Neue Entwaldungsverordnung: Start-up der TH Köln entwickelt Tool für rechtskonforme Importe

Produkte aus Holz, Palmöl, Soja, Kautschuk und Rindfleisch dürfen laut EU-
Entwaldungsverordnung (EUDR) ab dem 30. Dezember 2026 nur noch importiert
werden, wenn dafür keine Wälder gerodet wurden. Damit verbunden sind
umfangreiche Sorgfalts- und Nachweispflichten. Das an der TH Köln
geförderte Start-up „POLYGON ONE“ hat eine Software zur Bild- und
Dokumentenanalyse entwickelt, die Unternehmen dabei unterstützt, die
Rechtskonformität ihrer Importe sicherzustellen.
„Um der EUDR zu entsprechen, müssen Unternehmen belegen, dass die
Anbauflächen ihrer Rohstoffe nach dem Stichtag 31. Dezember 2020 nicht
gerodet wurden. Genau diesen Nachweis vereinfacht unsere Software – sie
ermöglicht die Rückverfolgung von Rohstoffen und Produkten entlang der
gesamten Lieferkette“, sagt Co-Founder Niklas Glienke, der das Start-up
gemeinsam mit Alexander Rütjes gegründet hat. Glienke ist Alumnus der TH
Köln und absolvierte dort den Masterstudiengang Marktorientierte
Unternehmensführung.
Vorschriften der EUDR erfüllen
Als Ausgangspunkt für den Nachweis entwaldungsfreier Flächen dient die
globale Waldbedeckungskarte aus dem Jahr 2020 der Gemeinsamen
Forschungsstelle (JRC), dem wissenschaftlichen Dienst der Europäischen
Kommission. Voraussetzung für den Abgleich: Importeure laden über die
Plattform ihre direkten Lieferanten ein, diese wiederum ihre
Vorlieferanten – bis hinunter zu den landwirtschaftlichen Betrieben am
Anfang der Lieferkette. Dort werden die Geodaten der Anbauflächen entweder
hochgeladen oder direkt im Kartenmodul eingezeichnet.
„Unsere Bilderkennungs-KI gleicht diese Flächen anschließend mit den
Waldbeständen von 2020 ab. Parallel prüfen wir die von den Lieferanten
ausgefüllten Fragebögen und hochgeladenen Dokumente auf die Einhaltung
lokaler Rechtsvorschriften. Am Ende steht ein EUDR-konformer Bericht, der
im Falle einer Prüfung der zuständigen Behörde – in Deutschland die
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung – vorgelegt werden kann“,
so Co-Founder Rütjes.
Aus der Forschung in den Markt
„Polygon One zeigt sehr gut, wie aus regulatorischen Anforderungen
unternehmerische Chancen entstehen. Das Team verbindet technologische
Tiefe mit einem klaren Marktverständnis – genau die Kombination, die wir
an der TH Köln fördern wollen. Zudem ist ihr Ansatz ausgesprochen relevant
für den Standort Deutschland, wo tausende Industrieunternehmen aus
Branchen wie Möbel, Lebensmittel, Automobil und Bau betroffen sind. In der
gesamten EU sind es nach einem Bericht der Kommission rund 275.000
Importeure“, betont Prof. Dr. Thomas Krupp, Mentor der Gründer am
Schmalenbach Institut für Wirtschaftswissenschaften der TH Köln.
Das Start-up arbeitet bereits mit Unternehmen unterschiedlicher
Größenordnung aus mehreren EUDR-relevanten Branchen zusammen und wird an
der TH Köln vom Gateway Gründungsservice unterstützt sowie durch ein
EXIST-Gründungsstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Energie gefördert.
Weitere Informationen: polygon-one.com/de
Die TH Köln zählt zu den innovativsten Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften. Sie bietet Studierenden sowie Wissenschaftler*innen aus
dem In- und Ausland ein inspirierendes Lern-, Arbeits- und
Forschungsumfeld in den Sozial-, Kultur-, Gesellschafts-, Ingenieur- und
Naturwissenschaften. Zurzeit sind über 21.000 Studierende in mehr als 90
Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Die TH Köln gestaltet
Soziale Innovation – mit diesem Anspruch begegnen wir den
Herausforderungen der Gesellschaft. Unser interdisziplinäres Denken und
Handeln, unsere regionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten
machen uns in vielen Bereichen zur geschätzten Kooperationspartnerin und
Wegbereiterin.
