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Debatte um Social-Media-Verbot: Fakten statt Bauchgefühl

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Seit Dezember 2025 dürfen
Jugendliche unter 16 Jahren in Australien Plattformen wie Instagram,
TikTok oder Snapchat nicht mehr nutzen. Auch in Deutschland werden
Forderungen nach ähnlichen Verboten lauter. Forschende des Bayerischen
Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt), des Center for
Advanced Internet Studies (CAIS) und des Weizenbaum-Instituts mahnen
jedoch davor, vorschnell politische Maßnahmen ohne belastbare Evidenz zu
ergreifen



Auf der re:publica 2026 diskutieren Josephine B. Schmitt (CAIS), Roland A.
Stürz (bidt) und Hannes-Vincent Krause (WI) am 18. Mai 2026 gemeinsam
aktuelle empirische Erkenntnisse zu den Folgen von Social-Media-Verboten
und sprechen dabei auch direkt mit Jugendlichen über deren Erfahrungen und
Perspektiven.Die Einführung des Verbots in Australien wurde vor allem mit
Risiken für die mentale Gesundheit junger Menschen begründet. Besonders
die Perspektiven Jugendlicher seien jedoch vor der Entscheidung kaum
berücksichtigt worden.

„Pauschale Social-Media-Verbote ersetzen oft die Debatte über wirksame
Plattformregulierung“, sagt Josephine B. Schmitt, Wissenschaftliche
Koordinatorin am CAIS. „Sie suggerieren politische Handlungsfähigkeit,
verschieben die Verantwortung aber auf junge Menschen, statt Plattformen
konsequent zu regulieren.“ Soziale Medien seien für Jugendliche nicht nur
Risikoräume, sondern auch Orte für Information, Austausch,
Selbstorganisation und gesellschaftliche Teilhabe. „Verbote lösen viele
Probleme nicht, sondern verschieben sie in weniger sichtbare Räume“, so
Schmitt.

Den Wunsch nach wirksamer Regulierung statt pauschaler Verbote
unterstreicht Hannes-Vincent Krause, der als Psychologe und
Wirtschaftsinformatiker am Weizenbaum-Institut forscht: „Wissenschaftlich
gesehen lässt sich ein Social-Media-Verbot nicht wirklich tragen – weder
in Hinblick auf Notwendigkeit noch Effektivität. In einem angstgetriebenen
Diskurs sollten wir nicht in blinden Aktionismus verfallen, einzelne
Plattformen nicht grundsätzlich verbieten, sondern von Providern klare
Regulation von echten Problemen wie problematischem Content fordern und
uns endlich in angemessener Weise der Vermittlung von Medienkompetenz
widmen.“

Dass sich ein generelles Social-Media-Verbot für Minderjährige empirisch
nur begrenzt begründen lässt, zeigt auch ein aktuelles Diskussionspapier
der Weizenbaum-Forschenden Charlotte Mysegades, Christoph Neuberger und
Jakob Ohme: Studien belegen bislang keine starken negativen Effekte
sozialer Medien, vielmehr gelten die Zusammenhänge als geringfügig,
kontextabhängig und in ihrer Ursache-Wirkung-Beziehung oft unklar. Statt
pauschaler Verbote plädieren auch sie für eine stärkere Regulierung
problematischer Inhalte, die Vermittlung digitaler Kompetenzen und die
Förderung jugendgerechter Angebote (vgl. Discussion Paper).

Mehrheit für Verbote, Zweifel an der Wirkung

Dass der Wunsch nach klaren Regeln in der Bevölkerung dennoch groß ist,
zeigen aktuelle Daten des bidt – gleichzeitig herrscht eine verbreitete
Skepsis gegenüber der Wirksamkeit solcher pauschalen Verbote. Eine
deutschlandweite, repräsentative Befragung kommt zu folgenden Ergebnissen
(vgl. Policy Brief):

