Mehrere Millionen Deutsche mit chronischen Schmerzen - moderne Therapie setzt auf interdisziplinäre Behandlung
In Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen unter chronischen
Schmerzen - also Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten. Nur etwa
jeder elfte Betroffene erhält jedoch hierzulande eine spezialisierte
Versorgung. Anlässlich des 15. „Aktionstags gegen den Schmerz“ am 2. Juni
2026 macht die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. deshalb bundesweit auf
moderne Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam. Auf einer Online-
Pressekonferenz informieren Expertinnen und Experten am 2. Juni 2026 von
11 bis 12 Uhr über multimodale Therapieansätze und die zentrale Rolle der
Psychotherapie und der Physiotherapie in der Schmerztherapie.
Hier können Sie sich für die virtuelle Veranstaltung anmelden:
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Heute gilt Schmerz als weit mehr als ein Warnsignal des Körpers.
„Psychische Faktoren - wie die kognitive Bewertung von Schmerz und
negative Gefühle, etwa Angst und Hilfslosigkeit, können das
Schmerzempfinden verstärken – positive Emotionen reduzieren es hingegen“,
betont Professorin Dr. Christiane Hermann, Präsidentin der Deutschen
Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie und -Forschung (DGPSF
e.V.) und Leiterin der Abteilung Klinische Psychologie & Psychotherapie an
der Justus-Liebig-Universität Gießen. So leiden Patientinnen und Patienten
mit chronischen Schmerzen häufig auch unter psychischen Störungen wie
Angst- und Traumfolgestörungen oder depressiven Störungen. Auch das
soziale Umfeld hat einen entscheidenden Einfluss auf das individuelle
Schmerzempfinden.
Versorgungssituation in der Schmerzpsychotherapie ist unzureichend
Eine zentrale Rolle in der Behandlung der Betroffenen kommt deshalb der
Schmerzpsychotherapie zu – hier herrscht jedoch derzeit in Deutschland
eine Versorgungslücke: „Obwohl viele chronische Schmerzpatientinnen und
-patienten dringend eine adäquate Behandlung bräuchten, haben viele keinen
Zugang dazu – oder die Behandlung erfolgt viel zu spät“, berichtet
Hermann. Stationäre Kapazitäten seien knapp – und auch in der ambulanten
Versorgung klafft eine Lücke. „Derzeit sind zwar 27.800 Psychologische
Psychotherapeuten in Deutschland ambulant tätig, die Wartezeiten für
Schmerzpatientinnen und -patienten sind jedoch häufig sehr lang – zumal
viele von ihnen nicht schwerpunktmäßig Patientinnen und Patienten mit
Schmerzerkrankungen behandeln oder nicht ausreichend für die Behandlung
von Menschen mit chronischen Schmerzen qualifiziert sind“, so die
Expertin.
Die Folgen dieser Versorgungslücke sind gravierend: Bei vielen
Betroffenen chronifizieren sich die Schmerzen – und ihre Lebensqualität
verschlechtert sich deutlich. Viele fallen zudem lange am Arbeitsplatz
aus, benötigen teure stationäre Aufenthalte oder verlieren ihren Job
gänzlich. „Es ist dringend notwendig, dass wir in Deutschland sowohl
stationär als auch ambulant eine ausreichende Versorgungssituation für
Schmerzpatientinnen und -patienten sicherstellen“, betont Hermann. „Das
kann beispielweise gelingen, indem ausreichend Psychotherapeuten eine
Weiterbildung in spezieller Schmerzpsychotherapie absolvieren.“
Moderne Schmerzmedizin setzt auf Bewegung
Neben einer ausreichenden psychotherapeutischen Betreuung ist auch eine
gezielte physiotherapeutische Behandlung ein Schlüssel zu einer
erfolgreichen Behandlung. „Bewegung ist bei Schmerzen mehr als Gymnastik –
Physiotherapie ist der neurobiologische Schlüssel in der Schmerztherapie“,
erklärt Patrick Przybysz, Physiotherapeut, Schmerzphysiotherapeut &
Koordinator Physiotherapie Schmerzklinik am St. Vinzenz-Hospital,
Düsseldorf.
Nach Einschätzung des Experten befindet sich die Physiotherapie in einem
grundlegenden Wandel: „Patienten und Patientinnen sollen und können eine
aktive Rolle in ihrer Therapie einnehmen.“ Therapeutinnen und Therapeuten
verstünden sich heute zunehmend als Coaches, die Betroffene aus der
Passivität in die Aktivität begleiten und ihnen die Angst vor Bewegung
nehmen. „Wir zeigen ganz praktisch: Man darf und sollte sich trotz
Schmerzen bewegen“, so Przybysz. Studien zeigen, dass nahezu alle Formen
körperlicher Aktivität bei chronischen Schmerzen positive Effekte haben
können – entscheidend ist oft vor allem, dass die Bewegung Freude macht
und regelmäßig erfolgt.
Multimodale Therapieansätze ermöglichen beste Behandlungserfolge
Die besten Aussichten auf eine erfolgreiche Therapie haben
Schmerzpatientinnen und -patienten dann, wenn multimodale Therapiekonzepte
zum Einsatz kommen. In spezialisierten Schmerzkliniken arbeiten
unterschiedliche Berufsgruppen interdisziplinär zusammen – darunter
Medizin, Psychologie, Pflege und Physiotherapie. „Das ist ein Setting, das
im ambulanten Bereich so kaum realisierbar ist, aber für den
Therapieerfolg unerlässlich bleibt“, so Przybysz. Das zentrale
Therapieziel sei es, Patientinnen und Patienten ganzheitlich zu behandeln
und ihnen Wege zu mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit aufzuzeigen.
Kostenfreie Experten-Hotline zum Aktionstag
An dem 15. „Aktionstag gegen den Schmerz“ informieren bundesweit Ärztinnen
und Ärzte, Kliniken, Apotheker, Pflegeeinrichtungen sowie Patientinnen-
und Patientenorganisationen über aktuelle Erkenntnisse und Therapiewege in
der Schmerzmedizin. Patientinnen und Patienten können sich für Fragen zur
Schmerztherapie von 9:00 bis 18:00 Uhr über die kostenfreie Hotline unter
0800 – 18 18 120 an die Expertinnen und Experten wenden.
Homepage zum 15. Aktionstag gegen den Schmerz
https://www.schmerzgesellschaf
Homepage der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.
https://www.schmerzgesellschaf
Zur Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.
Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ist mit über 3500 persönlichen
Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im
Bereich Schmerz in Europa. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ist
Mitglied der IASP (International Association for the Study of Pain) sowie
der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften). Sie ist zudem die interdisziplinäre
Schmerzdachgesellschaft von derzeit 19 mitgliederstarken weiteren
medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften im Bereich Schmerz.
Diese Perspektive wird zudem erweitert durch die institutionelle
korrespondierende Mitgliedschaft der Vereinigung aktiver Schmerzpatienten
SchmerzLOS e. V. in der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.
Die Mitglieder der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. sind
interdisziplinär und interprofessionell aufgestellt und bestehen aus
Schmerzexpertinnen und -experten aus Praxis, Klinik, Psychologen, Pflege,
Physiotherapie u. a. sowie wissenschaftlich ausgewiesenen
Schmerzforscherinnen und -forschern aus Forschung, Hochschule und Lehre.
