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Greifswalder Forschungsteam macht Bluttransfusionen in Afrika sicherer

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Forschung vor Ort bringt praktikable Lösungen

Das Team um Prof. Andreas Greinacher und Dr. Kathleen Selleng vom
Greifswalder Institut für Transfusionsmedizin und dem Friedrich-Loeffler-
Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Greifswald
testete eine einfache und kosteneffiziente Methode, um Blutkonserven in
Nigeria sicherer zu machen.

„Die Lösung mag erstaunlich leicht klingen, aber entscheidend ist die
Bedeutung für den Prozess, die Sicherheit von Bluttransfusionen im größten
Land Subsahara-Afrikas zu erhöhen“, sagt Prof. Greinacher dazu. Das
Ergebnis wurde nun im New England Journal of Medicine publiziert.

In Deutschland werden nach der Blutspende die Schläuche der Blutkonserve
mit einem extra Gerät sicher verschweißt und so verschlossen. Die Länder
des Globalen Südens, vor allem in Subsahara-Afrika, können sich die teuren
Geräte jedoch nicht immer leisten und verschließen die Blutbeutel mit
einem einfachen Knoten im Schlauch. Mit nur einem Knoten bleiben
Blutkonserven jedoch anfällig für Infektionen durch Bakterien. Die
klimatischen Bedingungen in Subsahara-Afrika mit Temperaturen bis über
40°C und hoher Luftfeuchtigkeit fördern Bakterienwachstum, insbesondere
wenn täglich mehrfache Stromausfälle eine kontinuierliche Kühlung in
Kühlschränken unterbricht. Wenn Bakterien in die Blutkonserve gelangen und
sich dort vermehren, kann dies zu schwersten, oft tödlichen Komplikationen
beim Patienten führen. Das Greifswalder Team wies nun experimentell nach,
dass bereits ein zweiter Knoten den Unterschied macht. „Wir haben seit
zehn Jahren eine Partnerschaft in Nigeria und diese ermöglicht uns,
Einblick in die Vorgänge und Infrastruktur vor Ort zu bekommen und das
Problem überhaupt zu erkennen“, erläutert der Greifswalder Wissenschaftler
Greinacher. „Die scheinbar einfache Lösung, die Barriere für Bakterien
durch einen zweiten Knoten zu verstärken, musste jedoch überprüft werden.
Dafür waren die Möglichkeiten der Universitätsmedizin nötig.“

Die Wirksamkeit eines zweiten Knotens wurde in Greifswald ausgetestet.
Dazu wurden jeweils 90 Blutkonserven mit nur einem Knoten verschlossen und
genauso viele mit zweien. Jeweils platzierten die Wissenschaftler*innen
angezüchtete Bakterien in den Schläuchen, die mit den Knoten in Kontakt
gerieten. 35 Tage lang wurden diese Beutel bei 20-22 Grad Celsius
gelagert. Das Ergebnis: Bei Konserven mit nur einem Knoten waren acht der
90 Beutel kontaminiert, hingegen war keine der Konserven mit zwei Knoten
betroffen.

Das Forschungsergebnis beeinflusst auch die landesweite Kampagne der
nigerianischen Bundesregierung für sichere Blutspenden. Diese startete im
vergangenen Jahr mit Beteiligung von Prof. Greinacher. „In Nigeria leben
insgesamt 230 Millionen Menschen sowohl in Millionenstädten als auch im
abgeschiedenen ländlichen Raum. Wir wollen dabei unterstützen, dass kein
Leben verloren geht, weil gespendetes Blut fehle oder nicht sicher ist“,
so Greinacher.

„Forschung ist nicht immer High-Tech, aber immer wichtig“, sagt Prof.
Karlhans Endlich dazu, der Wissenschaftliche Vorstand der Unimedizin
Greifswald. „Das hier ist Forschung, die es erlaubt ohne zusätzlichen
finanziellen Aufwand, mehr Sicherheit in die Transfusionstherapie zu
bringen. Es geht schlichtweg um Leben und Tod. Wenn ein vermeintlich
einfaches Forschungsergebnis dazu beitragen kann, dass mehr Menschen
überleben, ist es eine große Errungenschaft für das Gesundheitssystem
eines ganzen Landes.“

Weitere Informationen:
Die Klinikpartnerschaft zwischen dem Aminu-Kano Lehrkrankenhaus in Kano,
Nigeria und der Unimedizin Greifswald wird gefördert vom Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Else Kröner-
Fresenius-Stiftung, der National Blood Service Agency in Abuja, Nigeria
und dem Förderprogramm Klinikpartnerschaften. Seit dem ersten Fachbesuch
nigerianischer Ärzte in Greifswald im Jahr 2016 hat sich die Kooperation
zu einer festen institutionellen Partnerschaft entwickelt, die 2022 durch
ein offizielles „Memorandum of Understanding“ zwischen den Universitäten
besiegelt wurde. Im Rahmen verschiedener Förderprojekte wurden die
Blutversorgung und die Diagnostik in Kano durch moderne Infrastruktur,
digitale Vernetzung der Kliniken und intensiven Wissensaustausch
nachhaltig verbessert.