Lost Books Lab startet in Baden-Württemberg
Bildungsprojekt macht NS-Raubgut sichtbar und lädt Unternehmen und
Bibliotheken zur Zusammenarbeit ein. Geraubte Bücher erzählen von Enteignung, Verfolgung und kultureller
Auslöschung. Genau hier setzt das neue Projekt „Lost Books Lab –
Partizipative Bildungsformate zu NS-Raubgut im beruflichen Kontext“ an,
das zum 1. Mai gestartet ist.
Das Vorhaben wird im Rahmen des Programms
„Bildung gegen Antisemitismus“ von der Baden-Württemberg Stiftung
gefördert. Ziel ist es, ein übertragbares Bildungsformat zu entwickeln,
das Antisemitismus am konkreten historischen Objekt – dem im
Nationalsozialismus geraubten Buch – nachvollziehbar macht.
Das “Lost Books Lab Baden-Württemberg” richtet sich an Auszubildende und
Mitarbeitende von Unternehmen in Baden-Württemberg und eröffnet damit neue
Zugänge zur antisemitismuskritischen Bildung im beruflichen Kontext. In
Kooperation mit Bibliotheken setzen sich die Teilnehmenden in drei-
stündigen Workshops mit historischen Buchbeständen auseinander,
recherchieren Provenienzmerkmale und gehen den Spuren ehemaliger jüdischer
Eigentümerinnen und Eigentümer nach. Nach einer Einführung in die
Geschichte des systematischen Raubs jüdischer Bibliotheken und in Methoden
der Provenienzforschung arbeiten sie eigenständig in Gruppen mit
historischen Büchern, dokumentieren ihre Funde und reflektieren deren
Bedeutung für die Gegenwart. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das
Angebot ist für Teilnehmende und Unternehmen kostenfrei.
„Geraubte Bücher zeigen, dass Antisemitismus sich in konkreten Handlungen
der Ausgrenzung, Enteignung und kulturellen Auslöschung niederschlug. Das
Lost Books Lab verbindet historische Bildung mit aktiver Recherche und
ermöglicht Teilnehmenden, selbst einen Beitrag zur Aufarbeitung dieses
Unrechts zu leisten“, sagt Botschafter a. D. Shimon Stein,
Vorstandsvorsitzender des Fördervereins des Leo Baeck Instituts.
Das Projekt wird von der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, den
Freunden und Förderern des Leo Baeck Instituts e. V. und dem Leo Baeck
Institut Jerusalem durchgeführt. Die Hochschule für Jüdische Studien
Heidelberg ist eine staatlich anerkannte Hochschule des Zentralrats der
Juden in Deutschland und bringt die Expertise in jüdischer Geschichte,
antisemitismuskritischer Bildung und Provenienzforschung mit. Das Leo
Baeck Institut erforscht und vermittelt die Geschichte und Kultur der
deutschsprachigen Jüdinnen und Juden; seine Public-History-Initiative
“Library of Lost Books” wurde mehrfach ausgezeichnet.
In der 24-monatigen Projektlaufzeit bis April 2028 werden Workshops in
Baden-Württemberg entwickelt, erprobt und gemeinsam mit lokalen Partnern
umgesetzt. Ergänzend entstehen ein digitales Handbuch,
Qualifizierungsangebote für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie
eine modulare Ausstellung.
Für die Umsetzung werden weitere Partner in Baden-Württemberg gesucht.
Bibliotheken, Unternehmen, Archive, Antiquariate und regionale Netzwerke,
die Interesse an einer Zusammenarbeit haben oder das Format an ihrem
Standort erproben möchten, sind eingeladen, Kontakt aufzunehmen.
