Fünf Jahre KomBioTa: Baden-Württemberg hat sich zum Hotspot der Biodiversitätsforschung entwickelt
Das Kompetenzzzentrum für Biodiversität und integrative Taxonomie
(KomBioTa), eine Kooperation zwischen dem Naturkundemuseum Stuttgart und
der Universität Hohenheim, ist ein einzigartiges Kompetenznetzwerk im
Bereich Artenkenntnis und Naturschutz.
Es wurde durch die „Taxonomie-Inititative“ des Landes Baden-Württemberg
initiiert und wird in dessen Rahmen seither gefördert.
Stuttgart,20.05.26. In den vergangenen fünf Jahren hat das
Kompetenzzentrum für Biodiversität und integrative Taxonomie (KomBioTa) in
Baden-Württemberg neue Maßstäbe in Forschung, Lehre und Vermittlung
gesetzt: Neben dem kontinuierlichen Monitoring der Artenvielfalt und der
Beschreibung zahlreicher neuer Arten – wie der nach Ministerpräsident a.D.
benannten Wespe Aphanogmus kretschmanni - unterstützt das Zentrum
beispielsweise Kommunen im Umgang mit invasiven Arten und erforscht diese,
wie mit der Ameisenart Tapinoma magnum oder dem Asiatischen
Laubholzbockkäfer Anoplophora glabripennis. Innovativ sind auch die von
KomBioTa entwickelten Schutzkonzepte, etwa insektenfreundliche
Mähmaschinen und Arbeiten zu landesweiten Biotopverbundstrukturen. Die
Wirksamkeit dieser Maßnahmen wird systematisch geprüft, unterstützt durch
den Einsatz modernster Methoden wie Robotik und Künstlicher Intelligenz
für eine schnellere Artenbestimmung. KomBioTa engagiert sich außerdem für
die Vermittlung von Artenwissen. Studierende, Praktiker*innen und
Bürger*innen profitieren gleichermaßen von neuen Lehrkonzepten,
Zertifikaten und Citizen-Science-Projekten. Das Zentrum wird von der
Universität Hohenheim und dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart
getragen. Die enge Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen hat ein in
Deutschland einzigartiges Kompetenznetzwerk entstehen lassen, das
Forschung, Praxis und Ausbildung miteinander verknüpft. Es wurde durch die
„Taxonomie-Inititative“ des Landes Baden-Württemberg initiiert und wird in
dessen Rahmen seither gefördert.
Artenkenntnis als Schlüssel für wissenschaftsbasierten Naturschutz:
Das Motto „Man kann nur schützen, was man kennt“ steht im Zentrum der
KomBioTa-Mission: Artenkenntnis bewahren, erweitern und an möglichst viele
Zielgruppen weitergeben, ist neben der Entwicklung innovativer
Schutzmaßnahmen zentrales Anliegen von KomBioTa. So hat das Netzwerk etwa
insektenfreundliche Mähmaschinen entwickelt, arbeitet an landesweiten
Biotopverbund-Konzepten und garantiert durch moderne Monitoring-Methoden
die Überprüfung der Schutzmaßnahmen. In der Methodenentwicklung nimmt das
Zentrum eine deutschlandweite Vorreiterrolle ein: Der Einsatz von Robotik
und Künstlicher Intelligenz bei der Artenbestimmung, beispielsweise in
umfangreichen Proben in Insektenfallen, steht exemplarisch für das
Innovationspotenzial. Ein aktuelles Beispiel für diese Innovationskraft
ist das Projekt BeeConnect, das an der Schnittstelle von Forschung, Praxis
und gesellschaftlichem Dialog neue Perspektiven für die Vernetzung von
Lebensräumen und den Erhalt der genetischen Vielfalt von Insekten schafft.
Starke Partner für exzellente Biodiversitätsforschung: Universität
Hohenheim und Naturkundemuseum Stuttgart:
Die Rückkehr der klassischen Taxonomie ins Zentrum der Ausbildung ist ein
weiterer Meilenstein. Durch neue Lehrformate, Zertifikate und Citizen-
Science-Projekte wird Artenkenntnis sowohl an Studierende als auch an
praktische Naturschützer*innen und die interessierte Öffentlichkeit
weitergegeben. Kern des Erfolgs ist die kongeniale Partnerschaft zwischen
Museum und Universität.
„Neben der besonderen Expertise des Naturkundemuseums Stuttgart profitiert
KomBioTa von dem einzigartigen Schatz, den das Museum mit seiner
umfangreichen Forschungssammlung von mehreren Millionen Exemplaren
besitzt“, sagt Prof. Dr. Christoph Schneider, Rektor der Universität
Hohenheim.
„Mit ihrem besonderen Schwerpunkt in Natur- und Agrarwissenschaften
besitzt die Universität Hohenheim eine Kompetenz, die es ermöglicht,
Lösungen zu entwickeln und junge Menschen dazu auszubilden, diese auch in
der Praxis umzusetzen. Diese Aspekte machen unter anderem den großen
Erfolg von KomBioTa aus“, ergänzt Prof. Dr. Lars Krogmann, Direktor des
Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und KomBioTa-Vorstand.
Interdisziplinäres Netzwerk und Wissenstransfer:
Das Netzwerk vereint rund 150 Wissenschaftler*innen aus Systematik,
Ökologie, Genetik, Informatik, Naturschutzpraxis, Sozial- und
Agrarwissenschaft. Gemeinsam arbeiten sie in innovativen Forschungs- und
Arbeitsgruppen zu Themen wie genetische Artenerfassungen,
Anpassungsforschung und Analyse der Populationsdynamik invasiver Arten.
Erkenntnisse werden nicht nur wissenschaftlich publiziert, sondern auch
aktiv über Veranstaltungen, digitale Formate und Weiterbildungen in die
Gesellschaft getragen.
„Unser Anspruch ist es, wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher
Wirkung zu verbinden. Wir arbeiten an den relevanten Schnittstellen
zwischen Forschung, Politik und Praxis, um tatsächlich etwas für die
Biodiversität vor Ort zu bewegen”, so Prof. Dr. Johannes Steidle vom
KomBioTa-Vorstand. „Gerade mit Blick auf die globalen Umweltveränderungen
gewinnen die Themenfelder von KomBioTa zunehmend an Bedeutung.“
Vielfältige Projekte für die Artenvielfalt der Zukunft:
Der Bedarf an fundierter Artenkenntnis und effektiven Lösungen für den
Naturschutz wächst ständig. „Artenverlust, Klimawandel und
Landnutzungswandel gefährden unsere Ökosysteme. Mit unserer Arbeit
bereiten wir heute den Weg, damit wir auch in Zukunft biologische Vielfalt
erhalten und verstehen können“, ergänzt Prof. Dr. Martin Hasselmann,
ebenfalls Teil des KomBioTa Vorstandstrios.
Mit einer Vielzahl neuer Projekte, interdisziplinären Arbeitsgruppen und
einem breiten Bildungsangebot stärkt KomBioTa den Wissens- und
Praxistransfer für den nachhaltigen Schutz der Biodiversität. Insgesamt
entstanden im KomBiota-Netzwerk in den vergangenen fünf Jahren 1.426
Publikationen und Drittmittelprojekte in Höhe von knapp 30 Millionen Euro
wurden eingeworben.