- 66 Prozent der Befragten sprechen sich für die Einführung eines Verbots
von Sozialen Medien für Kinder unter 14 Jahren aus. Mit steigender
Altersgrenze nimmt die Zustimmung jedoch deutlich ab.
- Bezogen auf unter 18-Jährige sind mehr Menschen gegen ein Verbot
Sozialer Medien (23 %) als dafür (11 %).
- Eigene positive oder negative Erfahrungen mit Sozialen Medien
beeinflussen die Haltung zu einem Verbot hingegen nur geringfügig, ebenso
wie zentrale soziodemographische Merkmale.
- Je nach Parteienpräferenz zeigen sich Unterschiede, jedoch spricht sich
in allen Gruppen jeweils eine Mehrheit für ein Verbot für Kinder unter 14
Jahren aus.
- Auffällig ist zugleich eine verbreitete Skepsis gegenüber der
Wirksamkeit eines entsprechenden Verbots: Eine Mehrheit von 59 % der
Menschen in Deutschland hält es für eher oder sehr unwahrscheinlich, dass
ein gesetzliches Verbot tatsächlich die Nutzung Sozialer Medien durch
Kinder und Jugendliche verhindern kann.

„Wie neueste Befragungsdaten des bidt zeigen, spricht sich eine breite
Mehrheit der Bevölkerung für ein Verbot von Sozialen Medien für Kinder
unter 14 Jahren aus – und dies trotz einer weit verbreiteten Skepsis
bezüglich der Wirksamkeit. Dahinter steckt in meinen Augen das legitime
Bedürfnis der Menschen nach Klarheit bei der Regulierung von Sozialen
Medien, da die bisherige Regulierung sehr komplex erscheint und damit
schwierig in der Umsetzung ist“, erklärt Roland A. Stürz, Abteilungsleiter
des bidt Think Tank.

Auf dem Panel ordnen die Forschenden die Debatte zum Social-Media-Verbot
evidenzbasiert ein und diskutieren Lösungswege für einen effektiven
Jugendschutz.

Das Panel „Das verbiete ich dir!!1!1! – Australiens Social-Media-Verbot
für unter 16-Jährige: erste Fakten statt Bauchgefühl“ findet am 18. Mai
2026 auf der re:publica statt – inklusive Diskussion mit Jugendlichen.

Moderatorin: Salwa Houmsi.
Teilnehmende: Josephine B. Schmitt (CAIS), Roland Stürz (bidt), Hannes-
Vincent Krause (Weizenbaum-Institut), Jugendliche vor Ort

Über die beteiligten Institute

Das Netzwerk der Institute für Digitalisierungsforschung (NIfD) vereint
seit 2021 führende Einrichtungen in Deutschland, die die
gesellschaftlichen, politischen und technologischen Folgen der digitalen
Transformation interdisziplinär erforschen. Dazu gehören unter anderem das
Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt), das
Center for Advanced Internet Studies (CAIS) sowie das Weizenbaum-Institut.

Bayerisches Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt): Das
bidt ist ein Institut der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Es
forscht interdisziplinär, informiert und berät wissenschaftsbasiert zu
zentralen Entwicklungen des digitalen Wandels. Damit liefert es die
Grundlagen, um die digitale Zukunft im Dialog mit der Gesellschaft
verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert zu gestalten.
https://www.bidt.digital/

Center for Advanced Internet Studies (CAIS): Das Land Nordrhein-Westfalen
fördert das CAIS in Bochum seit April 2021 langfristig als zentrales
Institut für Digitalisierungsforschung. Durch evidenzbasierte
Lösungsvorschläge trägt das CAIS zur Gestaltung des digitalen Wandels im
Interesse der Menschen bei. Am CAIS werden die Fächerwelten von Sozial-
und Geisteswissenschaften bis zur Informatik verzahnt und
Forschungsergebnisse in der Praxis erprobt. http://www.cais-research.de/.

Weizenbaum-Institut: Das Weizenbaum-Institut erforscht die Auswirkungen
der fortschreitenden Digitalisierung auf unsere Gesellschaft. Seine
Forschungsthemen reichen von Künstlicher Intelligenz und Plattformökonomie
über digitale Demokratie und Nachhaltigkeit bis zu Fragen von Sicherheit,
Teilhabe und Gerechtigkeit im digitalen Wandel. Es trägt mit seinen
Handlungsempfehlungen dazu bei, die digitale Transformation nachhaltig,
selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu gestalten. Es wird vom
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und dem Land
Berlin gefördert. https://www.weizenbaum-institut.de/