Neue Wege für Wissenstransfer: Von TikTok bis Pop-up-Labor - So erreicht Wissenschaft Menschen

Die Frage, wie Wissenstransfer zur Energiewende besser gelingen kann,
stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Wissenstransfer anders machen?!“
am Montag, 27. April, in Gelsenkirchen. Vertreterinnen und Vertreter aus
Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft diskutierten neue Ansätze der
Wissenschaftskommunikation – von Pop-up-Laboren über Open Hardware und
Social Media bis hin zu kulturellen Formaten. Eingeladen hatte das
Wissenschaftsforum Ruhr e. V.
Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse Menschen erreichen, aktivieren
und zur Mitgestaltung befähigen? Mit dieser Leitfrage brachte die
Veranstaltung „Wissenstransfer anders machen?!“ unterschiedliche
Perspektiven auf Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer zusammen.
Bereits in der Begrüßung betonte Prof. Dr.-Ing. Görge Deerberg,
Vorstandsvorsitzender des Wissenschaftsforums Ruhr e. V., dass
Wissenstransfer weit über Wirtschaft, Politik und Forschungseinrichtungen
hinausreichen müsse. „Wir brauchen einen Transfer wissenschaftlicher
Erkenntnisse in die Gesellschaft. Wissenschaftskommunikation darf nicht im
geschlossenen Raum oder in unserer eigenen Bubble bleiben. Wir müssen alte
Formate, alte Botschaften und alte Narrative hinterfragen und stärker
daran arbeiten, Menschen zu befähigen, mitzuwirken“, sagte Deerberg. Die
Energiewende könne nur gelingen, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse
verständlich vermittelt und gesellschaftlich getragen werden.
Neue Formate für mehr Beteiligung
In der ersten Session wurden konkrete Praxisbeispiele vorgestellt: Gesine
Hahn (Westfälische Hochschule) zeigte, wie ungewöhnliche Formate wie „H2
-Business-Pokern“ oder Quizformate den Austausch zwischen
unterschiedlichen Akteuren fördern. Dr. Theresa Schredelseker (Zentrum für
BrennstoffzellenTechnik) präsentierte mit der OpenFuelCell einen Open-
Hardware-Ansatz, der Technologien zugänglich und nachbaubar macht. Dr.
Franz Flögel (Institut Arbeit und Technik) stellte das H2PopUpLab vor, das
Wissenschaft mitten in die Innenstadt bringt und so neue Zielgruppen
erreicht.
Perspektivwechsel in der Wissenschaftskommunikation
In seiner Keynote plädierte Prof. Dr. Uwe Schneidewind für einen
grundlegenden Perspektivwechsel: Statt Wissen ausschließlich aus der
Wissenschaft heraus zu vermitteln („inside-out“), müsse stärker von den
realen Veränderungsprozessen in Gesellschaft und Kommunen ausgegangen
werden („outside-in“). Transformationsprozesse scheiterten heute weniger
an Technologie als an politischen, institutionellen und kulturellen
Hürden.
Die Podiumsdiskussion griff diese Perspektiven auf und machte deutlich,
dass erfolgreiche Wissenschaftskommunikation stärker auf Beteiligung,
Emotion und Lebensweltbezug setzen muss. Orte wie Bibliotheken, Theater
oder Pop-up-Räume können dabei als geeignete Begegnungsorte dienen. „Das
Ruhrgebiet war nie nur stark, weil es Dinge erfunden hat, sondern weil es
sie besser gemacht hat. Daran müssen wir anknüpfen: Innovation entsteht im
Zusammenspiel von Wissenschaft, Mittelstand und Region“, sagte Garrelt
Duin, Regionaldirektor des RVR. „Es geht dabei nicht nur um einzelne
Projekte, sondern um die zentrale Frage, wie wir künftig leben wollen –
und wie wir diese Diskussion gemeinsam in die Breite der Gesellschaft
tragen.“
Dialog, Emotion und neue Narrative
In der zweiten Session wurde dieser Ansatz weiter vertieft: Prof. Dr.
Thomas Weith (ILS–Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung)
stellte die Rolle von Wissenschaft als „Honest Broker“ heraus und
plädierte für dialogische Formate. Dr. Antonia Villinger (Friedrich-
Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) zeigte das Potenzial kultureller
und literarischer Zugänge. Dr. Elisabeth Jurack (Universität Bonn) gab
Einblicke in erfolgreiche Wissenschaftskommunikation auf Social Media.
Sabrina Schreiner (Fraunhofer UMSICHT) präsentierte Forschungsergebnisse
zu Emotionen und Narrativen der Energiewende und betonte die Bedeutung
lebensweltbezogener Kommunikation.
Gemeinsame Herausforderung: Menschen erreichen und aktivieren
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Wissenstransfer zur Energiewende
mehr ist als Informationsvermittlung. Es geht darum, Menschen
einzubeziehen, Vertrauen aufzubauen und Räume für Austausch und
Mitgestaltung zu schaffen.
„Wir danken allen Referentinnen und Referenten, Teilnehmenden und Partnern
für die engagierten Beiträge und die offenen Diskussionen“, sagte Dr.
Franz Flögel stellvertretend für das Organisationsteam von IAT, Fraunhofer
UMSICHT und FernUniversität in Hagen. „Die Veranstaltung hat gezeigt, wie
groß das Interesse an neuen Formen des Wissenstransfers ist – und wie
wichtig es ist, Wissenschaft noch stärker und gezielter zu den Menschen zu
bringen.“
