Knapp 73 Prozent der Studien-Stipendiat*innen der Hans-Böckler-Stiftung kommen aus nicht-akademischen Familien
Begabtenförderung für mehr Bildungsgerechtigkeit – Bewerbungen möglich
Knapp 73 Prozent der Studien-Stipendiat*innen der Hans-Böckler-Stiftung
kommen aus nicht-akademischen Familien
Knapp 73 Prozent der Stipendiat*innen, die die Hans-Böckler-Stiftung im
Jahr 2025 bei ihrem Studium gefördert hat, besuchen als erste in ihrer
Familie eine Hochschule. 2019 lag der Anteil der Erstakademiker*innen
unter den Geförderten noch bei knapp 58 Prozent, 2022 waren es gut 68
Prozent.
Damit hat die Begabtenförderung der Stiftung ihren Beitrag zu gleichen
Bildungschancen weiter verstärkt. Denn generell ist in Deutschland die
soziale Herkunft noch immer prägend für die Bildungskarriere junger
Menschen. Bei allen Bildungsübergängen, sowohl auf dem Weg zum Abitur als
auch an die Hochschule, ist die Quote von Kindern aus
Akademiker*innenfamilien viel höher als von Kindern aus nicht-akademischen
Familien. So beginnen laut dem Hochschul-Bildungs-Report 27 Prozent der
Kinder aus nicht-akademischen Haushalten ein Studium. Bei
Akademiker*innenkindern sind es dagegen 79 Prozent. Und während 43 Prozent
der Kinder aus Akademiker*innenhaushalten erfolgreich den Master
abschließen, sind es unter Kindern aus Nichtakademiker*innenhaushalte
lediglich elf Prozent.
„Wir engagieren uns seit vielen Jahren für mehr Bildungsgerechtigkeit,
indem wir junge Talente unterstützen, die unter oft erschwerten
Bedingungen Außergewöhnliches leisten“, sagt Ralf Richter, Direktor
Begabtenförderung der Hans-Böckler-Stiftung. „Wir hören immer wieder von
Geförderten, dass sie trotz guter Noten in der Schule ohne ein Stipendium
wahrscheinlich kein Studium aufgenommen hätten.“ Dahinter stehen oft
finanzielle Gründe – knapp 80 Prozent der Böckler-Stipendiat*innen haben
einen Anspruch auf BAföG, das sie anders als ein Stipendium allerdings
zurückzahlen müssten. Hinzu kommen weniger Berührungspunkte zum und
Einstiegshürden beim Studium, wenn noch niemand in der Familie Hochschul-
Erfahrung hatte. Auch hier unterstützt die Begabtenförderung durch ihre
„ideelle Förderung“ mit zahlreichen Seminaren sowie der Vernetzung mit
anderen Studierenden in den Böckler-Stipendiat*innengruppe
Städten.
Wie das zu mehr Vielfalt an den Hochschulen beiträgt, zeigen weitere
aktuelle Daten: Mehr als 40 Prozent der Geförderten haben eine familiäre
oder persönliche Einwanderungsgeschichte. Das entspricht nach Daten des
Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ungefähr dem Anteil in der
jüngeren Bevölkerung in Deutschland, liegt aber über dem Anteil unter
allen Studierenden. Gleichzeitig liegt die Quote der Böckler-
Stipendiat*innen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Ostdeutschland
erworben haben, leicht über dem Anteil unter allen Studierenden an
deutschen Hochschulen. Und: Ein Viertel der Geförderten haben ihre
Hochschulzugangsberechtigung auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg
erlangt.
Aktuell fördert die Hans-Böckler-Stiftung knapp 3000 Stipendiat*innen beim
Studium, bei einer Promotion, sowie seit 2024 auch Auszubildende über ein
vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR)
gefördertes Sonderprojekt. Für die Begabtenförderung erhält die Hans-
Böckler-Stiftung zweckgebunden Geld vom BMFTR, so wie die anderen
öffentlich geförderten deutschen Begabtenförderwerke auch.
Die Mittel dafür werden im Deutschen Bundestag beraten und beschlossen und
über den Einzelplan 30 (BMFTR) des Bundeshaushaltes bereitgestellt. Im
Kalenderjahr 2024 erhielt die Stiftung rund 33,4 Millionen Euro. Sowohl
das Ministerium als auch der Bundesrechnungshof überwachen, dass mit
diesen Mitteln ausschließlich die Stipendien, die Betreuung der
Stipendiat*innen und der dafür nötige personelle Aufwand finanziert
werden. Für die ideelle Förderung (u.a. Seminare, Studienreisen,
Auslandsakademien) der Stipendiat*innen wendet die Stiftung darüber hinaus
zusätzlich jedes Jahr erhebliche Eigenmittel auf.
