„Wir brauchen mehr Local Heroes!“
Ob Windpark, Endlagersuche für hochradioaktiven Abfall oder neue
Infrastruktur: Regionen bestimmen mit, ob der Wandel zu einer nachhaltigen
Gesellschaft gelingt. Ryan Kelly, Senior Researcher am Öko-Institut
spricht in der neuen Folge des Podcasts „Wenden bitte!“ über die Rolle von
Regionen bei der Umsetzung der Energiewende, ihre Handlungsmöglichkeiten
und warum manche Regionen erfolgreich vorangehen.
Zum Podcast „Regionen als Motor einer nachhaltigen Zukunft?“ des Öko-
Instituts (https://www.oeko.de/podcast/r
nachhaltigen-zukunft/)
Regionen als Schlüsselakteure der Transformation
Große politische Entscheidungen werden von der EU oder auf nationaler
Ebene getroffen, wie sie jedoch umgesetzt werden, entscheidet sich vor
Ort. Regionen vermitteln dabei zwischen politischen Vorgaben und lokalen
Interessen. „Transformation gelingt dort besonders gut, wo regionale
Akteurinnen und Akteure früh eingebunden werden“, erzählt der
Wissenschaftler. „Vergangene Erfahrungen und sichtbare Erfolge können die
Stimmung entscheidend prägen.“
In Regionen werden die Interessen der Kommunen politisch verhandelt,
strategisch gebündelt und Vorgaben für alle sinnvoll umgesetzt. Sie legen
fest, welche Flächen sich für den Ausbau erneuerbarer Energien eignen,
welche Interessen dabei aufeinandertreffen und wie Kommunen gemeinsame
Lösungen finden können. Dafür braucht es politische Rückendeckung, um
Regionen dauerhaft in ihren vielfältigen Aufgaben zu unterstützen.
Regionale Transformationsmanagerinnen und -manager können die
Regionalplanung und -entwicklung begleiten. Dafür brauchen sie ausreichend
Personal, verlässliche Finanzierung und klare Zuständigkeiten. „Regionen
sind die Orte, an denen Zustimmung oder Ablehnung entsteht: wo nationale
oder EU-Politik konkret wird oder scheitert. Gerade der ländliche Raum
verfügt über enorme Potenziale, die er zur regionalen Wertschöpfung und
für eine zukunftsgerichtete Positionierung aktiv mitgestalten sollte“, so
Kelly.
Lokales Engagement für mehr Akzeptanz
In der Podcast-Folge berichtet Kelly unter anderem aus Schleswig-Holstein,
dem Hochschwarzwald, dem Ruhrgebiet und Vorpommern. Die Beispiele zeigen,
dass Akzeptanz nicht automatisch entsteht, nur weil ein Projekt
klimapolitisch sinnvoll ist. Sie wächst dort, wo Menschen erleben, dass
ein Projekt ihrer Region konkret nutzt. Oft bringen engagierte
Einzelpersonen oder Vereine, sogenannte „Local Heroes“, Projekte erst ins
Rollen. Sie treiben Pläne voran und überzeugen mit ihren Erfolgen weitere
Beteiligte. „Wenn ein Windpark nicht nur Strom erzeugt, sondern auch Kita,
Feuerwehrhaus und Infrastruktur finanziert, verändert sich die Debatte“,
so Kelly. „Dann steht nicht mehr die Belastung im Vordergrund, sondern die
Frage: Was können wir damit in unserer Region gestalten?“
Beteiligung und Erfahrungsaustausch als Erfolgsfaktoren
Dabei sollten die Planerinnen und Planer verstehen, was die Menschen mit
ihrer Region verbinden und welche Zukunft sie sich vorstellen. „Gute
Beteiligung entscheidet darüber, ob politische Maßnahmen vor Ort
funktionieren. Sie sollte nicht von Forschungsprojekten abhängen“,
schlussfolgert der Experte. „Wenn alle miteinander reden, können wir
gemeinsam an den großen Aufgaben arbeiten.“
Die Vernetzung mit anderen Regionen und erfolgreiche Beispiele sind ein
wichtiger Faktor, um weitere Vorreiter-Kommunen zu gewinnen. „Wer sieht,
dass ein Windpark zur Daseinsvorsorge beiträgt, kann sich Veränderung
leichter vorstellen“, erzählt Kelly. „Erfolgreiche Umsetzung selbst zu
erleben, ist ein wichtiger Antrieb, um in der eigenen Region zu handeln.“
Wissen statt Alltagsberatung
Der Podcast „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts richtet sich an alle mit
politischem und ökologischem Interesse aus Politik, Wissenschaft, Medien,
NGOs und Öffentlichkeit. Den Podcast moderieren Mandy Schoßig, Leiterin
Öffentlichkeit & Kommunikation am Öko-Institut, und Nadine Kreutzer,
Journalistin und Moderatorin. Rund eine Stunde lang sprechen sie mit einem
Experten beziehungsweise einer Expertin aus dem Öko-Institut über
anstehende Nachhaltigkeitstransformatione
„Langstrecke der Umweltpodcasts“. Die Spezial-Folgen greifen tagesaktuelle
politische und gesellschaftliche Themen auf.
Podcast „Wenden bitte!“, Episoden der 6. Staffel
Episode 1 „Wie wird Klimaschutz gerecht?“ mit Jonathan Schreiber,
erschienen am 29.1.2026 (https://www.oeko.de/podcast/w
gerecht/
Episode 2 „Nachhaltige Chemikalien – geht das?“ mit Prof. Dr. Dirk Bunke,
erschienen am 12. März 2026 (https://www.oeko.de/podcast/n
chemikalien-geht-das/
Episode 3 „Regionen als Motor einer nachhaltigen Zukunft?“ mit Ryan Kelly,
erschienen am 7. Mai 2026 (https://www.oeko.de/podcast/r
einer-nachhaltigen-zukunft/
Alle Staffeln und Episoden des Podcasts auf www.oeko.de/podcast
Der Podcast ist erhältlich auf allen gängigen Podcast-Portalen – etwa bei
Apple Podcasts sowie bei Spotify.
Das Öko-Institut ist seit seiner Gründung vor mehr als 40 Jahren eine der
europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen
für eine nachhaltige Zukunft. Es erarbeitet Grundlagen und Strategien, wie
die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal
umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg,
Darmstadt und Berlin vertreten.
oeko.de | Podcast | Blog | Bluesky | Instagram | Onlinemagazin
