyright: Sachverständigenrat für Umweltfragen
Empfehlungen für Kreislaufgerechtigkeit im Bau- und Gebäudebereich Copyright: Sachverständigenrat für Umweltfragen
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Kreislaufgerechtes (Um-)Bauen kann schon heute kostengünstiger sein als
eine konventionelle Ausführung, vor allem, wenn der ganze Lebenszyklus der
Bauprodukte in die Bewertung einbezogen wird. Zudem entstehen
wirtschaftliche Impulse, etwa durch neue Geschäftsmodelle im Bereich
Serviceleistungen, Wiederverwendung und Rückbau. So verbindet das
zirkuläre Bauen im Bestand ökologische Verantwortung und langfristige
Rentabilität. Nicht zuletzt unterstützt zirkuläres Bauen den Erhalt
vorhandener Bausubstanz und greift lang etablierte, teils in Vergessenheit
geratene Praktiken der Baukultur wieder auf.



Den Klimaschutz im Gebäudebereich voranbringen, einen verantwortungsvollen
Ressourceneinsatz fördern und bezahlbaren Wohnraum schaffen – das sind
aktuelle, ehrgeizige politische Ziele. Die Umsetzung kommt aber nicht
schnell genug voran. Der Umweltrat übergibt heute seine Stellungnahme
„Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen“ an Umweltminister
Carsten Schneider und Bauministerin Verena Hubertz. Der Rat gibt darin
Empfehlungen für kreislaufgerechtes Bauen und Bestandserhalt. Sie zielen
darauf ab, den Klima- und Umweltschutz zu stärken, Sekundärbauprodukte
attraktiver zu machen und neue Geschäftsmodelle anzuregen.

Zirkuläres Bauen bedeutet, gebrauchte Produkte und Materialien wieder zu
verwenden, Baumaßnahmen reparaturfreundlich umzusetzen und die
Gebäudesubstanz möglichst digital zu dokumentieren. Statt Gebäude
abzureißen und rohstoff- sowie emissionsintensiv neue zu errichten, sollte
der Bestand möglichst erhalten und flexibel an Wohnbedürfnisse angepasst
werden. Baumaterialien sollten konsequent wiederverwendet und im Kreislauf
geführt werden. Durch Bestandserhalt werden weniger neue Flächen
versiegelt und weniger Primärrohstoffe verbraucht – ein wichtiger Beitrag
in Zeiten knapper Ressourcen und wachsender Nutzungskonflikte.
Schadstofffreie Materialien erleichtern die Wiederverwendung und dienen
direkt der Gesundheit der Bewohner:innen.

Der breiten Umsetzung stehen jedoch noch Hürden im Weg. Nach wie vor
werden Abbruch bzw. Rück- und Neubau häufig als Standard angesehen,
während die Nutzung und Weiterentwicklung des Bestands als kompliziert
oder wirtschaftlich nachteilig wahrgenommen werden. Zudem erschwert
bestehendes Recht die Wiederverwendung von Bauprodukten. Aktuell ist vor
allem Pioniergeist und Risikobereitschaft gefragt, um neue
Geschäftsmodelle aufzubauen und hierfür Investitionen zu tätigen.

Der SRU hat fünf Ansatzpunkte identifiziert, um zirkuläres Bauen stärker
in die Praxis zu bringen:

1. Digitalisieren – Standards schaffen

Einheitliche, verbindliche Standards für digitale Dokumentationsstrukturen
von Gebäuden über ihren gesamten Lebenszyklus erleichtern zirkuläres Bauen
erheblich. Frei zugängliche, kompatible Software für
Gebäuderessourcenpässe sollte etabliert und breit nutzbar gemacht werden.
So werden verbaute Materialien, deren Qualität und
Wiederverwendungspotenziale transparent gemacht. Dies vereinfacht
Instandhaltung, Rückbau und Wiederverwendung.

2. Qualifizieren – Wissen vermitteln

Fachkenntnisse über zirkuläres Bauen sind systematisch in der Aus- und
Weiterbildung zu verankern. In Lehrplänen für handwerkliche Ausbildungen
sowie für baufachliche Studiengänge sollten kreislaufgerechte Planungs-,
Bau- und Rückbauprinzipien fest integriert werden. Ergänzend sind
praxisnahe Weiterbildungsangebote für Planende, Handwerker:innen,
Finanzdienstleistende und Bauherrschaften notwendig. Eine gezielte
Qualifizierungsoffensive in der öffentlichen Verwaltung stärkt die
Kompetenz, zirkuläre Ansätze in Genehmigungs-, Förder- und
Vergabeprozessen wirksam umzusetzen. Dialogformate sollten fortgeführt
werden.

3. Fördern – Anreize setzen

Öffentliche Förderinstrumente müssen stärker auf Bestandserhalt und
kreislaufgerechtes (Um-)Bauen ausgerichtet werden. Förderprogramme des
Bundes sollten Anreize für zirkuläre Baumaßnahmen geben. Ein
Förderkriterium könnte z.B. eine verpflichtende Lebenszykluskostenanalyse
sein. Wirtschaftliche Anreize wie eine Primärbaustoffsteuer oder gezielte
Mehrwertsteuersenkungen für Sekundärbauprodukte können dazu beitragen,
ökologische Vorteile auch ökonomisch wirksam zu machen und Marktbarrieren
abzubauen.

4. Kreisläufe schließen – rechtlich steuern

Ein funktionierender Baustoffkreislauf erfordert klare und zukunftsfähige
rechtliche Rahmenbedingungen. Sekundär- und Primärbauprodukte sollten bei
nachgewiesener Qualität und Sicherheit gleichgestellt werden. Die
erweiterte Herstellerverantwortung ist konsequent auf Bauprodukte
auszudehnen, um Rücknahme-, Wiederverwendungs- und Recyclingstrukturen zu
stärken. Zudem braucht es ein rechtssicheres Ende der Abfalleigenschaft
für geeignete Sekundärbaustoffe, um deren Einsatz im Bau zu erleichtern.

5. Leitbild leben – öffentliche Hand als treibende Kraft

Die öffentliche Hand sollte eine Vorreiterrolle beim zirkulären Bauen
einnehmen. Staatliche Bauprojekte können die Nachfrage nach
Sekundärbauprodukten stärken und diese bei bauphysikalischer und
-technischer Gleichwertigkeit bevorzugen. In Vergabeverfahren sollte die
Klimawirkung der Angebote systematisch berücksichtigt werden, z.B. durch
CO2-Schattenpreise. Darüber hinaus gilt es, europäische Vorgaben wie die
EU-Gebäuderichtlinie frühzeitig und proaktiv umzusetzen – etwa durch die
Einführung von CO₂-Grenzwerten für das Treibhausgaspotenzial pro
Quadratmeter – und so klare Signale für den Markt zu setzen.

Die Präsentationen des Webinars sind hier hinterlegt:
https://shortlink.uk/1p6so. Ein Mitschnitt des Webinars wird ebenfalls in
Kürze bereitgestellt.

Der Rat besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:

Prof. Dr. Claudia Hornberg (Vorsitzende)
Universität Bielefeld

Prof. Dr. Claudia Kemfert (stellvertretende Vorsitzende)
Leuphana Universität Lüneburg und Deutsches Institut für
Wirtschaftsforschung Berlin

Prof. Dr.-Ing. Christina Dornack
Technische Universität Dresden

Prof. Dr. Wolfgang Köck
Universität Leipzig und Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ

Prof. Dr. Wolfgang Lucht
Humboldt-Universität zu Berlin und Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung

Prof. Dr. Josef Settele
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung – UFZ

Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller
FernUniversität in Hagen