Geballtes Wissen zum Klimawandel – neuer Atlas der Klimaextreme
Ein neuer Atlas macht Klimaextreme in Deutschland sichtbar: Das Alfred-
Wegener-Institut im Helmholtz-Verbund REKLIM veranschaulicht Extreme auf
Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes. Der Atlas zeigt anschaulich,
wie sich der Klimawandel entwickelt und welche Veränderungen bereits
spürbar sind.
Tagespolitik und Krisen binden viel Aufmerksamkeit – doch der Klimawandel
bleibt eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Extremwetter,
Dürren, Waldbrände, schmelzende Eisschilde und Gletscher, tauende
Permafrostböden und steigender Meeresspiegel: Die Folgen des Klimawandels
sind längst sichtbar und bedrohen zunehmend auch unseren Lebensraum als
Menschen. Im Jahr 2025 erreichten die weltweiten CO2-Emissionen, als eine
der Hauptursachen des Klimawandels, einen neuen Höchstwert. Eine Umkehr
dieses Trends ist trotz internationaler Bemühungen bislang nicht absehbar.
Aber was bedeutet das für Deutschland? Und wie lässt sich die Entwicklung
des Klimas hierzulande verlässlich einordnen? Orientierung bietet der neue
„Atlas der Klimaextreme“ des Helmholtz-Forschungsverbunds Regionale
Klimaänderungen und Mensch (REKLIM) mit Sitz am Alfred-Wegener-Institut,
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Auf Basis der seit
dem Jahr 1881 erhobenen und frei zugänglichen Daten des Deutschen
Wetterdienstes zeichnet der Atlas die Entwicklung des Klimas in
Deutschland systematisch nach. Die Autor:innen haben die
stationsbasierten, öffentlich zugänglichen Messdaten umfassend ausgewertet
und in Karten, Grafiken und Analysen detailliert aufbereitet. So werden
Klimaveränderungen über lange Zeiträume hinweg für Gesamtdeutschland und
die Bundesländer sichtbar und als Grundlage für konkrete Entscheidungen
vor Ort nutzbar.
Geballtes Wissen – der „Atlas der Klimaextreme“ in Zahlen:
- 26 Ausklappseiten mit über 2.000 Deutschlandkarten zu zentralen
Klimaparametern und Klimakenntagen (Zeitraum: 1951–2024)
- 210 Grafiken und Karten sowie 87 Tabellen zur detaillierten Darstellung
und Analyse der jahreszeitlichen Klimaentwicklung in den Bundesländern –
für die Parameter Temperatur, Niederschlag und Wasserbilanz (SPEI)
(1881–2024)
- 126 Grafiken und 9 Tabellen zu vergleichenden Zeitreihenanalysen von 9
ausgewählten Klimakenntagen in den Bundesländern (1951–2024)
- 132 Karten und 11 Tabellen zur dekadischen Analyse von 12
Klimaparametern und Klimakenntagen (1951–2024)
Dr. Monica Ionita, Meteorologin, AWI-Klimawissenschaftlerin und
Erstautorin, beschreibt die Intention den Atlas zu erstellen: „Wetter und
Klima in Deutschland haben sich in den letzten 50 Jahren deutlich
verändert – und diese Veränderungen verlaufen nicht einheitlich. Sie
variieren von Region zu Region, und um sie zu verstehen, muss man über
nationale Durchschnittswerte hinausblicken und die lokale und regionale
Ebene betrachten. Dieser Atlas wurde mit diesem Ziel entwickelt.“
Durch die Darstellung von Klimadaten auf Ebene der einzelnen Bundesländer
vermittelt der Atlas ein klareres Bild davon, wie sich die Bedingungen im
ganzen Land verändert haben – von Temperaturtrends und
Niederschlagsmustern bis hin zur Häufigkeit extremer Wetterereignisse.
Jedes Bundesland erzählt seine eigene Geschichte, geprägt von Geografie,
Landnutzung und lokaler Klimadynamik. Im Saarland ist beispielsweise die
Jahresmitteltemperatur im Zeitraum 1881–2024 gegenüber der Referenzperiode
1971–2000 von allen Bundesländern am stärksten gestiegen, um 2,1 °C,
gefolgt von den Bundesländern Bayern und Rheinland-Pfalz mit 2,0 °C.
Für Monica Ionita und ihre Mit-Autor:innen ist klar: „Wissenschaftliche
Erkenntnisse zum Klimawandel sollten für alle zugänglich sein, nicht nur
für Fachleute. Die Übersetzung komplexer Daten in verständliche, regional
spezifische Informationen ermöglicht es politischen Entscheidungsträgern,
Planern und der breiten Öffentlichkeit gleichermaßen, die Situation in
ihrem Teil des Landes besser zu verstehen und darauf basierend fundierte
Entscheidungen zu treffen. Dieser Atlas ist ein Beitrag zu diesem Vorhaben
– ein Nachschlagewerk für alle, die den aktuellen Zustand unseres Klimas
verstehen möchten, datenbasiert und verständlich präsentiert.“ Monica
Ionita ist zudem eine der Leitautorinnen des neuen IPCC-Berichts, der 2028
erscheinen wird und den aktuellen globalen Stand der Forschung zum
Klimawandel zusammenfasst.
Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft des Landes
Bremen: „Die Autor:innen haben die Daten verständlich aufbereitet – mit
Karten, Grafiken und klaren Analysen. So wird sichtbar, wie sich das Klima
über viele Jahre hinweg in Deutschland und den Bundesländern verändert
hat. Die Fakten sind eindeutig und lassen sich nicht schönreden. Eine
wichtige Grundlage für Entscheidungen vor Ort. Ein wirklich gelungener
Atlas der Klimaextreme.
Was man nicht außer Acht lassen sollte: Obwohl Klima natürlich ein
globales Thema ist, können wir vor Ort viel tun. Mehr Bäume, mehr
Grünflächen und bessere Regenwasserspeicherung helfen, unsere Städte
lebenswerter zu machen und die Folgen abzumildern – ganz konkret hier vor
der eigenen Haustür.“
Dr. Hajo Eicken, der als wissenschaftlicher Direktor das AWI seit dem 20.
März 2026 leitet, betont: „Für mich ist dieser Atlas ein hervorragendes
Beispiel dafür, wie Wissenschaft in die Gesellschaft wirkt. Er zeigt, wie
sich das Klima in Deutschland entwickelt und ergänzt damit die aktuellen
Zahlen des europäischen Copernicus-Programms auf nationaler und regionaler
Ebene. Der Klimaatlas kann so zu Entscheidungen in der Klimaanpassung auf
regionaler Ebene beitragen. Der Atlas liefert auch wichtige Eckdaten, um
Klimaveränderungen in einem beherrschbaren Rahmen zu halten, wie es im UN-
Klimaabkommen von Paris vereinbart wurde.“
Dr. Klaus Grosfeld, Leiter des Forschungsverbundes REKLIM, fügt hinzu:
„Für uns ist der Atlas ein Werkzeug, um Wissen in die Gesellschaft zu
bringen und Veränderungen sichtbar zu machen. Mir ist wichtig, dass
nachvollziehbar wird: Wer die Entwicklungen vor Ort erkennt, entwickelt
auch ein Bewusstsein für Verantwortung – und die Bereitschaft zu handeln.“
Der ‚Atlas der Klimaextreme‘ kann beim Helmholtz-Forschungsverbund REKLIM
kostenlos bestellt werden und ist zudem auch als interaktives PDF
abrufbar. Karten und Grafiken stehen außerdem online unter www.reklim.de
/atlas-klimaextreme zur Verfügung.
