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Wetterkatastrophen und ihre Geschichten

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Vortrag der Klimaforscherin Friederike Otto im Rahmen der
Mittwochskonferenz des Forschungszentrums Historische
Geisteswissenschaften/Goethe-Universität Frankfurt



FRANKFURT. Hitzewellen in Nordamerika und Westafrika, Dürren in Südafrika
und Madagaskar, Waldbrände in Australien und Brasilien, Überschwemmungen
in Deutschland und Pakistan: Diese verschiedenen meteorologischen
Ereignisse entfalten sich in Gesellschaften, die durch je eigene
politische, wirtschaftliche und historische Bedingungen geprägt sind. Doch
über all diese Kontexte hinweg bleibt ein erkennbares Muster. Diejenigen,
die sterben, die Häuser, Lebensgrundlagen und Gesundheit verlieren, sind
überwiegend diejenige, die das wenigste Geld, den eingeschränktesten
Zugang zu Informationen und die geringste politische Macht besitzen.
Extremwetter wird zur Katastrophe nicht allein durch atmosphärische
Physik, sondern durch die Art und Weise, wie Gesellschaften strukturiert
sind.
Mittwochskonferenz
des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften:
Friederike Otto (London): “Climate Change in an Unequal World:
Weather Catastrophes and Their Histories”
27. Mai 2026, 18 Uhr, c.t.,
IG 411, IG-Farben-Haus, Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt.

In ihrem Vortrag spricht die renommierte Klimaforscherin Prof. Friederike
Otto über Praxisbeispiel aus ihrem Alltagsgeschäft: die Identifizierung
von Ursachen für wetter- und klimabedingte Katastrophen. Dabei fragt sie,
ob das, was häufiger „Klimakatastrophen" genannt werden, besser als ein
Zusammentreffen von Extremwetter und historisch erzeugter Ungleichheit zu
verstehen wären. Indem sie die jüngsten Extremwetterereignisse ins
Verhältnis zu der langen Geschichte von Imperialismus, Ausbeutung und
Ungleichheit setzt, liefert sie Argumente dafür, dass das, was wir
erleben, sich nicht verstehen lässt, wenn wir es bloß als Klimakrise
bezeichnen. Vielmehr handelt es sich um eine Krise der Gerechtigkeit. Der
Klimawandel wirkt nicht auf einem leeren Blatt; er verstärkt historisch
gewachsene Macht- und Ausbeutungsstrukturen. Ihn als technisches oder rein
physikalisches Problem zu behandeln, greift daher grundlegend zu kurz. Die
Herausforderung besteht nicht nur darin, Energiesysteme umzugestalten,
sondern die Machtverteilung zu verändern: Wer entscheidet, wer profitiert
und wer trägt das Risiko. Wenn wir den Klimawandel weiterhin als Problem
des Kohlenstoffs begreifen statt als Problem der Ungleichheit, werden wir
sowohl seine Ursachen als auch seine Folgen verkennen. Extremwetter mag
atmosphärisch sein - Katastrophe ist politisch.

Prof. Dr. Friederike Otto ist Klimaforscherin, Physikerin und promovierte
Philosophin. Am Grantham Institute for Climate Change des renommierten
Imperial College London forscht sie zu Extremwetter und dessen
Auswirkungen auf die Gesellschaft. Sie hat das neue Feld der
Zuordnungswissenschaft (Attribution Science) mitentwickelt. Otto zählt zu
einem internationalen Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern,
die nahezu in Echtzeit berechnen können, wie viel Klimawandel in unserem
Wetter steckt. 2021 gehörte die gebürtige Kielerin laut TIME Magazine zu
den 100 einflussreichsten Menschen weltweit. 2023 erhielt sie den
Deutschen Umweltpreis.

Die Veranstaltung ist öffentlich und englischsprachig; sie findet statt in
Kooperation mit dem Evangelisches Studienwerk Villigst e.V. Die nächste
Mittwochskonferenz des Forschungszentrums Historische
Geisteswissenschaften findet am 17. Juni um 18 Uhr, c.t. mit Gabriel Trop
(University of North Carolina, Chapel Hill) zu „Die Gesetzlosigkeit der
Technik“ statt.

Website: <https://fzhg.org/>