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Blüten an allen Orten - Botanischer Garten der HHU im Mai

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Im Mai zeigt sich der Botanische Garten der Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf (HHU) in seiner ganzen Pracht. Überall, auf den Wiesen, an
Sträuchern und Bäumen blüht es. Noch sind auch Pfingstrosen und späte
Magnolien zu finden. Der Garten ist täglich bis 19:00 Uhr geöffnet.

Aktuell zeigt die Natur, welch vielfältige Formen und Farben sie
hervorbringen kann. Diese spiegeln auch verschiedene Bestäubungsstrategien
der unterschiedlichen Pflanzen wieder. Entsprechend sind auch zahlreiche
Insekten – neben Bienen und Hummeln auch viele Schmetterlinge – an den
Blüten zu finden. Bei Hahnenfußblüten (Ranunculus-Arten) wird Nektar, eine
Belohnung für die Bestäuber, unter einer kleinen Schuppe auf den
Kronblättern gebildet und ist so für sehr viele Insekten zugänglich.

Der Acker-Rettich (Raphanus raphanistrum) scheidet Nektar am Grunde der
Blüte aus. Violette Adern der Blütenblätter dienen Insekten als sogenannte
Saftmale, die den Weg zur verborgenen Quelle weisen. Der Nektar des
Wiesen-Salbeis (Salvia pratensis) ist nur langrüsseligen Insekten
erreichbar. Dringt eine Hummel in die Blüte ein, so gelangen Pollen auf
ihren Rücken; beim Besuch der nächsten Salbeiblüte wird diese mit dem
zuvor gesammelten Pollen bestäubt.

Prachtvoll anzusehen sind die verschiedenen Wildarten und Sorten von
Pfingstrosen (Paeonia), die überall im Botanischen Garten zu finden sind.
Doch nicht alle von ihnen sind gleichermaßen für Bestäuber wertvoll. Dr.
Sabine Etges, die Wissenschaftliche Leiterin den Botanischen Gartens der
HHU: „Die Züchter haben unter anderem Sorten mit sogenannten gefüllten
Blüten gezüchtet. Diese haben statt Staubblättern sehr viele Kronblätter.
Insekten können so kaum Pollen – eine weitere Belohnung – sammeln.
Wildarten der Pfingstrose können mehrere Millionen Pollenkörner pro Blüte
bilden und sind eine üppige Nahrungsquelle.“ Zusätzlich scheiden die
Kelchblätter Nektar aus, der besonders von Ameisen aufgenommen wird, die
die Pflanzen vor Fressfeinden schützen.

Auch wenn die Pfingstrosen demnächst verblüht sein werden, so lohnt doch
ein Blick auf ihre Standorte in der geographischen Abteilung. Dort sind
dann deren Früchte zu sehen, die teilweise mit einem feinen Pelz überzogen
sind. Später im Jahr werden diese Balgfrüchte aufreißen und ihre schwarz
glänzenden Samen entlassen. Etges: „Die ebenfalls darin enthaltenen
leuchtend roten Samen sind steril und haben möglicherweise eine
Schaufunktion.“

Gerade die Wiesen rund um das Kuppelgewächshaus sind jetzt mehr als einen
Blick wert. Dort blüht unter anderem in kräftigem Violett der Wiesen-
Salbei (Salvia pratensis), während der Bienenfreund (Phacelia
tanacetifolia) in der Heidelandschaft ein zartlila Blütenbett
hervorbringt. Selten zu sehen sind die zartgrünen Klappertöpfe
(Rhinanthus) mit ihren kleinen gelben Blüten. Ihren deutschen Namen
verdanken sie den Samen, die in den reifen, pergamentartigen Früchten
charakteristische Geräusche verursachen.

Nicht nur Blumen, Stauden und Sträucher stehen nun in Blüte, sondern auch
manche Bäume wie die Rote Rosskastanie (Aesculus x carnea 'Briotii'). Die
Ulme (Ulmus ® Resista) hat bereits ausgeblüht, um sie herum finden sich
ihre geflügelten Nussfrüchte. Ulmen sind weltweit durch einen aus Ostasien
eingeschleppten Pilz bedroht, der über den Ulmensplintkäfer übertragen
wird. Der Pilz verstopft die Wasserleitbahnen, wodurch die Bäume
absterben. Die Ulme im Botanischen Garten ist eine gegen den Pilz
resistente Art.

Der Botanische Garten der HHU

Der rund acht Hektar große Botanische Garten öffnete 1979 seine Tore. Er
liegt in einer Wasserschutzzone und ist Teil des Frischluft- und
Grüngürtels der Landeshauptstadt Düsseldorf sowie ein wichtiges
Trittsteinbiotop zwischen Rheinauen und den Unterbacher Seen. Er leistet
mit seiner Pflanzenvielfalt einen Beitrag, um bedrohte Arten zu erhalten
und die Biodiversität zu sichern. Der Bevölkerung öffnet er sich
ganzjährig als Stätte der Bildung und Erholung. An der HHU dient er der
Pflanzenforschung und der Studierendenausbildung.

Das eindrucksvolle Kuppelgewächshaus, das 1975 fertiggestellt wurde,
beherbergt Pflanzen aller Kontinente. Es wird ergänzt durch ein
Südafrikahaus und eine große Orangerie, in der die Kübelpflanzen
überwintern. Neben diesen betreibt der Botanische Garten ein nicht
öffentliches großes Sammlungs- und Forschungshaus, Versuchsflächen und
auch die hochmodernen Forschungsgewächshäuser auf den Institutsgebäuden
der HHU.

Jährlich besuchen über 100.000 Bürgerinnen und Bürger den Botanischen
Garten. Er ist zwischen April und September täglich für die Öffentlichkeit
bis 19:00 Uhr geöffnet. Den Besuchenden steht ein kostenfreier Audioguide
auf Deutsch und Englisch zur Verfügung, der sie auf Rundgängen zu allen
Besonderheiten führt.

Mit einem vielfältigen Vortrags- und Führungsprogramm werden Interessierte
jeden Alters an die Geheimnisse, die im Garten zu finden sind,
herangeführt und ihre Bedeutung für die menschliche Zivilisation
verdeutlicht. Eine aktive Beteiligung ist im Rahmen eines Citizen Science-
Projektes möglich: Die Vielfalt von Wildarten (Pflanzen, Tiere und andere
Organismen) kann über eine App dokumentiert werden. Mit diesem
Wissenstransfer ist der Botanische Garten in das Selbstverständnis der HHU
als Bürgeruniversität eingebunden.

Unterstützt wird die Arbeit durch den Freundeskreis Botanischer Garten der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf e.V., mit dessen Hilfe bereits viele
Projekte realisiert werden konnten.

Ebenso ist der Botanische Garten eine Ausbildungsstätte für bis zu zehn
zukünftige Gärtnerinnen und Gärtner in der Fachrichtung
„Staudengärtnerei“. Dort lernen die Auszubildenden auch die Besonderheiten
eines wissenschaftlich orientierten Gartens kennen.

Bildbeschreibung Bild 2:
Es blüht in allen möglichen Formen und Farben (v.l.): Acker-Rettich
(Raphanus raphanistrum); Garten-Sonnenröschen (Helianthemum); Altai-
Steppenkerze (Eremurus altaicus); Hahnenfuß (Ranunculus); Wiesen-Knöterich
(Bistorta officinalis); Sommerflieder (Buddleja araucana); Großes
Windröschen (Anemone sylvestris); Goldlack-Hybride (Erysimum).